Der Meister und seine Tuba Fanny

Zolling - Sie machen einen Großteil der Kultur in Zolling aus - die Kammerkonzerte. Am Sonntag feierte man 25-jähriges Jubiläum - mit einem Zuckerl: Zu Gast waren der Tubist Andreas Martin Hofmeir und der Gitarrist Guto Brinholi. „Kein Aufwand!“ So der Titel der musikalisch-kabarettistischen Lesung.

Seine atemberaubenden Karriere als Instrumentalist ist Andreas Martin Hofmeir nicht zu Kopf gestiegen. Den Zollinger Pfarrsaal betritt der Träger des „Echo-Klassik 2013“ - immerhin einer der wichtigsten Musikpreise in ganz Europa - in einem beige-braunen Janker, weil es einfach sein Lieblingskleidungsstück ist. Einen „Aufwand“ schätze er sowieso nicht, denn sonst hätte er nicht die Tuba als Instrument gewählt. Das machte der sympathische Ausnahmemusiker gleich zu Beginn deutlich. Denn welches andere Instrument komme mit relativ geringem Aufwand von acht Tönen durch eine Dvorak-Sinfonie? Eine Geige spiele darin 20 000 Töne. „Bei der gleichen Gage“, machte der Musiker deutlich und grinste. Ein „Pro-Ton-Einkommen“, das sich nur für den Tubisten rechne. „Do muss ich net BWL studiert hob’n.“

An seiner Seite auf der Bühne im brechend voll besetzten Pfarrsaal sitzt Guto Brinholi. Der brasilianische Gitarrist ist so etwas wie ein Pendant zu Hofmeir: fein gekleidet, exotisch und mit seinem Instrument „per se sexy“, wie es Hofmeir ausdrückte. Wenn die beiden zusammen spielen, dann sind das vorwiegend brasilianische Liebeslieder. Eigentlich müssten die gar nicht übersetzt werden, denn der Inhalt sei immer der gleiche, bekräftigte Hofmeir. Wenn er mit seiner Tuba „lautmalerisch“ eine Brasilianerin intoniert, die „arschwackelnd“ um „d’ Eck’n rumstackselt“, dann weiß man, warum der Mann derzeit einer der gefragtesten Instrumentalisten überhaupt ist.

Das Staccato der „Stöckelschuhe“ klingt aufreizend, eindringlich, warm und sanft zugleich. Von Hofmeirs Geschichten konnte das Publikum nicht genug bekommen: Wie er als 16-jähriger Chorknabe in seiner Holledauer Heimat den Chorleiter in den April geschickt hat, jeden Samstag Krötenzäune gebaut hat, weil es dafür Semmeln mit fünf Radeln Wurst gab, oder wie er mit seiner Konzerttuba „Fanny“ auf Tournee geht, die durch keinen Flughafenscanner passt und im Flugzeug einen eigenen Platz neben ihm einnimmt.

Über sein Leben am Prenzlauer Berg in Berlin weiß er auch gelegentlich mal „Unanständiges“. Die Kinder sollten sich die Ohren zuhalten und den „Jesus an der Wand kannt’n mia vielleicht amoi kurz umdrahn“, so der Musiker mit einem Seitenblick auf das große Kreuz im Pfarrsaal. Immer sind seine Geschichten authentisch, voller Witz und vor allem eins: „wahr“. Das Publikum glaubte es und spendete donnernden, nicht enden wollenden Applaus.

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