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Amazon plant riesige Logistikhalle in Moosburg: Nicht jeder ist begeistert

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Von: Armin Forster

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Planungsbüro Goldbeck
Eine 6700-Quadratmeter-Logistikhalle soll für Amazon im Moosburger Gewerbegebiet Degernpoint gebaut werden. Von dort will man die Endkunden beliefern. © Planungsbüro Goldbeck

Für den Versandhändler Amazon soll in Moosburg-Degernpoint ein riesiges Verteilerzentrum entstehen. Das Bauvorhaben stößt jedoch auf sehr gemischte Gefühle.

Moosburg – Amazon ist sich seiner Sache offenbar ziemlich sicher: Auf Karriereportalen sucht der Versandhändler bereits einen Leiter für sein Verteilerzentrum in Moosburg. Erwartet wird von dem künftigen Manager bzw. der Managerin, in „akuten Fällen“ auch mal in der Nachtschicht selbst mit anzupacken. Dafür winken ein „attraktives Gehaltspaket“, Aktien und natürlich Mitarbeiterrabatt. Was nicht in der Annonce steht: Für den neuen Arbeitsplatz liegt noch gar keine Baugenehmigung vor.

Über die berät am Montag Moosburgs Bauausschuss. Die 30.600 Quadratmeter große Wiese, auf der eine 65 mal 103 Meter große Logistikhalle mit 12,4 Metern Höhe beantragt ist, liegt im Gewerbegebiet Degernpoint, direkt beim Wertstoffhof. Auch wenn künftig das berühmte schwarz-orangefarbene Logo auf der Fassade prangt: Als Bauherr fungiert eine Hamburger Immobilien-Gruppe, die an Amazon vermietet.

Amazons Pläne: Gearbeitet wird rund um die Uhr, sechs Tage die Woche

Bei dem Vorhaben handelt es sich nicht um ein Warenlager, sondern eine reine Umverteil-Station: Nachts liefern Lkw fertige Pakete an, Transporter in der Größe von VW-Bussen schwärmen dann tagsüber in die Umgebung aus, um die Haushalte zu beliefern. Amazon will sich so unabhängiger machen von Paketdiensten wie DHL und Kunden noch schnellere Lieferungen ermöglichen.

Blick ins Olchinger Verteilerzentrum von Amazon.
Blick ins Olchinger Verteilerzentrum von Amazon. © Archiv

Aus den Bauplänen geht hervor, dass die Halle mit einem Büro, einem Technikanbau und einem Parkhaus ausgestattet werden soll. Auf vier Ebenen verteilt, könnten so über 280 Lieferwagen Platz haben. Vor dem Gebäude plant man außerdem 88 Stellplätze und Fahrradständer. Gearbeitet werden soll künftig rund um die Uhr, an sechs Tagen die Woche. Sonn- und feiertags ruht das Paketeverladen. Das Hauptgeschäft werde laut Amazon in der Nachtschicht abgewickelt, rund 100 Mitarbeiter sind dafür vorgesehen. Weitere 85 und 23 Angestellte sollen die Früh- und Spätschicht übernehmen. Diese maximalen Angaben bezieht das Unternehmen auf die Hochsaison – das Weihnachtsgeschäft. 

Bürgermeisterin ist gegen Onlineshopping - aber sieht Pläne positiv

Bürgermeisterin Anita Meinelt hat nach eigener Aussage erst einmal in ihrem Leben bei Amazon bestellt und bezeichnet sich als „absoluten Gegner von Internetbestellungen“. Viel lieber kaufe sie bei hiesigen Händlern ein. Dem Bauvorhaben sieht sie dennoch einigermaßen positiv entgegen. „Ich erwarte für die Stadt mehr Vor- als Nachteile.“ Der Name Amazon sei für das Gewerbegebiet Degernpoint nämlich ein Zugpferd, ein Image-Gewinn. „Das macht bei neuen Bewerbern immer etwas aus.“

Profitieren dürfte ihrer Erwartung nach auch die Moosburger Amazon-Kundschaft, „die manche Packerl schneller geliefert bekommt“. Dass die Stadt etwas von der Gewerbesteuer sehe, glaubt Anita Meinelt hingegen nicht. „Das ist ein Weltbetrieb, die Umsätze werden nicht bei uns gemacht.“ Sie habe sich diesbezüglich zwar beim Vermieter erkundigt – „der wusste es aber auch nicht“, sagt sie. Immerhin könne man neue Arbeitsplätze erwarten – und in diesem Zug Mehreinnahmen aus der Einkommenssteuer.

