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In der Energiewende setzt die Bayerische Regierung auf Solarenergie auf Freiflächen - die Gemeinde Marzling nicht unbedingt.

Seltsame Beschlüsse im Marzlinger Rat

Energiewende: Gemeinde bügelt PV-Antrag nieder - der große Hammer folgt erst später

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Ohne den Einsatz der Kommunen ist die Energiewende nicht machbar. Nun aber hat die Gemeinde Marzling eine PV-Freiflächenanlage   abgelehnt – unter merkwürdigen Umständen.

  • Ein Projektentwickler für Erneuerbare Energien plant in Marzling eine PV-Anlage
  • Die Gemeinde teilt mit, dass sie grundsätzlich solche Projekte ablehnt
  • Vier Monate später reagiert die Gemeinde auf einen ähnlichen Antrag ganz anders

Marzling – Florian Schindler hat sein Projekt von langer Hand geplant. Der Freisinger, der für Primus Energie (Sitz: Regensburg) arbeitet, einem Projektentwickler für Erneuerbare Energien, fand zunächst in Marzling einen Landwirt, der ihm einen Hektar Acker zum Zweck einer Photovoltaik-Freiflächenanlage verpachtete. Dann arbeitete Schindler acht Monate darauf hin, einen Einspeisepunkt zu organisieren. Über einen unmittelbar am Feld gelegenen 20-kv-Masten dürfte er jetzt den Strom aus der geplanten 750-kWp-Anlage beim Netzbetreiber Überlandwerk Erding einspeisen.

Rot gewinnt: Nachdem der Gemeinderat Marzling eine PV-Anlage auf der blauen Fläche abgelehnt hatte, gab er einem anderen Antragsteller vier Monate später auf dem Areal daneben grünes Licht.

Doch dann scheiterte der Freisinger kurz vor dem Ziel – an dem Willen der Gemeinde Marzling. Im August 2019 erhielt Schindler ein Schreiben von Bürgermeister Dieter Werner. Der Antrag sei im Gemeinderat behandelt worden. „Seitens des Gremiums werden keine Freiflächen-PV-Anlagen zugelassen.“

Mit der PV-Anlage könnten 246 Haushalte versorgt werden

Für Schindler ist das unverständlich. Nicht nur, dass der Freistaat inzwischen auf PV setzt. „Etwas Besseres kann man auf dieser Konversionsfläche zwischen Staatsstraße und Bahnlinie auch gar nicht machen“, sagt er. So eine Anlage sei gut für den Boden, der 20 bis 30 Jahre Zeit habe, sich von etwaigen Pestizid-Einsätzen zu erholen. Gut für die Artenvielfalt, weil Vögel und Insekten dort einen Rückzugsort haben und auf den wiesenartigen Bewuchs Nahrung finden können. Gut für die Anwohner, da keine Emissionen entstehen – und gut für das Klima. 

„Mit der von mir geplanten Anlage könnten 246 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden.“ Die Energiewende liege in den Händen der Kommunen. „Denn solange Solarenergie nicht privilegiert ist, haben die Gemeinden die Planungshoheit.“

Der Hammer folgt vier Monate nach der Ablehnung

Aus allen Wolken fällt Schindler kurz vor Weihnachten: Da liest er im FT, dass die Gemeinde nun doch eine PV-Anlage genehmigt hat: auf einer ähnlich großen Fläche – direkt neben dem Areal, das er gepachtet hat. Das vom Gemeinderat bewilligte Projekt hat sogar denselben Namen wie Schindlers Antrag: Schlottfeld.

Erst ärgert sich der Freisinger, doch dann sieht er auch eine neue Chance für sein Projekt. Er schreibt Bürgermeister und Rat, dass er zunächst überrascht über die grundsätzliche Absage gewesen sei, sich daher aber umso mehr freue, dass die Gemeinde nun einem anderen Antrag offenbar ohne Weiteres zugestimmt habe. „Wir gehen daher selbstverständlich davon aus, dass Sie unser Vorhaben nunmehr ebenfalls unterstützen.“

Gemeinde will Flächen sparen - die gehören ihr gar nicht

Doch danach sieht es nicht aus. Zwar sei im Rat ein „Umdenken“ erfolgt, wie Bürgermeister Werner gegenüber dem FT die merkwürdige Energie-Wende nennt. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man jetzt noch eine zweite PV-Anlage draufsattelt.“ Dass der erste Antragsteller dann das Nachsehen hätte, ordnet Werner der Rubrik „Blöd gelaufen“ zu. Die kleinste Gemeinde im Landkreis müsse sparsam mit Flächen umgehen. Schindler indes versteht nicht, warum sich die Gemeinde um private Flächen sorgt. „Der Landwirt sollte selbst entscheiden dürfen, ob er die Erträge aus der Sonne oder aus dem Boden erwirtschaften will.“ Am Donnerstag befindet der Gemeinderat über Schindlers Antrag.

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