Im Positionspapier der Landräte ist ein Ausbau der S1 vorgesehen. Die Politiker stehen diesem Plan positiv gegenüber.

Positionspapier der Landräte

Mit der S-Bahn in den Landkreis-Norden? Das sagen die Bürgermeister

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  • Anton Hirschfeld
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Landkreis - Die Landräte aus den MVV-Landkreisen haben ein Positionspapier herausgegeben, das die Zukunft der S-Bahn behandelt. Marzling, Langenbach und Moosburg sollen ans bestehende Netz angeschlossen werden, so die Forderung. Doch was sagen die Bürgermeister dazu?

Auf der Linie der S1 fahren tausende Menschen täglich nach München. Nur: Pendler aus Moosburg, Langenbach und Marzling müssen einen der Regionalzüge nehmen, die nur in niedriger Frequenz fahren. Da sollen die Forderungen der Landräte aus den MVV-Landkreisen, die in einem Positionspapier festgehalten wurden, Abhilfe schaffen.

Demzufolge steht die Anbindung von Moosburg, Langenbach und Marzling an das bestehende S-Bahnnetz in den wichtigen Ausbaumaßnahmen des Papiers. Außerdem sollen die Bahnhöfe Lohhof, Unterschleißheim und Eching vollständig barrierefrei ausgebaut werden. Und: Eigene S-Bahn-Gleise sollen von Laim nach Oberschleißheim entstehen, um den Einfluss von Regionalzügen ausschließen zu können. Übrigens: Die Landräte rufen dazu auf, ein Konzept für die kommenden Jahrzehnte zu entwickeln. Darin soll festgehalten sein, was in welchem Zeitraum ausgebaut werde.

Josef Hauner: „Der S-Bahn-Ringschluss ist wichtig“

Josef Hauner, Landrat Freising

„Wenn man etwas erreichen will, muss man schon früh die Weichen stellen“, kommentiert Freisings Landrat Josef Hauner die Vision 2050. „Wir wollen ganz einfach eine bessere Vernetzung unserer Region.“ Es könne ja nicht auf Dauer angehen, dass, wer beispielsweise nach Dachau möchte, mit der S-Bahn erst zum Ostbahnhof, umsteigen und dann wieder retour müsse – so wie es derzeit der Fall sei. Deswegen wünscht sich der Landrat in Zukunft bessere Tangential-Verbindungen zwischen Freising und den Nachbarstädten wie Erding und Dachau. „Deswegen ist ja auch der S-Bahn-Ringschluss so wichtig.“ Und durch diese Querachsen würde die Stammstrecke wesentlich entlastet werden.

Die Metropolregion München, die beinahe den gesamten südbayerischen Raum umfasst, sollte auch einmal eine einheitliche Fahrkarte bekommen. „Das alles habe ich mir zusammen mit meinen Landratskollegen schon seit Längerem überlegt“, merkt der Landkreis-Chef an. So sei auch dieses erste Positionspapier zustande gekommen, das man jetzt in der Regionalversammlung erstmals vorgestellt habe.

Tobias Eschenbacher: „Es ergibt Sinn, da auszubauen.“

Tobias Eschenbacher, Oberbürgermeister Freising

Der Bahnhof Freising könnte als großer Pendlerbahnhof vom Ausbau profitieren: „Wir haben ein relativ großes Pkw-Aufkommen“, sagt OB Tobias Eschenbacher. Das könne wohl etwas entlastet werden, gerade im Hinblick auf den P+R-Parkplatz. Grundsätzlich steht er den Ausbaumaßnahmen sehr positiv gegenüber: „Das langfristige Ziel ist ja, so viele Leute wie möglich auf den ÖPNV umsteigen zu lassen.“ Seiner Meinung nach ergäbe es „auf jeden Fall Sinn, jetzt auszubauen“.

Susanne Hoyer: „Müssen den Verkehr von der Straße wegbringen.“

Susanne Hoyer, Bürgermeisterin Langenbach

Langenbachs Bürgermeisterin Susanne Hoyer blickt den Vorschlägen der Landräte äußerst positiv entgegen: „Das ist super“, freut sie sich. Schon vor einigen Jahren wurde der Bahnhof in Langenbach S-Bahn-tauglich ausgebaut. Die Notwendigkeit sieht sie, wie Eschenbacher, gegeben: „Wir müssen den Individualverkehr von der Straße wegbringen“, sagt Hoyer. Dafür sei eine Ausweitung des S-Bahn-Netzes notwendig. „Und vielleicht“, fügt sie mit einem Schmunzeln an, „bekommen wir dann auch den komplett barrierefreien Ausbau unseres Bahnhofs“.

Martin Ernst: „Fernverbindungen müssen beibehalten werden.“

Martin Ernst, 2. Bürgermeister Marzling

Bei aller Zukunftsplanung: „Sollte diese S-Bahn-Verlängerung tatsächlich realisiert werden, so lege ich großen Wert darauf, dass dies nur in einem Zusammenspiel der Schnellbahn mit den bereits bestehenden Fernverkehrsverbindungen realisierbar ist“, sagt Marzlings zweiter Bürgermeister Martin Ernst. „Alles andere würde zu Lasten der Pendler gehen.“ Insbesondere frühs und abends würden die Zugverbindungen nach München stark von Marzlinger Gemeindebürgern genutzt. Außerdem dürfe der Faktor Lärmschutz nicht außer Acht gelassen werden.

Michael Stanglmaier: „Bin um jeden Tag ohne S-Bahn in Moosburg froh.“

Michael Stanglmaier, 3. Bürgermeister Moosburg

Noch deutlicher wird Moosburgs 3. Bürgermeister Michael Stanglmaier. Er pendelt selbst seit 34 Jahren mit dem Zug nach München und ist „um jeden Tag froh, an dem die S-Bahn nicht nach Moosburg fährt“. Es höre sich zwar verlockend an, doch aus Stanglmaiers Sicht hätten die Moosburger mehr Nach- als Vorteile durch eine Verlängerung: „Die S-Bahn würde dann sicher nicht zusätzlich zu bisherigen Verbindungen fahren, sondern es würden dafür weniger Regionalzüge halten.“ Schließlich sei irgendwann die Zugdichte ausgereizt, und es müssten ja auch noch Güterzüge fahren. Außerdem bestehe die Gefahr, dass durch eine deutlich längere Fahrzeit mit der S-Bahn nach München – Stanglmaier schätzt sie auf über eine Stunde im Gegensatz zu den rund 35 Minuten mit Regionalzügen – wieder mehr München-Pendler aufs Auto umsteigen. Der Moosburger sieht noch mehr Nachteile: „Die S-Bahn bietet wesentlich weniger Komfort als ein Regionalzug. Dort gibt es zum Beispiel keine Toiletten.“

Was für Michael Stanglmaier hingegen denkbar wäre, ist eine Art „Late-Night-S-Bahn“ bis Moosburg oder Landshut. Denn allzu oft hätten Besucher des Münchner Nachtlebens oder Konzertgänger ein Problem, wenn sie nach Veranstaltungen nicht mehr heimkommen würden. „So eine Art ,Lumpensammler‘ könnte man jetzt schon als Ergänzung des Angebots einrichten.“ Allgemein sei man in der Stadt Moosburg bemüht, eine Verbesserung der Anbindung an die bestehenden Züge, die durch Moosburg fahren und nicht immer halten, zu erreichen. Stanglmaier: „Beispielsweise halten in der Hauptverkehrszeit zwischen 7 und 8 Uhr nur zwei Züge mit 40 Minuten Abstand am Bahnhof. Da hätten wir gern einen 20-Minuten-Takt.“

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