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Zahnärzte werden derzeit nicht mehr häufig aufgesucht. Michael Kastl aus Moosburg meldet einen drastischen Patientenrückgang.

Kurzarbeit angemeldet

„Fahren nur noch auf 50 Prozent“: Zahnarzt meldet drastischen Patientenrückgang

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Aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion sagen bei Zahnarzt Michael Kastl in Moosburg immer mehr Patienten ab. Nun sorgt sich Kastl vor allem um seine Mitarbeiter.

Moosburg– Die Ausgangsbeschränkung ist da, aber der Gang zum Arzt ist weiterhin erlaubt, natürlich auch der zum Zahnarzt. Aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion würden aber immer mehr Termine abgesagt, berichtet Zahnarzt Michael Kastl. Doch ein fast leeres Wartezimmer ist nicht die einzige Veränderung, die der Moosburger in seiner Praxis spürt. Vor allem um sein Personal sorgt sich der 42-Jährige.

Kurzarbeit als Vorsichtsmaßnahme

Zahnarzt Michael Kastl blickt – wie viele – in eine ungewisse Zukunft. 

Das gut 40-köpfige Team hat sich am Montag zur großen Besprechung getroffen. „Wenn vor drei Wochen jemand gesagt hätte, ich müsste irgendwann Kurzarbeit anmelden, hätte ich geantwortet: ,Der hat einen an der Waffel!‘“, sagt Kastl im FT-Gespräch. „Jetzt schicken wir den Antrag dafür weg.“ Das sei eine Vorsichtsmaßnahme, die nach Möglichkeit vermieden werden solle. Doch die Lage sei ernst: Viele Mitarbeiter bräuchten dringend ihr gewöhnliches Gehalt – sei es, weil sie alleinerziehend seien, gerade ein Haus gebaut oder ein Auto gekauft hätten.

„Wir fahren nur noch auf 50 Prozent“, sagt Kastl. Zahlreiche Patienten würden anrufen und absagen, viele aber auch gar nicht kommen – einfach weil sie nicht wüssten, dass das noch erlaubt ist. Das sei vonseiten der Regierung nicht ausdrücklich erwähnt worden. „Und das ist natürlich das Schwierigste für uns: Wenn das Personal da ist, aber nichts zu tun hat.“

Hohe Hygienestandards noch verschärft

Gerade das Labor sei derzeit nicht ausgelastet. Zahnersatz-Behandlungen mit Brücken oder Kronen etwa gebe es nicht mehr. „Es ist ja nicht klar, ob wir in zwei Wochen noch offen haben. Niemand möchte mit einem Provisorium herumlaufen.“ Zahnsteinentfernungen oder professionelle Zahnreinigungen, laut Kastl „stark infektiöse Sachen mit viel Sprühnebel“, sollten nicht mehr gemacht werden. So falle Prophylaxe nahezu gänzlich weg. Der eigene Raum dafür, der im Herbst für viel Geld eingebaut worden sei, bleibe leer. Um das Risiko einer Infektion so gering wie möglich zu halten, seien die ohnehin schon hohen Hygienestandards verschärft worden: „Wir desinfizieren mehrmals stündlich alle Türklinken und lüftennoch mehr als sonst.“ Das Wartezimmer sei problematisch. Obwohl weniger Andrang herrsche, müssten die Leute oft „noch eine Runde durch die Stadt drehen“. Das Team arbeite mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzbrillen. „Ganzkörperanzüge bekomme ich nirgendwo her.“

„Unter Umständen existenzbedrohend“

Am Telefon klingt Kastl ratlos. „Noch vor vier Wochen musste sich niemand hier finanzielle Sorgen machen.“ Doch sollte die Kurzarbeit nicht funktionieren, „ist das unter Umständen existenzbedrohend“. Was in einem halben Jahr ist, kann der Zahnarzt nur vermuten: „Uns wird es sicher noch geben – aber in welcher Größe?“

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