Ein Filmteam vor dem Moosburger Rasthaus Büchl im August 1992.
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Als Kulisse diente das urige Rasthaus im August 1992 dem Filmteam von „Tschau Tscharlie“. Ausgestrahlt wurde der TV-Movie 1993.

Retrospektive

Von Arbeiterunterkunft bis Filmkulisse: Die Geschichte(n) des Moosburger Rasthauses Büchl

  • Margit Conrad
    vonMargit Conrad
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Einst gern besucht, heute heruntergekommen - und bald wohl Geschichte: Wir blicken zurück auf die bewegte Historie des Moosburger Büchl-Rasthauses.

Moosburg – Es diente nicht nur einmal als Filmkulisse: das Rasthaus Büchl in Moosburg, an der Abzweigung zum Ortsteil Aich. Doch nun scheinen die Tage des markanten Traditionsgebäudes gezählt, denn der neue Investor, der das Grundstück vor mehr als zehn Jahren erworben hat, beabsichtigt – so war zumindest zu hören –, Tabula rasa zu machen, und etwas total Neues dorthin zu stellen. Wie es aussehen soll, das steht in den Sternen. Genau deshalb gilt es für alle, die das Rasthaus Büchl gekannt und erlebt haben, in Erinnerungen zu schwelgen.

Erbaut für die Bayernwerke

Gebaut wurde es im Jahr 1920, im Zuge des Baus des Mittleren Isarkanals, weiß Albert Büchl (63) aus Moosburg. Der Großvater von Herbert Roth, damals Schachtmeister bei den Bayernwerken, hatte den Entwurf für das Gebäude erstellt. „Ein solches gibt es übrigens auch am Ortseingang von Finsing, gleiche Bauweise, gleicher Stil – allerdings ist das Haus dort nicht so in die Jahre gekommen und viel besser erhalten“, sagt Büchl, dessen Vater Albert viele Jahre für die Sozialdemokraten im Moosburger Stadtrat gesessen hat. „Das war ein Werksbau, niemals gedacht für eine Gaststätte.“ Es sei einfach ein Haus gewesen, „in dem die Leute, die bei den Bayernwerken gearbeitet haben, wohnen konnten“.

Interesse des späteren Hoteliers Georg Bauer

Etwa Mitte der 1930er Jahre mag es gewesen sein, als sich Georg Bauer (der spätere Hotelier an der Münchener Straße) für die Liegenschaft interessiert hat. Das weiß auch noch Zenta Freudenstein, die beim damaligen Metzgermeister Schorsch Bauer sogar gelernt hat. Aber für Georg Bauer, so genau weiß man es nicht, war das Rasthaus wohl zu weit außerhalb der Stadtgrenze, also nicht lukrativ genug. Da gab es ja so gut wie niemanden, der dort Rast machte und einen Ertrag eingebracht hätte.

Marode und bald wohl endgültig Geschichte: Das Rasthaus Büchl an der ehemaligen B11 zwischen Moosburg und Aich soll demnächst abgerissen werden.

Beliebter Stopp für Lkw- & Bulldogfahrer

Deshalb verkaufte Bauer kurz darauf das gesamte Gelände an „meinen Onkel Sepp und die Tante Leni“, erzählt der heute 63-jährige Büchl. Zunächst dachten seine Verwandten überhaupt nicht an Gaststätte oder gar Biergarten, den es wenige Jahre später gegeben hat. In erster Linie war das Anwesen ein Betriebsgelände mit Spedition und vor allem eine Tankstelle. Und genau deshalb machten viele Spediteure, aber auch Traktorfahrer, „hauptsächlich die von der Firma Eicher mit den blauen Bulldogs“, sagt Albert Büchl, Halt beim Rasthaus. Und natürlich genossen es die Fahrer dann, eine kleine Brotzeit zu sich zu nehmen, bevor sie ihren Weg fortgesetzt haben. Üppige Mahlzeiten hat es nie gegeben, Brotzeiten eben. Wer auch immer der Gast gewesen sein mag, irgendwann hieß es: „Im Rasthaus Büchl kriagst Dicke kalt, Dicke warm oder Dicke abgebräunt.“ Wer sich da draußen wohlgefühlt hat, dem war das im wahrsten Sinne des Wortes wurscht. „Und die Maraß Fanny (ebenfalls eine von der SPD; Anm. d. Red.) hat meinem Onkel und meinem Cousin ständig geholfen“, sagt Albert Büchl.

Gemütliche Schafkopfrunden

Der langjährige SPD-Stadtrat und Betriebsratsvorsitzende der früheren Süd-Chemie (heute Clariant), Rudi Haberkorn, erinnert sich noch gerne an die Zeiten im Rasthaus Büchl. „Wir sind regelmäßig einmal in der Woche zum Schafkopf rausgefahren“, sagt er und fügt an: „Es war einfach schön und gemütlich.“ Zum Schluss, so berichten jene Gäste, habe es zwar nur noch das Bier aus Flaschen gegeben, „weil die Gläser halt nicht mehr so sauber gewesen sind“, aber das sei zweitrangig gewesen.

Filmprominenz mit großem Durst

Die Schauspieler Willy Harlander und Ilse Neubauer während des Drehs.

Auch wenn längst ein anderer Investor die Liegenschaften erworben hat – Sepp Büchl, Alberts Cousin, durfte bis zu seinem Tod im Juli 2020 (im September wäre er 80 Jahre geworden) dort auf Leibrente wohnen –, bleiben die Erinnerungen an eine einmalige Filmkulisse. Und die nachhaltigsten sind sicherlich die vom Film „Tschau, Tscharlie“ – mit Ilse Neubauer und Willy Harlander. Die Innenaufnahmen, das weiß Albert Büchl noch, wurden in der damaligen „Schwemme“ gemacht, die Außenaufnahmen im Gartenbetrieb des Rasthofs Büchl. Und der 63-jährige Moosburger schwärmt heute noch von Ilse Neubauers Humor: Völlig kaputt und fertig auf den Stufen zum Rasthof sitzend, sagte sie: „Jetzt mog i nur no a Grachal.“

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