Das Publikum der Infoveranstaltung, darunter zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis Freising
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Gespannt lauschten die Ortschefs der betroffenen Kommunen sowie weitere Lokalpolitiker und Interessierte den Ausführungen bei der Veranstaltung, die die Freien Wähler Mauern organisiert hatte.

Infoveranstaltung der Freien Wähler Mauern

Atommüll-Endlager-Treffen im nördlichen Landkreis Freising: „Allerschlechtester Standort Deutschlands“

  • VonNico Bauer
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Weil Freisinger Landkreis-Gemeinden auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager eine Rolle spielen könnten, wollen sich betroffene Kommunen nun wappnen.

Mauern – Der erste Schock über die Nennung als mögliches Atommüll-Endlager hat sich in den sechs Gemeinden des nordöstlichen Landkreises Freising gelegt. Von Wang bis Rudelzhausen sind die Kommunen inzwischen bereit zur Gegenwehr und hatten sich nun als Experten Martin Behringer eingeladen. Der Bürgermeister aus Thurmansbang (Kreis Freyung-Grafenau) ist in dem Verfahren beteiligt und berichtete auf Initiative der Freien Wähler Mauern unter dem Titel „Wohin mit dem Atommüll?“ über das Prozedere und die Notwendigkeiten vor Ort.

Behringer erklärte im Alten Wirt die verschiedenen Begriffe, Ämter und Gesellschaften, die das Verfahren betreuen. Seine zentrale Aussage an den Landkreis Freising und die betroffenen Gemeinden Wang, Mauern, Hörgertshausen, Gammelsdorf, Nandlstadt und Rudelzhausen war aber vor allem, dass man schnellstmöglich einen Ausschuss zu der Endlager-Suche ins Leben rufen sollte. Die Mitglieder eines solchen Gremiums müssten sich jetzt in das Thema einarbeiten. Der Referent machte deutlich, dass eine solche Runde auch über verschiedene Landkreise hinweg zusammengeschlossen werden könne. Behringer kündigte an, dass die Kommunen bei weiteren Phasen mit der engeren Auswahl Regionalkonferenzen bilden und Stellungnahmen abgeben müssten. „Wenn man sich dann erst einarbeitet, ist der Zug vielleicht schon abgefahren.“

Martin Behringer, Bürgermeister aus Thurmansbang, hatte Ratschläge im Gepäck.

Deshalb müsse man sich jetzt das Grundwissen aneignen über die lokale Geografie und die Kriterien des Verfahrens. Nun habe man zwei Jahre Zeit, sich zu informieren und die Bürgerschaft auch mitzunehmen. In diesen zwei Jahren werde im Verfahren nicht viel passieren. „Diese Zeit müssen wir nützen.“

Bürgermeister schimpft über „politische Entscheidung“

Martin Behringer äußerte zugleich scharfe Kritik an der Entscheidung, dass weite Teile von Bayern und Deutschland mögliche Zonen für ein Endlager sind, der schon Jahrzehnte untersuchte Bereich Gorleben (Niedersachsen) aber nicht dabei ist. Alle anderen Orte müssten mit Gorleben verglichen werden. „Aber das war eine politische Entscheidung“, schimpfte der niederbayerische FW-Bürgermeister. „Ich kann es nicht beweisen, aber das ist meine Meinung.“ Er zeigte sich überzeigt, dass am Ende des bis 2031 mit der Standort-Festlegung endenden Verfahrens auch eine politische und keine sachliche Entscheidung gefällt werde.

Endlager-Suche für Atommüll: Mauerns Ortschef kündigt Widerstand an

Der Referent verwies immer wieder auf das bereits gebaute Endlager in Finnland: „Das ist dort wie eine eigene Stadt, fast eine eigene kleine Welt.“ In Finnland hätten sich jedoch Gemeinden beworben und die auserwählte Kommune habe viel Geld erhalten. Martin Behringer würde für kein Geld der Welt ein Endlager nehmen.

Mauerns Bürgermeister Georg Krojer forderte: „Wer sich nicht rührt, der hat schon verloren.“ Man müsse sich vehement gegen ein Lager mit 27.000 Quadratmeter Fläche für hoch radioaktiven sowie mehr als 600.000 Quadratmeter für schwach- und mittelradioaktiven Abfall wehren. Krojer sieht den Siedlungsdruck im Münchner Umfeld als Pluspunkt: „Wir müssen in Deutschland den besten Standort finden, aber das hier ist definitiv der allerschlechteste.“

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