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Sortieren derzeit noch das Material für Moosburgs Stalag-Museum im Haus der Heimat: Martin Pschorr (l.) und Sebastian Grießl.

Im Haus der Heimat

Ausstellung in Sichtweite: Moosburgs Stalag-Museum nimmt Konturen an

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Der Aufbau eines repräsentativen Stalag-Museums in Moosburg schreitet voran. Bei einem Besuch in den Räumen im Haus der Heimat wird deutlich, wie umfassend die Aufgabe ist – und wie spannend die Ausstellung für Besucher sein wird.

Moosburg – Längst könnte man allein darüber ein Buch schreiben, was alles auf dem langen Weg zum Moosburger Stalag-Museum geschehen ist. Hitzige Debatten um Inhalte gab es, Standort-Diskussionen wurden geführt und auch Zerwürfnisse zwischen Beteiligten blieben nicht aus (wir haben berichtet). In der jüngsten Episode scheint nun Ruhe eingekehrt zu sein, seit SPD-Stadtrat Martin Pschorr als Kurator das Projekt vorantreibt und eine repräsentative Sammlung im Haus der Heimat an der Hodschager Straße zusammenstellt.

Bei dem Wort „Kurator“ winkt Pschorr allerdings ab, das ist ihm zu hochtrabend. Eingesprungen sei er halt, in jener Zeit, als niemand mehr Lust hatte auf die Aufgabe. Inzwischen ist er auch kein Solist mehr. Sebastian Grießl, Regisseur der 2015 veröffentlichten 55-minütigen Stalag-Dokumentation, kämpft sich wie Pschorr durch die Fülle an Fotos, Dokumenten und Gegenständen, die das Lager und die untrennbar damit verbunden Geschichte der Neustadt nachzeichnen. Gemeinsam hat man auch Zeitzeugen befragt, was beide als großes Glück für die Informationsbeschaffung und die Authentizität der Schau bezeichnen.

Film und Ausstellung - man fährt jetzt „zweigleisig“

Grießl erinnert sich, wie er zum Projekt stieß: „In meinem Stalag-Film kamen ja die Heimatvertriebenen viel zu kurz.“ Schon damals habe er zu Pschorr deshalb gesagt: „Da muss noch was kommen!“ Nun sei sein zweiter Film bereits weit fortgeschritten – und weil Martin Pschorr parallel die Ausstellung aufbaute, „fahren wir jetzt halt alles zweigleisig“. Die Fortsetzung der Dokumentation sollen die Moosburger Ende des Jahres zu sehen bekommen, die Ausstellungseröffnung ist für November geplant.

Der Anbau im Haus der Heimat ist eher Raum als Saal, der Platz für ein Thema dieser enormen Ausmaße knapp bemessen. Will man hier doch Besuchern künftig etwas über alle Epochen erzählen: die Ära als Kriegsgefangenenlager der Nazis, die Zeit als Internierungslager für Nationalsozialisten und den Abschnitt als Flüchtlingslager. Dann möchten die Initiatoren auch noch zeigen, wie aus dem ehemaligen Lager ein Stadtteil wurde – die Neustadt. Ein spannendes Geschichtserlebnis – nicht nur für ausländische Kriegsveteranen, sondern auch für alle Bewohner der Region.

„Was Sie hier sehen, ist noch ein Provisorium“, betont Pschorr, während er an Wänden voller ausgedruckter Fotos und Kopien entlanggeht. Die Haftnotizen und Kritzeleien werden bald verschwinden, dann hängen dort rund 70 Bilder, geplottet auf PVC. Daneben stehen Erklärungen und Kommentare, einige von Pschorr, viele vom ebenfalls engagierten Historiker Dominik Reither. Die Kosten für die Ausstellung trägt die Stadt. Bürgermeisterin Anita Meinelt habe sich schon selbst ein Bild vom Fortschritt gemacht – und ihn für gut empfunden, sagt Martin Pschorr.

Aufruf an die Moosburger

Wer noch gut erhaltene alte Fotos von der Entstehung der Neustadt hat, kann sich bei Martin Pschorr melden – unter Tel. (08761) 330718.

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