Hilfe für Weidetierhalter beschlossen

Wolf tötet bei Freising: Offenbar weitere Beutezüge in der Region - Bürger sahen „Kreatur“ schon vor Wochen

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Seit Wochen wird gerätselt, wie ein Damwild bei Mauern (Kreis Freising) ums Leben kam. Nun steht fest: Es war ein Wolf.

  • In Mauern im Landkreis Freising wurde ein getötetes Wild gefunden.
  • Die Spuren deuteten auf ein Raubtier als Verursacher hin.
  • Experten bestätigen nun: Es muss ein Wolf gewesen sein.

Update, 13. November, 10.33 Uhr: In einer Regulierung, also dem Abschuss einzelner Wölfe, sieht Naturschützer Friedel im Zusammenhang mit dem Freisinger Wolf übrigens ohnehin keinen Sinn. „Das schürt die falsche Hoffnung bei den Tierhaltern, dass wenn wir ein paar Wölfe schießen, alles wieder gut ist.“

Update, 12. November, 12.05 Uhr: Nach der amtlichen Bestätigung eines Wolfs in der Gemeinde Mauern, Landkreis Freising (siehe Erstmeldung unten), erschließen sich im betroffenen Gebiet neue Zusammenhänge. Wie Georg Sixt, Vorstand der Jagdgenossenschaft Mauern dem Freisinger Tagblatt berichtet, hatte es zuletzt offenbar mehrere einschlägige Beobachtungen von auffälligen Tieren in der Region gegeben: So hätten vor rund vier Wochen Bürger gemeldet, dass sie eine „Kreatur“ gesichtet hätten, die trotz gewisser Ähnlichkeiten „weder Hund noch Fuchs gewesen sein konnte“, so Sixt. Damals habe aber niemand ernsthaft an einen Wolf gedacht.

Experten sind sich sicher: Das gerissene Damwild, das Ende Oktober in einem Gehege bei Mauern (Landkreis Freising) entdeckt wurde, fiel einem Wolf zum Opfer. (Symbolbild)

Wolf reißt Wild bei Mauern: Offenbar nicht der einzige Fall

Der 49-Jährige wohnt eigenen Angaben zufolge nur 600 Meter Luftlinie von der Stelle entfernt, wo das gerissene Damwild gefunden wurde, auf das sich nun die amtliche Wolfs-Bestätigung bezieht. Georg Sixt hatte den Damtier-Kadaver seines Bekannten damals selbst begutachtet.

„Die Pfotenabdrücke im Schlamm waren rund zehn Zentimeter lang, das Fraßbild hatte auf ein Raubtier hingewiesen. Aber mit einem Wolf hat damals natürlich keiner gerechnet. Den gab es bei uns ja bislang nicht.“

Eher habe man noch einen Luchs vermutet. Mit dem neuen Wissensstand würden nun weitere Vorfälle in einem völlig neuen Licht erscheinen. Sixt: „Es gibt ein benachbartes Damwildgehege, in dem ebenfalls mehrere tote Tiere mit einem auffälligen Fraßbild gefunden worden sind. Damals hatte man vermutet, dass die Tiere irgendwie verendet sind und dann von einem Fuchs angefressen wurden.“

Wolf-Meldung im Kreis Freising: Experte sieht „null Gefahr“ für Menschen

Laut Sixt ergebe sich nun das klassische Wolfs-Dilemma: „Die Bevölkerung wünscht sich den Wolf, aber vor Ort haben will ihn niemand. Das ist überall das gleiche Spiel.“ Für die Menschen gebe es dabei „null Gefahren“, betont der 49-Jährige: „Der Wolf ist ein Fluchttier, er meidet Menschen, wird immer Abstand halten und passt sich ihnen nicht an.“ Ihm seien noch nie Probleme mit einem Wolf in Bezug auf Menschen zu Ohren gekommen.