Kritik an Tarif-Scheu von Amazon - und Furcht vor Auswirkungen auf Verkehr

Baurechtlich hat der Antragsteller keine großen Hürden zu erwarten: Das Landratsamt hat trotz kleinerer nötiger Befreiungen vom Bebauungsplan bereits seinen Segen in Aussicht gestellt, heißt es aus dem Rathaus.

In örtlichen Facebook-Gruppen ist Amazons Plan bereits durchgesickert und wird kontrovers diskutiert. Die einen jubeln dem Online-Giganten entgegen, erhoffen sich neue Jobs und flottere Versandzeiten. Auf der anderen Seite erinnern Kritiker an den langjährigen Tarifkonflikt des Arbeitgebers Amazon. Mancher fürchtet sich auch vor den Auswirkungen auf den Verkehr.

In Olching und Daglfing gab es negative Erfahrungen mit Amazon-Lieferautos

Die Bürgermeisterin bleibt da gelassen: „Wir haben den großen Vorteil, dass das Gewerbegebiet nicht über die Stadt, sondern direkt über die Autobahn angeschlossen ist.“ Und dass ein Industrieareal mit Neuansiedelungen mehr Verkehr aufnehme, „damit muss man rechnen“.

Haben andernorts für Ärger gesorgt: Die Lieferwägen der externen Transport-Dienstleister von Amazon - hier in Olching.
Haben andernorts für Ärger gesorgt: Die Lieferwägen der externen Transport-Dienstleister von Amazon - hier in Olching. © Archiv

Andernorts ist Amazon diesbezüglich tatsächlich unangenehm aufgefallen: Nachdem der Konzern in Olching (Kreis Fürstenfeldbruck) 2015 sein bundesweit erstes Verteilerzentrum in Betrieb nahm, häuften sich Beschwerden über wild parkende Transporter von Amazon-externen Dienstleistern. Der enorme Lieferverkehr verstopfte Auffahrten zur Bundesstraße und Autobahn. 

So sah es zeitweise in Olching aus: Die Amazon-Lieferwägen parkten in den umliegenden Straßen.
So sah es zeitweise in Olching aus: Die Amazon-Lieferwägen parkten in den umliegenden Straßen. © Archiv

Außerdem waren umliegende Straßenränder zugeparkt. In München-Daglfing gab es erst im Juni diesen Jahres Ärger, weil auf mehr als einem Kilometer Länge Lieferautos für Amazon Gehwege blockierten.

Amazon plant besondere Auflagen für Moosburg

In beiden Fällen gelobte der Händler rasche Besserung. „Wir werden die Situation verstärkt kontrollieren“, hieß es aus der Deutschland-Zentrale. In Olching schritt auch die Stadt ein: Sie erließ rigorose Parkverbote – und Amazon stellte die Beladungszeiten um. Seitdem ist es dort ruhig. Offenbar hat man aus diesen Fehlern auch für Moosburg gelernt: In den Plänen schreibt Amazon, dass jeder Dienstleister ein „schlüssiges Parkkonzept“ für die Nacht vorlegen müsse. Und für zu früh eintreffende Fahrer will man auf dem Grundstück extra Wartezonen vorhalten.

Mehr zum Thema: Die Polizei Niedersachsen warnt vor gefälschten E-Mails bei Amazon, wie nordbuzz.de* berichtet. Bei der Betrugsmasche wollen Kriminelle an Ihre Kundendaten gelangen.

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