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Den Islam nahm Monsignore Rainer Boeck bei einem Vortrag des Frauenbunds Inkofen genau unter die Lupe. In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Verschleierung der Frauen kritisiert. 

Vortrag beim Frauenbund Inkofen

Monsignore Boeck beleuchtet den Islam

Der Islam ist mehr als eine Religion: Er gilt als rechtlich-verbindliches Wertesystem. Monsignore Rainer Boeck beleuchtete in einem Vortrag den Islam und appellierte an die Zuhörer, den Vergleich mit dem Christentum nicht zu scheuen. Und auch an die Politik richtete er einen Appell.

InkofenDer Frauenbund Inkofen feiert heuer 40. Geburtstag – und hatte zu diesem Anlass einen ganz konkreten Wunsch: eine Bildungsveranstaltung mit Monsignore Rainer Boeck, der als Geistlicher Rat seit vielen Jahren die Christmette im Dorf zelebriert. Ihr Wunsch ging mit einem Vortrag über den Islam und das Christentum am Dienstag im Pfarrheim in Erfüllung.

Mit der Geburt Mohammeds entstand im Jahr 571 nach Christus in Mekka der Islam, und im Jahr 610 nach Christus diktierte der Erzengel Gabriel Mohammed den Koran. Mit 1,3 Milliarden Anhängern sei der Islam inzwischen die zweitgrößte Religion der Welt gegenüber dem Christentum mit 2,1 Milliarden Gläubigen, erzählte Rainer Boeck, der nach seinem Wirken am Domberg in Freising nun in München Diözesanbeauftragter für Flucht, Asyl und Integration ist. Wegen der vielen Flüchtlinge werde uns von Tag zu Tag immer mehr bewusst, welche große Rolle der Islam weltweit, aber auch vor der eigenen eigenen Haustüre spiele. „Der Islam ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft geworden“, sagte der Geistliche, der es als selbstverständlich ansieht, dass wir Christen uns unvoreingenommen und ohne falsche Polemik mit dem Islam auseinandersetzen sollten.

Ein rechtlich-politisches Wertesystem:Der Islam gründe auf dem Koran und der Sunna des Propheten Mohammed und sei nicht nur eine Religion, sondern auch ein verbindliches rechtlich-politisches Wertesystem. Seine Anhänger bezeichnen sich als Muslime oder Moslems und unterwerfen sich in ihrer Religion unter der Hingabe an Gott, den sie arabisch Allah nennen. Bei der Abschiedswallfahrt nach Medina kurz vor seinem Tod gründete Mohammed diese eigenständige Religion, um den ursprünglichen abrahamitischen Monotheismus wieder zu errichten und die Gebetsrichtung weg von Jerusalem hin nach Mekka zu fördern, so der Monsignore, der als Grundlagen des Islams fünf Säulen nannte.

Die fünf Säulen des Islam:Dazu gehöre das Glaubensbekenntnis, die Schahada, mit dem Wortlaut: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt, außer dem einzigen Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes“. Das Aussprechen dieser Worte in ehrlicher Absicht reiche, um Muslim zu werden. Als 2. Säule nannte Boeck das Gebet (Salat), zu dem der Muezzin morgens, mittags, nachmittags und abends sowie nach Einbruch der Nacht ruft.

Die dritte Säule sei die Almosensteuer (Zakat) für Bedürftige, Kranke und Gefangene in Höhe von 2,5 Prozent bis zehn Prozent es Einkommens. Als vierte Säule folgt das Fasten (Saum) alljährlich im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka als Säule Nummer fünf, die einmal im Leben eines Moslems zur Pflicht werde.

Verschiedene Facetten des Islam:90 Prozent aller Muslime seien, so Boeck, Sunniten. Für sie ist der Kalif nur weltlicher Verteidiger ihrer Religion. Die zweitgrößte Richtung sind die Schiiten, die im Iran und Irak beheimatet sind. Für sie ist der Imam ein unfehlbares und geistliches Oberhaupt. Die sogenannten Charidschiten haben die Herrschaft des vierten Kalifen verlassen, und der Sufismus ist eine mystische innere Dimension des Islam, verbunden mit Musik und Körperbewegung.

Den Vergleich nicht scheuen:Monsignore Rainer Boeck betonte bei seinem Vergleich Islam mit dem Christentum, dass wir Christen die Gegenüberstellung mit dem Islam nicht scheuen sollten. Während der Islam Allah als Schöpfer der Welt ohne Verbindung zu den Geschöpfen darstelle, bezeichnet das Christentum Jesus als Brücke zwischen Gott und den Menschen. Beim Islam kennt man keine Dreieinigkeit. Dagegen gibt es im Christentum Vater, Sohn und Geist als einen einzigen Gott. Der Koran klagt die Christen an, dass sie Gott, Jesus und Maria anbeten. Im Christentum hat Maria jedoch keinen Anteil an der Dreieinigkeit, so Boeck. Der Islam sieht Jesus als Propheten, der nicht gekreuzigt wurde und nicht auferstanden ist, während die Christen Jesus als Erlöser der Welt sehen, der am Kreuz starb und am dritten Tage auferweckt und zur Rechten des Vaters erhöht wurde.

Kritik am Islam:In der anschließenden Diskussion prangerten einige Zuhörerinnen die Verschleierung der Frauen an, die nicht in unsere Zeit passe. Kritisiert wurde weiterhin, dass der Bau von Moscheen hier erlaubt sei, während Kirchen in den strengen islamgeprägten Staaten verboten seien.

„Unsere Politiker sollten darauf drängen, dass der Islam nicht zur politischen Pervertierung und zum Terror führe“, resümierte Monsignore Rainer Boeck, der allerdings daran erinnerte, dass es im Christentum in früherer Zeit auch Inquisition, Folter, Verfolgung, Kreuzzüge und Hexenverbrennungen gab. Wolfram Riedel

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