Verdi-Aktion an Paket-Fahrzeugen vor dem Amazon-Gelände in Moosburg.
+
Vor den Toren des Online-Händlers am Moosburger Standort Degernpoint versuchen Verdi-Mitglieder, das Lieferpersonal mit Gewerkschafts-Informationen zu erreichen.

Vor dem Werksgelände in Moosburg

Kampagne an Amazon-Standort: Verdi will Paket-Fahrer aufklären - noch weit vom Mindestlohn entfernt

  • VonNico Bauer
    schließen

Die Arbeitsbedingungen beim Online-Versandhändler Amazon sind umstritten. Verdi hat nun versucht, am Lager des Konzerns in Moosburg das Personal aufzuklären.

Moosburg – Der große Online-Händler Amazon ist zweifelsohne einer der ganz großen Gewinner der Corona-Pandemie samt der verschiedenen Lockdowns. Deshalb ärgert sich die Gewerkschaft Verdi noch deutlich mehr, dass der internationale Konzern sich in vielen Formen dem deutschen Arbeitsrecht verweigere und mit speziellen Konstrukten arbeite. Ein fünfköpfiges Team von der Gewerkschaft startete nun eine Aktion beim Moosburger Standort in Degernpoint.

Das Ziel der verteilten Informationen waren vor allem Hunderte von Paketfahrern des Amazon-Netzwerks. Daniel Merck ist Verdi-Landesbezirksfachbereichsleiter und stand an der Spitze des Quintetts, das außerhalb des Unternehmensgeländes an der Straße wartete, um den Fahrern die Flyer durch die Fensterscheibe hineinzureichen. Merck erklärte, dass die Fahrer mit einem extrem hohen Ausländeranteil und vielen verschiedenen Nationalitäten schwer zu erreichen seien. Die sprachliche Barriere sieht er als große Schwierigkeit – neben der Gefahr, dass gewerkschaftlich beratene Fahrer gerne auch ausgetauscht würden.

Amazon: Anstellung via Subunternehmen oder Leiharbeit

Das sei möglich, weil die Fahrer in der Regel kein direktes Arbeitsverhältnis mit Amazon selbst hätten. Sie seien Subunternehmer oder würden als Leiharbeiter angestellt. Bei dem Internet-Riesen würden die Fahrer Zuschläge erhalten und mehr Geld herausbekommen als bei anderen Tätigkeiten in der Leiharbeit. „Damit fühlen sich die Leute gut bezahlt“, sagt David Merck.

Mit der aktuellen Informationskampagne an allen bayerischen Amazon-Standorten möchte Verdi den Fahrern zeigen, dass die Bezahlungen noch weit von den gültigen Mindestlöhnen entfernt sind. Die Gewerkschaft will mittelfristig bei Amazon Betriebsräte und Arbeitnehmervertretungen aufbauen und etablieren.

Aufklärung von Amazon-Fahrern: „Großes Interesse“ registriert und Kontakte geknüpft

In der Vergangenheit gab es schon die eine oder andere Turbulenz bei auftauchenden Gewerkschaften. Deshalb teilte sich das Verdi-Team auch auf – für den Fall, dass die Autos umgeleitet werden und über andere Ausfahrten an den Flyerverteilern vorbeikommen. „Diesmal ist alles super gelaufen“, bilanzierte David Merck, „der Arbeitgeber war diesmal auch total ruhig“. Man habe ein großes Interesse bei den Beschäftigten registriert und einige Kontakte geknüpft. Als nächsten Schritt gehe es nun darum, in dem Degernpoint-Verteilzentrum die Arbeitnehmer zu stärken.

Insgesamt hat Verdi nicht nur die Fahrer im Blick, sondern auch die Angestellten im Gebäude. Diese würden laut der Gewerkschaft für die körperlich anstrengende Arbeit ebenfalls unter dem Mindestlohn bezahlt. Amazon bestreitet diesen Punkt in einer Stellungnahme jedoch. „Richtig ist vielmehr, dass unser Einstiegslohn deutlich über dem geltenden Mindestlohn liegt. Am Standort Moosburg beträgt dieser zur Zeit 13,02 Euro.“ Des Weiteren werfen die Arbeitnehmervertreter Amazon eine nicht akzeptable Überwachung vor. Fahrer hätten auch schon berichtet, dass sie für zu viel verbrauchten Sprit weniger Geld bekommen hätten.

Debatte um Firmen-Erweiterung in Pfrombach: Moosburg bekommt einen Bürgerentscheid

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare