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Mit Musik flott marschiert: Gemeinsam zogen die Mitglieder und Gäste nach dem Gottesdienst zur Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewalt, bevor anschließend in der Gemeindehalle gefeiert wurde.

„Irgendwie wird es weitergehen“

Kriegerverein Marzling feiert 100-jähriges Bestehen – aber sorgt sich um Zukunft

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Der Krieger- und Soldatenverein Marzling feierte am Sonntag sein 100-jähriges Bestehen. Die Mitglieder machen sich Sorgen um die Zukunft - doch eine Namensänderung kommt nicht infrage.

Marzling – Er steht in einer Reihe mit anderen und kann heuer sein 100-jähriges Bestehen feiern: Der Krieger- und Soldatenverein (KSV) Marzling hatte am Sonntag zum großen Fest geladen – inklusive Kirchenzug, Festgottesdienst, Festzug, Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewalt sowie Grußworte und Reden in der Gemeindehalle.

41 Marzlinger gründeten den Verein

Dass die Marzlinger Krieger wie all ihre Kollegen im Landkreis Garanten für den Frieden seien und sich die Mahnung zum Frieden auf die meist alten Vereinsfahnen geschrieben hätten, das bestätigten Vize-Landrat Robert Scholz, Marzlings Bügermeister Dieter Werner und der Vorsitzende des Kreis-Krieger- und Soldatenvereins (KKSV) Freising, Otto Radlmeier, in ihren Ansprachen. Die abwechslungsreiche Vereinsgeschichte ließ Vorsitzender Walter Bock Revue passieren. Er erinnerte an die 41 Marzlinger, die den „Krieger- und Veteranenverein“, wie er damals noch hieß, gegründet und die sich vorrangig für eine finanzielle Unterstützung der heimgekehrten Versehrten und Kriegerwitwen eingesetzt hatten. Vereine wie der Marzlinger hätten aber auch geholfen, so Bock weiter, „das Leben nach dem Krieg zu bewältigen“ – in Zeiten, in denen noch kein Kriseninterventionsteam wartete oder Psychologen halfen, die Erlebnisse zu verarbeiten. 

„So paradox es klingt, der Krieg bot vielleicht eine Überlebenschance“

Freilich: Für eine „Friedensarbeit“ habe die Zeit von 1918 bis 1939 nicht gereicht, weil am 1. September 1939 mit dem Zweiten Weltkrieg die nächste Katastrophe über Europa hereingebrochen sei. Bock: „Und wieder schütteln die nachfolgenden Generationen in Deutschland die Köpfe und fragen sich, warum sich die jungen Männer damals nicht verweigert haben. Die Antwort ist einfach: Sie wurden nicht gefragt, ob sie Soldat werden wollen, sie hatten nicht die Wahl zwischen Kriegs- und Zivildienst, sie konnten Soldat werden oder in Straflagern um ihr Leben fürchten. So paradox es klingt, der Krieg bot in dieser Lage vielleicht eine Überlebenschance.“

Ihren Vereinen viele Jahre treu: Walter Bock vom KSV (3. v. l.) und Otto Radlmeier vom KKSV (3. v. r.) ehrten (v. l.) Matthias Rothermel, Martin Ernst, Dieter Werner, Wolfgang Fischhaber, Heinz Unger und Hans Aubele.

Anfang der 1950er seien die während der der nationalsozialistischen Herrschaft verbotenen Vereine wieder an die Öffentlichkeit getreten und hätten sich der Gefallenen und Vermissten der Gemeinde, vor allem aber der Arbeit für den Frieden gewidmet, erinnerte Bock. Die Opfer sollten jedoch nicht vergessen werden, nicht zuletzt durch die Errichtung von Gedenktafeln und Mahnmalen.

Namensänderung kommt nicht infrage

Nach über 70 Jahren Frieden in Europa stelle sich die Frage, „ob unsere Form der Friedensarbeit im Kleinen überhaupt noch notwendig und zeitgemäß ist“. Das demokratische Deutschland habe bis heute kein entspanntes Verhältnis zu seinen Soldaten gefunden. Bock betonte, dass der Bundestag 2011 die Aussetzung der Wehrpflicht beschlossen habe, nicht aber die Abschaffung. Die Sorge vor einem neuerlichen Krieg in Europa treibe die Menschen nicht um. Aber: „Haben wir als Krieger- und Soldatenvereine und als Bürger nicht auch das Recht oder gar die Pflicht, uns Sorgen um unsere Kameraden und um die Bedingungen, unter denen sie ihren Dienst versehen müssen, zu machen?“

All das werfe Fragen über die Zukunft dieser Vereine auf, auch über die der Marzlinger Krieger. Die Mitgliederentwicklung sei seit Jahren rückläufig. Dennoch: Einer Entwicklung zu einem „Krieger- und Heimatverein“ erteilte Bock eine Absage. „Ich denke, dass es durchaus Aufgaben für die Krieger- und Soldatenvereine gibt, die über unsere immer wieder bemühte Mahnung für den Frieden hinausgehen.“ Er betonte: „Heute sind wir 100 geworden. Irgendwie wird es weitergehen.“

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