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Auf Solaranlagen setzt die Bayerische Regierung. Die Gemeinde Marzling will nun klären, unter welchen Voraussetzungen sie Freiflächenanlagen zulassen will.

Gremium trifft Entscheidung

„Hätte mich fast zerrissen“: PV-Projekt sorgt für Wirbel im Gemeinderat Marzling

Das Thema Solarenergie hat im Marzlinger Gemeinderat für erhöhte Betriebstemperaturen gesorgt. Nach emotionaler Debatte trifft das Gremium eine Entscheidung. 

Freising – Das Thema Solarenergie hat im Marzlinger Gemeinderat am Donnerstag für erhöhte Betriebstemperaturen gesorgt. Das Regensburger Unternehmen Primus Energie, Projektentwickler für Erneuerbare Energien, würde auf einer rund einen Hektar großen gepachteten Ackerfläche zwischen Staatsstraße 2305 und Bahnlinien in Marzling gerne eine PV-Freiflächenanlage errichten. Im August 2019 erhielt Florian Schindler, der für Primus eine Außenstelle in Freising betreibt, jedoch eine Absage von Bürgermeister Dieter Werner. Die Anfrage sei im Gemeinderat behandelt worden. „Seitens des Gremiums werden keine Freiflächen-PV-Anlagen zugelassen.“

Nur vier Monate später genehmigte der Gemeinderat jedoch eine Solaranlage in ähnlicher Größenordnung auf dem Grundstück daneben. Dieses Mal spielte die Grundsatzentscheidung des Gemeinderats, der ohnehin schon über zehn Jahre alt ist und gar nicht vom aktuellen Gemeinderat stammt, offenbar keine Rolle mehr. Bürgermeister Dieter Werner sprach gegenüber dem FT von einem „Umdenken“ im Gremium. Dass das Projekt von Schindler nun das Nachsehen habe, kommentierte der Rathauschef mit den Worten: „Blöd gelaufen!“

Antrag wurde nie in Ratssitzung behandelt

Im Rahmen der Ratssitzung am Donnerstag stellte sich heraus: Anders als es Werners Schreiben suggeriert, wurde Schindlers Anfrage – im Gegensatz zum Antrag des benachbarten Landwirts – in keiner einzigen Gemeinderatssitzung thematisiert. Dem FT gegenüber berichtete Gremiumsmitglied Christian Mäuer (CSU/FW), dass der Bürgermeister das Projekt lediglich in der Klausur im März 2019 angesprochen habe. Den Räten seien aber nie Unterlagen zu Gesicht gekommen.

Rot gewinnt: Nachdem der Gemeinderat Marzling eine PV-Anlage auf der blauen Fläche abgelehnt hatte, gab er einem anderen Antragsteller vier Monate später auf dem Areal daneben grünes Licht.

Hinzu kommt: Die Anfrage des Freisingers, die Werner im August abgebügelt hatte, war erst im Juli gestellt worden – vier Monate nach der Klausur. „Als ich den Artikel in der Zeitung gelesen habe, hätte es mich fast zerrissen“, berichtete Mäuer in der Sitzung. Den Gemeinderat treffe da keine Schuld. Gegenüber dem FT sagte er: „Ich kann über nichts abstimmen, wenn mir nichts vorgelegt wird.“

Vorgelegt wurde den Räten am Donnerstag auch nichts an Unterlagen. Der Antrag von Primus stand nun tatsächlich auf der Tagesordnung. Das Unternehmen nahm einen neuen Anlauf, nachdem Schindler davon gelesen hatte, dass das Nachbarprojekt grünes Licht im Gemeinderat erhalten hatte. „Wir gehen daher selbstverständlich davon aus, dass Sie unser Vorhaben nunmehr ebenfalls unterstützen.“ 246 Dreipersonen-Haushalte könnten über die 750-kWp-Anlage mit sauberen Strom versorgt werden.

Gemeinderat trifft Entscheidung

In der Sitzung am Donnerstag wurde das Projekt zumindest nicht abgelehnt. Auf Anregung von Norbert Eichinger (CSU/FW) wurde der Antrag vorerst zurückgestellt. Die Räte verständigten sich darauf, zunächst einen Richtlinienkatalog auszuarbeiten, unter welchen Kriterien PV-Freiflächenanlagen im Gemeindegebiet genehmigt werden können.

Eine Sorge der Räte formulierte Roswitha Apold (PFB). „Wir möchten keine großen Investoren anlocken.“ Christian Mäuer ergänzte: Wenn man einen entsprechenden Antrag genehmige, dann sollten zunächst ortsansässige Bürger davon profitieren.

PV-Projekt: Antragsteller will Bürger beteiligen

Aber genau das ist laut Schindler auch möglich. Abgesehen davon, dass selbstverständlich der Marzlinger Landwirt profitiere, der die Fläche verpachtet habe, sei ein Genossenschaftsmodell angedacht, wie er auch im Antrag ausgeführt habe. Bürger können demnach in die PV-Anlage investieren und werden am Profit beteiligt. 

Einen Einspeisepunkt und einen Netzbetreiber hat Schindler bereits zur Hand. „Ich habe in meinen Schreiben an die Gemeinde immer angeboten, das Projekt im Gemeinderat vorzustellen und auch alle Fragen dazu zu beantworten“, betont Schindler. „Aber leider habe ich bis heute nicht einmal einen Termin beim Bürgermeister erhalten.“

Maria Martin
Manuel Eser

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