Der Bayerische Bauernverband des Landkreises Freising hatte am Dienstagvormittag zu einem Frühstück mit einer lebendigen Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft eingeladen.
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Der Bayerische Bauernverband des Landkreises Freising hatte am Dienstagvormittag zu einem Frühstück mit einer lebendigen Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft eingeladen.

Mit Landwirten reden, nicht über sie

„Perspektiven noch nie so schlecht“: Bauernverband Freising diskutiert mit Bundestagskandidaten über Zukunft

  • VonNico Bauer
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Der Bauernverband im Kreis Freising blickt düster in die Zukunft. Daher hatte er vier Bundestagskandidaten eingeladen, um über die künftige Landwirtschaftspolitik zu diskutieren.

Landkreis – Die Landwirtschaft ist auch ein Thema im Wahlkampf. Bei einem Frühstück, zu dem der Kreisverband des Bayerischen Bauernverbands (BBV) am Dienstag in Mauern eingeladen hatte, wurden die vier Bundestagskandidaten Eva-Maria Schmidt (FDP), Karl Ecker (FW), Johannes Huber (AfD) und Erich Irlstorfer (CSU) nach Ideen gefragt, wie sich die jeweiligen Parteien die Landwirtschaftspolitik in den nächsten vier Jahren vorstellen.

„Zappenduster“ bei Schweinehaltung

Gerhard Stock, BBV-Geschäftsführer des Kreisverbands, malte ein düsteres Bild. Man habe zwar 1700 Betriebe und 58 Ortsverbände und „wir prägen 78 Prozent des Landkreises Freising“. Alarmierend sei jedoch der starke Rückgang der Milchviehhaltung. Freising sei mit noch 230 Betrieben gegenüber dem Nachbarlandkreis Erding mit 600 schon weit im Hintertreffen. „Und bei der Schweinehaltung sieht es zappenduster aus“, sagte Stock. Sein Fazit war ein Notruf: „So schlecht wie derzeit waren die Perspektiven der Landwirtschaft noch nie.“

CSU-Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer sieht die zentrale Aufgabe der Bundespolitik darin, „dass wir die Klima- und Landwirtschaftspolitik zusammenbringen müssen“. Wenn Landwirte mehr Kohlendioxid binden als freisetzen, dann müsse das belohnt werden.

„Gordische Knoten in der Politik“

AfD-Bundestagsabgeordneter Johannes Huber forderte, weniger Gewicht auf Klima- und EU-Vorgaben zu legen, denn „diese unternehmerisch tätigen Menschen haben weniger Lobby als die Klimafanatiker“. Er sehe Tendenzen „zur Planwirtschaft“.

Karl Ecker, der für die Freien Wähler in den Bundestag will, betonte, dass die Politik passende Rahmenbedingungen setzen müsse und sich der Landwirt dann unbürokratisch darin bewegen dürfe. Und er sieht Bedarf für einen anderen Dialog: „Es wird viel über die Menschen in der Landwirtschaft diskutiert, aber nicht mit ihnen. Und sie sind doch die Experten.“

Da hakte auch FDP-Kandidatin Eva-Maria Schmidt ein. Sie sprach „von vielen gordischen Knoten in der Politik“. Der Bundestag brauche klare Aussagen darüber, welche zentralen Baustellen zuerst angegangen werden müssen. Irlstorfer machte aber deutlich, dass die Landwirtschaftspolitik globaler gesehen werden müsse: „Der Landwirt in Marzling muss die gleichen Rahmenbedingungen haben wie der Landwirt in Antwerpen.“ In der teilweise sehr emotionalen Diskussion wurde auch thematisiert, dass man für die Sicherung landwirtschaftlicher Flächen große Parkplätze mit Solaranlagen überdachen könne, statt dafür Ackergrund zu verwenden.

Ernährungskunde als Schulfach

Ein anderes Thema war der Wunsch nach Ernährungskunde als Schulfach. „Es war ein Fehler, das Fach Hauswirtschaft für Digitales zu opfern“, sagte Irlstorfer. Alle vier Wahlbewerber waren sich einig, dass dieses Thema in Schulen und Gesellschaft zu weit hinten ansteht.

Schweinehalter Georg Schmid aus Marzling bemängelte unterdessen, dass er nach einem teuren Umbau im Betrieb keine Garantie habe, diesen 15 Jahre so betreiben zu können. Es sei wirtschaftlich nicht darstellbar, wenn man durch veränderte Rahmenbedingungen nach wenigen Jahren wieder baulich tätig werden müsse.

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