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Besuch im „Badehaus Waldram-Föhrenwald“: Stalag-Projektgruppe will von anderen Gedenk-Orten lernen

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Vor dem Badehaus in Waldram bei Wolfratshausen erklärt Krafft den Gästen die Siedlungsgeschichte.
Vor dem Badehaus in Waldram bei Wolfratshausen erklärt Krafft den Gästen die Siedlungsgeschichte. © Landratsamt

Wie kann die Erinnerung ans Stalag VII A lebendig gehalten werden? Inspiration holten sich Vertreter aus Moosburg und dem Landkreis nun im Süden von München.

Moosburg – Das Stalag VII A war eines der größten Kriegsgefangenenlager des ehemaligen Deutschen Reichs. Nur noch Reste erinnern in Moosburg an diese Zeit. Wie berichtet, kam nun im Sommer im Landratsamt eine Projektgruppe zusammen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Überreste dieses historischen Erbes zu bewahren und gleichzeitig die bereits erbrachte Erforschung und Dokumentation der Geschichte des Gefangenenlagers bestmöglich darzustellen.

„Best-Practice-Beispiel“ für die Projektgruppe

Auf Anregung von Kreisheimatpfleger Bernd Feiler holte man sich jetzt für das eigene Projekt Tipps und Anregungen beim Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, dem es mit der Verwandlung eines ehemaligen Badehauses in einen Erinnerungsort gelungen ist, auf eindringliche Art und Weise von Krieg und Frieden, Zerstörung und Wiederaufbau, Ende und Neuanfang zu erzählen. Für das Ansinnen der Stalag-Projektgruppe quasi ein „Best-Practice-Beispiel“, wie es Landrat Helmut Petz nannte.

Empfangen wurde die Delegation aus dem Landkreis Freising vorm Badehaus in Waldram (Stadt Wolfratshausen) von Museumsleiterin Sybille Krafft, die dem Projekt der Gäste ein gutes Gelingen prophezeite. Immerhin war man unter anderem mit Landrat Helmut Petz, Moosburgs Bürgermeister Josef Dollinger und dem ehemaligen Rathauschef der Dreirosenstadt und jetzigen Vorsitzenden des Heimatvereins, Anton Neumaier, in den Münchner Süden gereist. „Unser Landrat war erst einmal da“, berichtete Krafft. Überhaupt ließen die Berichte der Historikerin und Fernsehjournalistin darauf schließen, dass die Realisierung des Projekts „Badehaus“ ein Gewaltakt war, dem unter anderem viel Überzeugungsarbeit an offiziellen Stellen und noch mehr ehrenamtliches Engagement vorausgegangen waren. Vor allem Letzteres hielt und hält das Projekt am Laufen – auch in Zeiten von Corona. Damit ist es den Ehrenamtlichen rund um Sybille Krafft gelungen, die spannende Geschichte rund ums Badehaus vor dem Vergessen zu bewahren.

Museumsleiterin Sybille Krafft führt die Delegation aus dem Landkreis Freising durch die Ausstellung.
Museumsleiterin Sybille Krafft führt die Delegation aus dem Landkreis Freising durch die Ausstellung. © Landratsamt

Ursprünglich wurde das Gebäude 1940/41 inmitten einer Siedlung für Rüstungsarbeiter als Badehaus für Männer errichtet. Nach dem Krieg fanden hier vorübergehend jüdische „Displaced Persons“, darunter viele schwer traumatisierte Holocaust-Überlebende, und nach der Übernahme durch die Erzdiözese erst katholische Heimatvertriebene und schließlich Lehrer und Schüler ein Dach über dem Kopf.

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Mithilfe multimedialer Mittel und vieler originaler Gegenstände wird die vielfältige Geschichte von Menschen am Leben erhalten, die Schreckliches durchgemacht und dennoch nicht aufgegeben haben. „Aus der Vergangenheit für die Zukunft“ lautet deshalb das tragende Motto der Homepage des Trägervereins.

Festangestellte Kraft ans Herz gelegt

Und damit auch das Badehaus eine Zukunft hat, braucht es neben Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und Mieteinnahmen auch Unterstützer und Förderer. Solche legte die Museumsleiterin auch der Freisinger Delegation ans Herz. Während sich der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald selbst lediglich zwei Buftis, eine Putzhilfe und im Winter einen Schneedienst leistet, empfahl Krafft den Gästen für das Stalag-Projekt eine festangestellte Kraft. Es müsse eine faire Grundlage geschaffen werden, dann könne das Ehrenamt darauf aufbauen. Als „Königsweg“ bezeichnete sie eine institutionelle Basisfinanzierung und Projektgelder „on top“.

Vertreter des Landratsamts, des Stalagvereins und der Stadt Moosburg werden weiterhin an der Realisierung eines Stalag-Erinnerungsorts arbeiten. Viele gute Ideen dafür konnten im Badehaus gesammelt werden. „Das Haus ist hervorragend, die Pädagogik 1a“, lobte beispielsweise Anton Neumaier. In einem nächsten Schritt muss laut Helmut Petz aber zunächst einmal geklärt werden, ob die Baracken in Moosburg von nationalem, oder vielleicht sogar internationalem Interesse sind.
ft

Gut zu wissen

Mehr Infos zum Badehaus gibt’s im Internet unter erinnerungsort-badehaus.de, sowie zum Stalag VII A auf stalag-moosburg.de.

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