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Junge Familien unerwünscht: Mit diesem Inserat wurden Mieter für eine Moosburger Wohnung gesucht. Inzwischen ist die Passage aus der Annonce verschwunden.

Kontroverse Diskussion

„Älteres Ehepaar bevorzugt“: Miet-Inserat löst Empörungswelle aus

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Moosburg - Ein Miet-Inserat hat in Moosburg eine hitzige Debatte ausgelöst. Es geht um die Frage, ob ältere Bewerber für eine Wohnung bevorzugt werden dürfen.

Der Wohnungsmarkt in Moosburg ist seit Jahren angespannt. Vor diesem Hintergrund hat sich am Montag im Internet eine hitzige Debatte an einem Miet-Inserat entfacht. Zahlreiche Bürger empörten sich darüber, dass der Vermieter einer Wohnung im Moosburger Westen junge Familien benachteilige, weil er sich in der Anzeige ein „älteres Ehepaar“ ohne Kinder wünschte.

Konkret geht es um ein Angebot, das unter anderem bei den Onlineportalen Immobilienscout24 sowie eBay-Kleinanzeigen zu finden ist. Darin schließt der Inserent einer Dachgeschoßwohnung im Beschreibungstext nicht nur Tierhalter oder eine WG-Nutzung kategorisch aus, sondern weist auch darauf hin, dass „die Vermietung an ein ,älteres‘ Ehepaar oder ähnliches, bei denen die Kinder bereits aus dem Hause sind“ bevorzugt werde.

User wittern Diskriminierung und verweisen aufs Gesetz

Gelesen wird das Inserat am Montag unter anderem von Verena M. Die Moosburgerin hilft einem befreundeten Paar, bei dem sich Nachwuchs angekündigt hat, bei der Suche nach einer Wohnung. Als sie die Einschränkungen entdeckt, entschließt sie sich, die Anzeige in der fast 2500 Mitglieder starken Facebook-Gruppe „Moosburg für Jung und Alt“ zu teilen. Verena M. schreibt dazu: „In der Georg-Schweiger-Straße wurden neue Häuser gebaut, aber leider nicht für Familien. Echt peinlich, oder?“

Was folgt, ist ein Sturm der Entrüstung. Innerhalb weniger Stunden empören sich knapp zwei Dutzend User darüber, dass ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppe keine Chance habe, die doch so dringend nach Wohnraum suche. Nicht wenige sprechen von Diskriminierung, sogar von Verstößen gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) ist die Rede. Das 2006 in Kraft getretene Gesetz hat unter anderem zum Ziel, Benachteiligungen aus Gründen des Geschlechts oder des Alters zu verhindern. Im persönlichen Gespräch mit dem FT beklagt Verena M. die Einstellung des Vermieters noch deutlicher: „Bloß keinen Lärm in den neuen Häusern. Alles schön sauber und ruhig“, meint sie ironisch.

„Moralisch anrüchig“, sagt der Mieterverein

Vor dem Hintergrund der AGG-Bestimmungen rät auch der Münchner Haus- und Grundbesitzerverein seinen Mitgliedern: „Vermieter sollten bereits bei der Vermietungsanzeige vermeiden, den Kreis der Bewerber zu beschränken.“ Auf der Homepage des Vereins wird auch ein Beispiel genannt: „Aus einem Inserat, mit der für eine Wohnung eine ältere, allein stehende Dame gesucht wird, könnte sich der Vorwurf der Diskriminierung sowohl von jüngeren (Merkmal: Alter) als auch von männlichen Bewerbern (Merkmal: Geschlecht) herleiten lassen.“

Unsere Zeitung hat den Moosburger Fall dem Vorsitzenden des Freisinger Mietervereins, Volker Zinkernagel, geschildert. Der Experte sagt: „Eine solche Formulierung in einem Mietangebot ist rechtlich zulässig.“ Die Klauseln des AGG seien in diesem Fall als „Empfehlung“ an den Vermieter zu verstehen. Für Zinkernagel steht jedoch fest: „Moralisch gesehen ist so ein Inserat anrüchig, eine riesen Sauerei.“ Hier würden Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen, die dringend Mieträume bräuchten. „Das ist unfair.“ Dass sich dagegen nun Widerstand regt, findet der 79-Jährige gut. „Bei diesem engen Wohnungsmarkt sollte man das Thema öffentlich diskutieren.“ Aus Sicht von Volker Zinkernagel müsse nämlich ein weiteres Gesetz berücksichtigt werden: „Eigentum verpflichtet, das steht im Bürgerlichen Gesetzbuch.“ Er sieht deshalb beim Vermieter eine Pflicht zu moralischem Verhalten.

Verständnis für den Vermieter - Inserat geändert

Eine Handvoll User schlägt sich auf die Seite des Vermieters. Dieser würde sich verständlicherweise nur vor Folgekosten schützen wollen, heißt es etwa in einem Beitrag. Das Tagblatt hat am Montag auch den Vermieter kontaktiert, um dessen Beweggründe zu erfahren und ihm die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben. Er wollte jedoch weder von dieser Gelegenheit Gebrauch machen, noch seinen Namen in der Zeitung lesen. Der Eigentümer der Wohnung ließ das FT lediglich wissen, dass das Objekt nun voraussichtlich an ein junges Paar vermietet werde. Die zuvor kontrovers diskutierten Passagen hat er inzwischen aus seinem Online-Inserat entfernt.

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