Wolf bei Freising: Wichtiger Appell an Hundebesitzer

Anders sehe die Sache freilich für Tierbesitzer aus. Sixt: „Ich habe als Landwirt selbst 300 Rinder auf der Weide stehen. Wenn die Kühe draußen kalben, können wir mit einem Wolf große Probleme bekommen.“ Die Kälber würden nämlich in den ersten acht Tagen noch nicht mit der Herde mitlaufen, sondern abgelegt - und so zu einer leichten Beute für ein Raubtier. „Wir werden lernen müssen, mit der Gefahr zu leben“, sagt der Jagdgenossenschafts-Vorsitzende. Einen Appell richtet er in diesem Zusammenhang speziell an alle Hundebesitzer: „Mein Rat lautet, Hunde generell angeleint zu lassen und mit ihnen in der Natur auf Feld- und Flurwegen zu bleiben.“

Und dann wagt Georg Sixt noch eine Prognose: „Der Wolf wird wohl immer wieder mal aus den Isar- oder Amperauen - seinem typischen Lebensraum - zu uns einwandern und Schaden anrichten.“ Ob sich womöglich ein ganzes Rudel Wölfe in der Region aufhalte, sei ungewiss. Sixt glaubt eher an ein einzelnes, umherziehendes Jungtier.

Ursprungsmeldung vom 12. November, 11 Uhr:

Mauern - Weit über 100 Wolfsrudel leben in Deutschland, so lauten aktuelle amtliche Zählungen. Nun wurde auch im Landkreis Freising erstmals in der jüngeren Geschichte ein solches Raubtier nachgewiesen. Dabei berufen sich die Experten auf einen Vorfall, der sich vor einigen Tagen in der Gemeinde Mauern zugetragen hat.

Wie das Bayerische Landesamt für Umwelt bestätigt, wurde am Sonntag, 25. Oktober, in einem Damwildgehege ein weibliches Tier tot aufgefunden. Weil die Spurenlage auf ein größeres Raubtier hindeutete, nahm sich ein Experte des Netzwerks Große Beutegreifer der Sache an. Er begutachtete die Situation vor Ort und nahm genetische Proben. Nach Informationen unserer Zeitung war wegen der Pfotenabdrücke zunächst über einen Luchs spekuliert worden. Doch am Donnerstagvormittag nun meldet das Landesamt: „Die Ergebnisse bestätigen einen Wolf als Verursacher.“

Wolf im Kreis Freising bestätigt: Damwild gerissen - war es eine Wiederholungstat?

Ob ein Zusammenhang zu einem nur wenige Kilometer entfernten Vorfall in Thonstetten (Stadt Moosburg) besteht, ist derzeit noch unklar: Dort hatte - ebenfalls Ende Oktober - eine Familie in ihrem Privatgarten ein brutal zerfleischtes Reh entdeckt. Die Umstände gaben auch hier Rätsel auf, der örtliche Jäger äußerte damals eine bestimmte Vermutung.

Wolf im Landkreis Freising: Ämter bieten Weidenbesitzern Hilfe an

Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern seien bereits informiert worden, heißt es in der Erklärung des Umweltamts vom Donnerstag. Eine weitergehende Analyse des gewonnenen Genmaterials soll jetzt Aufschluss über das Geschlecht und die mögliche Herkunft des Wolfs bringen. „Zur Vermeidung erneuter Übergriffe auf Weidetiere wird die Förderkulisse zum Herdenschutz in Bayern umgehend auf die Gemeindegebiete im Umfeld des Ereignisses ausgeweitet.“ Nutztierhalter, deren Weiden innerhalb der Kulisse liegen, könnten sich also Herdenschutzmaßnahmen fördern lassen. Entsprechende Anträge seien demnach ab sofort bei den zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) möglich.

Wolf und andere Raubtiere gesichtet? Bevölkerung um Hilfe gebeten

Wie das Umweltamt weiter mitteilt, können Schäden, die Nutztierhaltern durch Wolfsrisse entstehen, durch den Ausgleichsfonds Große Beutegreifer kompensiert werden. Weitere Informationen dazu bietet das Internetangebot des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

Wer konkrete Hinweise zu einem Wolf, Luchs oder Bär geben kann, wird gebeten, diese an das Bayerische Landesamt für Umwelt, Fachstelle Große Beutegreifer, zu melden: per Telefon unter 09281/1800-4640 oder via E-Mail an fachstelle-gb@lfu.bayern.de. Weitere ausführliche Informationen und ein Meldeformular gibt es auf der Homepage des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

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