„Ich war immer sehr zufrieden mit ihm“, sagt die Moosburger Schneiderin Gabi Urban über ihren einstigen Auszubildenden Nurullah Burhani.
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„Ich war immer sehr zufrieden mit ihm“, sagt die Moosburger Schneiderin Gabi Urban über ihren einstigen Auszubildenden Nurullah Burhani.

Keine Übernahme wegen Kurzarbeit

Schneider wegen Corona in großer Not: Ohne Anstellung droht ihm Abschiebung - „Meine einzige Chance“

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Nurullah Burhani muss fürchten, nach Afghanistan abgeschoben zu werden. Denn der Moosburger Schneider bekommt keine Anstellung - wegen Corona.

Moosburg – Nurullah Burhani war einer von vielen Afghanen, die 2017 keine Arbeitserlaubnis mehr vom Landratsamt bekamen. Doch der 38-Jährige war der erste Asylbewerber in Bayern, der gegen die Arbeitsverbote vor Gericht zog. Erfolgreich. Er durfte seine Ausbildung in der Schneiderei von Gabi Urban in Moosburg beginnen.

Bayern: Schneiderei bekommt im Lockdown kaum noch Aufträge - und kann Azubi nicht übernehmen

Obwohl Burhani gelernter Schneider ist, waren die vergangenen drei Jahre nicht immer einfach für ihn. Für die Berufsschule musste er viele Fachausdrücke lernen. Urban half ihm bei seinen Prüfungen. „Er hat oft gelernt, bis ihm der Kopf geraucht hat“, erzählt sie. Vor wenigen Wochen war er da – der Tag, auf den Nurullah Burhani so lange hingearbeitet hatte. Er hat die Ausbildung bestanden.

Eigentlich wäre das ein schönes Ende für die Geschichte einer gelungenen Integration. Doch wieder muss Burhani eine Abschiebung nach Afghanistan fürchten – und diesmal ist die Pandemie schuld daran. Um eine zweijährige Duldung zu bekommen, müsste er finanziell auf eigenen Beinen stehen und eine Stelle in seinem Ausbildungsberuf nachweisen. Ersteres ist kein Problem, er lebt in einer WG und bekommt keine finanzielle Hilfe mehr vom Staat.

Corona in Bayern: Während Kurzarbeit keine Neueinstellungen möglich

Und seine Chefin Gabi Urban würde ihn nur zu gerne übernehmen. „Ich war immer sehr zufrieden mit ihm“, erzählt sie. Allerdings hat sie ein Problem: Ihre Schneiderei bekommt coronabedingt kaum noch Aufträge. Niemand lässt sich aktuell ein Braut- oder Ballkleid schneidern. Deshalb musste Urban ihre Teilzeitkraft in Kurzarbeit schicken. Und während der Kurzarbeit sind keine Neueinstellungen möglich. Deshalb darf sie Nurullah nicht übernehmen.

Das ist meine einzige Chance.

Nurullah Burhani

„Ich bräuchte Einnahmen oder Aufträge, um die Kurzarbeit beenden zu können“, sagt sie. Urban hat ihren Online-Shop ausgebaut – in der Hoffnung, dass sie bald wieder viele Hände an den Nähmaschinen braucht.

Corona im Landkreis Freising: Schneider droht Abschiebung - doch er gibt nicht auf

Für Nurullah Burhani wäre das die Rettung vor der Abschiebung. Er hat zwar bereits viele Bewerbungen geschrieben – aber vergebens. Denn auch andere Schneidereien kämpfen gerade ums Überleben und stellen nicht ein. Doch der 38-Jährige will es weiter versuchen. Er sagt: „Das ist meine einzige Chance.“

Dass Astrazeneca bald nur noch in Hausarztpraxen verimpft werden soll, beeinträchtigt den Betrieb im Freisinger Impfzentrum nicht. Im Gegenteil - die Arbeitsteilung hilft. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter.

(Von Katrin Woitsch)

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