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Mauerns Altbürgermeister Josef Deliano senior ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

Nachruf

Erfinder, Brückenbauer und Politiker: Mauern trauert um Altbürgermeister Josef Deliano

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Als Bürgermeister prägte Josef Deliano senior eine Ära des Aufbruchs in Mauern. Immer auf Fortschritt bedacht, behielt er dabei stets das Wohl seiner Mitbürger im Auge. Auch deshalb sorgt nun die Nachricht von seinem Tod für Bestürzung weit über die Familie hinaus.

Mauern – Anpacken, Kräfte bündeln, etwas bewegen: Dieses Streben hat Josef Deliano senior stets verfolgt und vorgelebt. Nach einem bewegten Leben ist Mauerns Altbürgermeister am vergangenen Samstag im Alter von 84 Jahren gestorben.

Einen guten Eindruck vom Wesen Josef Delianos erhielt man durch sein Engagement beim Maschinenring Freising-Nord, an dessen Spitze er 25 Jahre stand. Die Idee, dass nicht jeder Landwirt für sich sündhaft teure Maschinen anschaffen muss, sondern auf den Fuhrpark der Gemeinschaft zurückgreift, begeisterte Deliano. Dabei war er kein Vorstand, der sich bloß mit dem Amt schmückt. 

Mit seinem Nachbarn erfand er eine Erntemaschine - und baute sie

Der Landwirt und Tüftler schritt leidenschaftlich gern selbst zur Tat. Gemeinsam mit seinem Schwarzersdorfer Nachbarn Johann Bauer erfand und baute er zum Beispiel 1975 eine sechsreihige Zuckerrüben-Rodemaschine. So konnte im Parallelverfahren geerntet werden, eine enorme Arbeitserleichterung für die Bauern in der Region.

Die Werkstatt auf seinem Hof war sein Refugium, hier fühlte Deliano sich besonders wohl. Als Eigenbrödler hat man ihn dennoch nie erlebt. Denn seine zweite große Leidenschaft war die Kommunalpolitik. Früh begann er, sich um das Gemeinwohl zu kümmern – zuerst ab 1966 als Gemeinderat in Reichersdorf, nach der Gebietsreform dann in Mauern. Dort saß er für die CSU zwölf Jahre im Gemeinderat, bis er 1990 zum Bürgermeister gewählt wurde. Im Kreistag übernahm er ebenfalls viele Jahre Verantwortung für die Region. Wie sehr er seine Partei dabei auch als Familie verstand, konnte man im Jahr 2004 beim 30-jährigen Gründungsjubiläum der Mauerner CSU erleben: Die Feier richtete Josef Deliano bei sich daheim aus, in seiner Doppelgarage.

Flammender CSU-Anhänger und Brückenbauer

Obwohl flammender CSUler, verstand er es, Brücken zu anderen Parteien zu bauen. Als die Christsozialen in seiner ersten Amtsperiode als Ortschef von Mauern noch in der Minderheit waren, brachte Josef Deliano bei wichtigen Themen dennoch alle Räte auf eine Linie. „Er hat sich nie kleinkriegen lassen und so lange um Vertrauen gekämpft, bis er bekommen hat, was er wollte“, erinnert sich der heutige Bürgermeister Georg Krojer zurück. Er fand in Deliano einen Mentor für die Arbeit in der Gemeindepolitik. Krojer: „Der Sepp war ein Kommunalpolitiker mit Leib und Seele. Er hat über den Tellerrand hinausgeschaut, stets korrekt und loyal zu seiner Gemeinde.“

„Zu ihm konntest du mit allen Problemen kommen“, sagt auch Josef Delianos Bürgermeister-Nachfolger Alfons Kipfelsberger. Er, selbst lange Zeit in der CSU und beim Maschinenring aktiv, trauert „um einen politischen, beruflichen und persönlichen Weggefährten“, wie Kipfelsberger sagt. Die beiden verband eine tiefe Freundschaft. „Er war ein kongenialer Mitstreiter, Idealist, menschlich und hat ausgeholfen, wo es ging.“ Freilich, Deliano habe „seine Ecken und Kanten gehabt“, und man habe sich auch mal die Meinung gegeigt. „Aber immer alles mit Respekt.“

Sein Nachfolger rechnet Josef Deliano einen „Meilenstein für Mauern“ hoch an

Deliano, der später mit dem Titel Altbürgermeister gewürdigt wurde, konnte in Mauern viele Projekte anpacken und vollenden: vom Schulbau über die neue Mehrzweckhalle bis zur Sanierung des Bürgerhauses trägt vieles im Ort noch heute seine Handschrift. Als „echten Meilenstein“ rechnet ihm Krojer den Kauf des Hofmark-Schlosses an. Aber auch in den vielen landwirtschaftlichen Organisationen, Verbänden und örtlichen Vereinen, in denen Josef Deliano eine tragende Rolle ausübte, ist man heute noch dankbar für sein Wirken.

Dass er all seine Ämter und Verpflichtungen erfüllen konnte, war auch der große Verdienst von Delianos Frau Anna, die er 1961 geheiratet hatte. Sie hielt ihm daheim auf dem Hof den Rücken frei „und hat auch viel vorangeschoben“, sagt Alfons Kipfelsberger. Vier Kinder – Annemarie, Korbinian, Josef junior und Christine – gingen aus der Ehe hervor. Um den Hof mit den Milchkühen und dem Ackerbau am Laufen zu halten, war stets die Mithilfe der ganzen Familie gefordert. Nun herrscht große Trauer um das Oberhaupt – auch bei inzwischen neun Enkel- und zwei Urenkelkindern sowie vielen weiteren Angehörigen, Freunden und Mitbürgern.

Um die Gesundheit von Josef Deliano senior stand es seit Längerem nicht mehr zum Besten. Zuletzt war er auch auf einen Rollstuhl angewiesen. Sein langjähriger Freund Alfons Kipfelsberger glaubt: „Dass er sich nun verabschieden durfte, war eine Erlösung für ihn.“

Die Beerdigung

Totenvesper ist am morgigen Mittwoch, 7. November, um 18.15 in Mauern – heiliger Seelengottesdienst am Donnerstag, 8. November, um 14.30 Uhr in Mauern mit anschließender Beerdigung in Schwarzersdorf.

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