Bauantrag in Moosburg

Aldi plant neues Geschäftsmodell: Viele jubeln, einige sind entsetzt

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Der Discounter Aldi plant eine revolutionäre Neuerung für seine Kunden. Das angedachte Geschäftsmodell sorgt aber nicht nur für positive Resonanz.

Moosburg - Als gäbe es etwas umsonst: Derart viele Autofahrer warteten Ende Juni 2009 an den Zapfsäulen einer Salzburger Tankstelle. Gratis war der Sprit zwar nicht, aber 50 Cent pro Liter Diesel waren spektakulär genug. Mit seinem Einstieg in den Kraftstoffmarkt hatte Hofer, so heißt Aldi in Österreich, einen radikalen Preiskampf losgetreten - und die Autofahrer in Massen zu seinen Filialen gelockt.

Wenn Dominikus Hörnlein, 38, an die Schlagzeilen von damals denkt, dreht es ihm den Magen um. Entsprechend groß ist sein Entsetzen nun, als der Betreiber einer freien Tankstelle im Gewerbegebiet Moosburg-Degernpoint (Kreis Freising) Folgendes erfährt: Der Stadtverwaltung liegt ein Bauantrag für eine Automatentankstelle auf dem benachbarten Aldi-Parkplatz vor. „Wenn das Spiel wie in Österreich geführt wird, ist das für Unternehmer wie mich existenzgefährdend“, sagt Hörnlein. Denn um sich gegen hiesige Markentankstellen behaupten zu können, müsse er bereits am unteren Preisniveau wirtschaften.

Tankstellen-Betreiber Hörnlein ist in Sorge.

„Noch mal drei Cent weniger reichen da schon, und die Kunden werden dann eben bei Aldi tanken.“ Besonders ärgert den 38-Jährigen, „dass der Sprit für den Discounter bloß ein Marketing-Instrument ist, der ist ja nicht auf das Geschäft mit Sprit angewiesen.“ Im Gegensatz zu ihm.

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„Hoffentlich übernehmen Stadträte gewisse Verantwortung für örtliche Unternehmer“

Hörnlein hat noch keinen Plan, wie er auf die neue Konkurrenz reagiert - sollte der Bauantrag genehmigt werden. Am kommenden Montag entscheidet zunächst der Moosburger Stadtrat über das Vorhaben. „Ich hoffe“, sagt Hörnlein, „dass die Stadträte bei ihrer Entscheidung eine gewisse Verantwortung für örtliche Unternehmer übernehmen.“ Doch spricht man mit Moosburgs 2. Bürgermeister Josef Dollinger (FW), dürfte sich Hörnlein keine allzu großen Hoffnungen machen. „Dass jemand, der eine Tankstelle betreibt, von diesen Plänen nicht begeistert sein wird, ist klar“, sagt Dollinger. „Aber bei uns herrscht nun mal freie Marktwirtschaft.“ Man habe über solche Anträge baurechtlich zu entscheiden. „Wenn es genehmigungsfähig ist, wird das Einvernehmen erteilt. Wir können hier keine Politik zum Schutz lokaler Firmen betreiben.“

An den 79 „Diskont“-Tankstellen, die aktuell bei Hofer-Märkten betrieben werden, gibt es schon lange kein Diesel mehr für 50 Cent. Bereits am 2. Juli 2009 stiegen die Preise wieder. Zwar ist man immer noch billiger als die breite Konkurrenz, Sensationspreise blieben aber reine Eröffnungsangebote oder Sonderaktionen – etwa Benzin und Diesel für 99 Cent an Weihnachten.

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Firma FE-Trading Deutschland GmbH steckt hinter Bauantrag in Moosburg

Betreiber der „Diskont“-Automatentankstellen ist übrigens nicht die Aldi-Gruppe, sondern die Firma FE-Trading Deutschland GmbH, die auch hinter dem Bauantrag in Moosburg steckt. FE-Trading wiederum ist eine 100-prozentige Tochter des österreichischen Mineralölkonzerns OMV. Der unterhält mit seiner Marke „Avanti“ auch hierzulande Automaten-Zapfsäulen, etwa in Fürstenfeldbruck.

Auf dem Parkplatz dieser Moosburger Aldi-Filiale soll bald auch getankt werden.

Allerdings ist man damit bislang nicht auf Aldi-Parkplätzen vertreten. Dort gibt es lediglich vereinzelt kostenlose Ladesäulen für E-Mobile. Dieses Angebot könnte nun bald um günstigen Treibstoff erweitert werden. Denn wie orakelt Dominikus Hörnlein voller Überzeugung: „Hofer war schon immer der Testballon für Aldi Süd.“

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Avanti Automatentankstellen rund um München und Nürnberg geplant

Ein Sprecher von FE-Trading Deutschland bestätigte am Dienstag, dass man in einer Kooperation mit Aldi Süd im Rahmen eines Pilotprojektes an zehn Aldi-Filialen in den Großräumen München, Nürnberg und Stuttgart Avanti Automatentankstellen eröffnen werde. Die Kunden profitierten von qualitativ hochwertigen Kraftstoffen „zum besonders günstigen Preis bei einem einfachen und schnellen Tankvorgang“.

Der Vertrag zur Errichtung der Tankstellen zwischen FE-Trading Deutschland und Aldi Süd sei bereits unterzeichnet worden. Mit einem Baubeginn sei - unter Berücksichtigung des laufenden Genehmigungsverfahrens - im vierten Quartal 2017 zu rechnen. Eröffnungen der Tankstellen seien ebenfalls noch in diesem Jahr zu erwarten. Zu den detaillierten Vertragsinhalten wurde Stillschweigen vereinbart.

Rubriklistenbild: © dpa

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