Ließen Mascha Kaléko zu Wort kommen: Martina Noichl und Corinna Enßlin (v. l.). Foto: lehmann

Die melancholische Suche nach dem "sogenannten Glück"

Freising - Eine Mischung aus Poesie und Witz zeichnen Mascha Kalékos Werk aus: Corinna Enßlin und Martina Noichl ließen die 1975 verstorbene Lyrikerin in der Stadtbibliothek zu Wort kommen.

Fast war man an die Unpersönlichkeit einer Bahnhofshalle erinnert, als man am Samstag Abend den Veranstaltungsraum der Freisinger Stadtbibliothek betrat. Ein blass-grüner Luftballon hing wie vergessen von der Decke der kahl und schmucklos gehaltenen Bühne. An linker Seite ein Klavier, gegenüber eine Harfe. Im Vordergrund eine handgeschriebene Anschlagtafel: „Einmal sollte man seine Siebensachen fortrollen aus den glatten Geleisen, man müsste sich aus dem Staub machen und früh am Morgen unbekannt verreisen“, war darauf zu lesen.

Eingebettet in ein szenisches Schauspiel sangen und rezitierten die beiden am Mozarteum in Salzburg ausgebildeten Musikpädagoginnen Corinna Enßlin und Martina Noichl aus den Gedichten Mascha Kalékos.

Im Berlin der 30er Jahre des letzten Jahhunderts warKaléko auf dem besten Weg sich als erfolgreiche Schriftstellerin und Lyrikerin zu etablieren. Mit ihrer pointensicheren „Großstadtlyrik“ hatte sie sich die Herzen der Berliner erobert. 1933 erschien ihr erstes Buch, das „Lyrische Stenogramheft“, deren erste Auflage bald vergriffen war. Ernst Rowohlt druckte die zweite und wagte es, 1935, ihr „Kleines Lesebuch für Große“ herauszubringen. Als sich herausstellte, dass Mascha Kaléko Jüdin ist, wurden die Bücher beschlagnahmt, ihre Werke fielen der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer. Die polnisch-deutsch-jüdische Dichterin emigrierte nach Amerika.

Corinna Enßlin und Martina Noichl nahmen ihre Spur auf und ließen in der Freisinger Stadtbibliothek das zu Wort kommen, was die Lyrikerin wohl ihr ganzes Leben lang als „Handgepäck“ mit sich führte: die melancholische Suche nach dem „sogenannten Glück“.

Eine Mischung aus Poesie und Witz zeichnen das Werk Mascha Kalékos aus. Wie ein Wasserzeichen, das sich unsichtbar zwischen den Zeilen entlang zieht ist jedoch immer auch die Heimatlosigkeit der Künstlerin präsent: Ihr Leben und Schicksal war im besonderen Maße von der Emigration bestimmt.

Die beiden Musikpädagoginnen verstanden es hervorragend, die Leichtigkeit, die Schärfe, die Eleganz und den ironischen Spott der Lyrik ohne Wertung an das Publikum zu bringen. Den Zuhörern überließen sie es selbst, das „Hauptgepäck“ von Mascha Kaléko zu interpretieren.

Auch interessant

Kommentare