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„Gleichgesinnte“: (v. l.) Marzlings Bürgermeister Dieter Werner, Maximilian Geidel und Peter Stanglmaier (Stanglmaier Immobilien GmbH), Bauherr Günter Krieglsteiner und Architekt Andreas Gernert (Büro Deppisch).

„Etwas, das Marzling gut tut“

Projekt der Superlative: In Marzling entstehen alternative Wohnformen 

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Die Gemeinde Marzling und der Bauherr planen ein Projekt der Superlative. Das Konzept umfasst nicht nur alternative Wohnformen, sondern auch etwas, das Marzling bis dato fehlt.

Marzling – Für Bürgermeister Dieter Werner ist es ein Leuchtturmprojekt, für Schreiner Günter Krieglsteiner eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam planen die Gemeinde Marzling und der Bauherr ein Projekt der Superlative in illustrer Ortslage. Das Konzept für das 1,2 Hektar große Areal umfasst nicht nur alternative Wohnformen, sondern auch etwas, das Marzling bis dato fehlt: eine zentrale Begegnungsstätte für die Bevölkerung.

„Wohnen im Obstgarten“ in vier Gebäuden

An der Freisinger Straße entstehen unter dem Projektnamen „Wohnen im Obstgarten“ vier Gebäude. Neben einem Stadel, von dem noch die Rede sein wird, werden in drei Baukörpern insgesamt 20 Wohnungen mit rund 2000 Quadratmetern Wohnfläche errichtet. Die Einheiten reichen von 31 Quadratmeter großen Apartments bis zur 130 Meter großen Heimstatt. „Vom Studenten über Familien bis hin zum Senior ist für alle etwas dabei“, sagt der Freisinger Immobilien-Fachmann Peter Stanglmaier bei einem Pressetermin vor Ort. „Dadurch, dass alle Gebäude mit komfortablen Aufzügen ausgestattet sind, ist alles barrierefrei.“

Auf einem 1,2 Hektar großen Areal in zentraler Ortslage entstehen drei Wohnhäuser. Dort, wo es noch grünt, wird ein Barockstadel als zentrale Begegnungsstätte für die Marzlinger aufgebaut.

So können sich auch ältere Menschen für einen Platz im Dachgeschoß bewerben. Denn dort sollen in allen drei Gebäuden Wohngemeinschaften etabliert werden. „Vorgesehen sind zwei Fünfer-WG und eine Vierer-WG mit jeweils größeren Gemeinschaftsräumen und einer gemeinsamen Küche“, berichtet Bauherr Krieglsteiner. „Dort wünsche ich mir ein generationenübergreifendes Wohnen.“ Die Idee dazu lehnt sich an bereits etablierte Konzepte wie etwa Wilna (Wir leben nicht allein) an, erklärt Stanglmaier: „Das Motto lautet ,Gemeinsam statt einsam‘.“ Abgeschlossene Apartments mit je eigenem Bad sorgen aber dafür, dass es auch in den Wohngemeinschaften Rückzugsorte gibt.

Herzstück ist der Barockstadel

Herzstück des Bauprojekts ist ein Gebäude, in dem Krieglsteiner einen Wochenmarkt und ein Café unterbringen möchte. Die Pointe: Krieglsteiner hat dafür extra einen Barockstadel erworben, der zuvor in Ampertshausen gestanden hat – ein historischer Akt. Denn bei dem alten Heu- und Getreidelager handelt es sich um ein fast 250 Jahre altes Denkmal, den letzten datierten Barockstadel aus dem Landkreis Freising. Krieglsteiner ließ ihn in Ampertshausen abbauen, hat ihn derzeit in eigenen Räumen eingelagert und wird ihn demnächst in Nachbarschaft zu den drei Wohngebäuden wieder errichten.

Vor einem Lagerfeuer hat der Bauherr den ältesten noch bestehenden Barockstadel aus dem Landkreis bewahrt. Er wurde in Ampertshausen abgebaut und soll in Marzling in neuer Frische erstrahlen.

„Ich habe diese geschichtsträchtige Hofstätte davor bewahrt, Brennholz zu werden“, sagt Krieglsteiner und lacht. „Für mich ist der Stadel das Dokument einer vergangenen Baukultur. Diese jahrhundertealte Baukultur wollte ich in den neuen Wohngebäuden aufgreifen, indem dort viel mit Holz gearbeitet wird und dadurch auch ein regionaler Bezug entsteht. Die Gesamtwohnlage soll den dörflichen Charakter bewahren.“

Bürgermeister Werner ist begeistert von dem Konzept. „Wir brauchen Mietwohnungen, und unsere Bürger wollen etwas, mit dem sie sich identifizieren können.“ Man habe zwar eine Schulturnhalle und einen Sportpark. „Aber eine solche Begegnungsstätte, wie sie jetzt hier im Stadel geplant ist, geht uns ab.“

Zwei „Gleichgesinnte“ haben sich gefunden

Glücklich ist der Rathauschef, dass sich „zwei Gleichgesinnte gefunden“ haben, wie er sich ausdrückt. Denn Krieglsteiner und die Gemeinde haben das Projekt in enger Abstimmung miteinander geplant. „Für die Gemeinde war das wichtig, weil es sich hier um das letzte ganz zentrale freie Großgrundstück im Ort handelt“, sagt Werner. „Umso schöner ist es, dass hier so etwas Tolles entsteht.“ In enger Abstimmung wurde der Bebauungsplan Anfang 2017 verabschiedet. Seit Beginn des Jahres 2018 existiert die Baugenehmigung. Im Juni darauf rückten die Bagger an. Im Herbst 2019 sollen die Gebäude peu à peu eingeweiht werden. Nach knapp einem Jahr Bauzeit sind die Arbeiten schon weit vorangeschritten. Und auch wenn noch überall gebohrt, geschraubt und gehämmert wird, ist doch schon so etwas wie ein Gesamtbild für das Areal entstanden. Architekt Andreas Gernert vom Büro Deppisch aus Freising betont, wie viel Geschichtsbewusstsein in dem Bauprojekt steckt. „Die moderne Interpretation eines Giebelschrotes, der weit vorspringende Dachfuß an der Gred, der traufseitige Laubengang und der weit vorkragende Brettergiebel bilden Elemente, die zwischen Historie und Moderne vermitteln“, erklärt er. „Neben der Verwendung natürlicher Baustoffe war uns auch ein nachhaltiges Energieversorgungskonzept wichtig.“ So sorgt eine Pelletheizung für die zentrale Energiezufuhr.

„Etwas, das Marzling gut tut“

Um das alles realisieren zu können, hat Krieglsteiner tiefer in die Tasche gegriffen, als das allgemein üblich ist. Stanglmaier, der Immobilienmakler, lobt: „Das ist mit Sicherheit 30 bis 40 Prozent über dem Standard.“ Der Schreiner selbst will nicht verraten, wie viel Geld er in die Hand genommen hat. Lieber spricht er darüber, wie es zu seinem Lebensprojekt gekommen ist. „Ich hätte die Verantwortung für das Grundstück auch abgeben können, aber ich wollte selbst etwas entwickeln.“ Es war eine Entscheidung, die auch zugunsten des Dorfs gefallen ist. „Mir war es wichtig, etwas auf die Beine zu stellen, das Marzling gut tut.“

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