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Die Verbindung zur Vergangenheit lässt sich über Einzelschicksale darstellen, erklärte Christine Fößmeier (v. l.) unter anderem Bürgermeisterin Anita Meinelt und Vhs-Leiterin Gerade Fischer.

Eröffnung

Ausstellung zum Gefangenenlager: Den Nummern ein Gesicht geben

Lange waren sie nur Nummern, die Weltkriegsgefangenen, die in Moosburg untergebracht waren. Doch dank des Stalag-Vereins hat sich das geändert. Das beweist eine beeindruckende Ausstellung.

Moosburg – Alexsej Schwezow, Boris Sajzew, Georgij Dwornikow und Michail Komarow: Das sind nur vier Namen von hunderten sowjetischer Kriegsgefangenen, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs im Moosburger Gefangenenlager Stalag VII A inhaftiert und zu Tode gekommen waren. Auf die Spuren dieser Einzelschicksale macht sich derzeit der Verein Stalag Moosburg e.V. mit einem Themenzyklus an Vorträgen und anderen Veranstaltungen.

Am Samstagabend wurde zum Auftakt eine Ausstellung eröffnet. Unter dem Titel „Auf den Spuren verlorener Identitäten“ ist die hoch interessante Dokumentation derzeit in der Aula der Vhs Moosburg am Stadtplatz zu besichtigen. Als die US-amerikanischen Truppen am 29. April 1945 das Stalag VII A befreiten, schenkten sie entkräfteten und vom Tod gezeichnete Menschen die Freiheit. Rund 1000 Inhaftierte waren in den Jahren zuvor dort zu Tode gekommen. In erster Linie seien das sowjetische Soldaten gewesen, die nach einem langen Weg vom Kriegseinsatz in die Gefangenschaft oft weite Strecken zu Fuß bewältigen mussten und meist völlig entkräftet in Moosburg ankamen, erklärte die Kunsthistorikerin Christine Fößmeier.

Nach mehr als 70 Jahren gäben die Mitglieder des Stalag-Vereins diesen Menschen ihre Identität zurück. Denn allein durch Empathie könne dargestellt werden, was Krieg bedeute, meinte Fößmeier. Die Verbindung zur Vergangenheit ließe sich über Einzelschicksale darstellen. Karl Rausch vom Stalag-Verein erklärte, wie hinter den Registrierungskarten, die man im Moosburger Stadtarchiv und auf Internetbanken des russischen Militärarchivs gefunden habe, das Individuum sichtbar geworden sei. Unter schlimmsten Bedingungen seien die „Bolschewiken“, wie die Sowjetbürger in der NS-Zeit tituliert wurden, auf dem Transport in Viehwagen zusammengepfercht worden und so im Lager in Moosburg angekommen. Die Auswertung von Lagerkarteien, die in der Ausstellung gezeigt werden, habe den Nummern der Gefangenen ein Gesicht gegeben.

Am 15. Januar 1912 wurde Alexsej Schwezow in Nowo Poltawka geboren. Rausch erzählte, man habe rekonstruieren können, dass Schwezow als 30-jähriger Mann zum ersten Mal in der Dreirosenstadt registriert worden sei. Am 9. Februar sei er auf der Flucht aus dem Lager erschossen worden. Hinter den bisher unbekannten Toten, die am „Russenfriedhof“ in Oberreit verscharrt worden seien, seien Individuen sichtbar geworden, betonte Fößmeier.

Dass diese Identitäten auch für kommende Generationen erhalten blieben, das würdigte Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt als großen Gewinn für die Stadtgeschichte. „Für unser Stadtarchiv und die historische Aufarbeitung der Stadtgeschichte leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag.“ Denn ohne Vergangenheit gebe es keine Zukunft.

Maria Martin

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