1,8 Millionen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Freising - Es ging um viel Geld im Jugendhilfeausschuss des Kreistags. Und um das steigende Defizit im Haushalt des Jugendamts. Eine Ursache: 1,8 Millionen Euro kostete bisher allein die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.

Da war erstens der einstimmige Beschluss der Kreisräte, über 100 000 Euro pro Jahr dafür locker zu machen, damit man für die Kindertagespflege 13 „Freihalteplätze“ zur Reserve einrichten kann. Grund: Eltern haben auch bei Ausfall der Tagespflegeperson (beispielsweise bei Krankheit) einen gesetzlich geregelten Anspruch auf Betreuung ihrer Kinder. Dass wie bisher andere Tagespflegepersonen in einem solchen Fall die Betreuung übernehmen, sei auf Grund der bestehenden Auslastung nicht mehr möglich, so die Verwaltung.

Derzeit werden im Landkreis 285 Kinder in der Tagespflege von 81 Tageseltern betreut. Jetzt hat man also die Lösung gefunden, 13 Plätze für eine Ersatzbetreuung zu installieren. Exakte Kosten pro Jahr: 101 790 Euro. Kreisrat Johannes Becher (Grüne) sprach seinen Kollegen wohl aus dem Herzen: Dieses Vorgehen gebe den Eltern Sicherheit und verschaffe den Tageseltern die Beruhigung zu wissen, dass auch im Krankheitsfall für ihre Schützlinge gut gesorgt sei.

Und da war zweitens der Haushalt 2016 des Amtes für Jugend und Familie, der den Mitgliedern des Ausschusses vorgestellt und auch so abgesegnet wurde. Wie Norbert Flötzinger vom Jugendamt darlegte, werden gegenüber dem Haushaltsansatz von 2015 die Einnahmen um 1,4 Millionen Euro steigen, die Ausgaben allerdings um vier Millionen Euro. Die Folge: Das durch die Kreisumlage abzudeckende Defizit im Haushalt des Jugendamtes steigt um 2,6 Millionen Euro auf 17,5 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag der Nettoaufwand für die Leistungen des Jugend- und Familienamtes noch bei 8,5 Millionen Euro.

Wie Flötzinger und die Verwaltung erläuterten, seien vor allem Mehrausgaben für die Eingliederungshilfen notwendig. Außerdem benötige man 1,8 Millionen Euro mehr für die Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF) in der Turnhalle der Freisinger Wirtschaftsschule an der Wippenhauser Straße. Freilich sei schwer abzuschätzen, wie viele minderjährige Flüchtlinge noch kommen und wie lange die Turnhalle noch belegt sein werde.

Andreas Beschorner

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