Bäume und Sträucher säumen die Moosburger Poststraße.
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Für hohe Lebensqualität und gutes Klima sorgen in Moosburg – wie hier in der Poststraße – vor allem Bäume, die laut Bund Naturschutz stärker vor unkontrollierten Fällungen bewahrt werden müssen.

Kreisgruppe appelliert mit offenem Brief an Stadtrat

Debatte um neue Grünordnung in Moosburg: Bund Naturschutz warnt vor Zukunft ohne Baumschutz

  • Armin Forster
    VonArmin Forster
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In die Debatte um mehr Moosburger Stadtgrün schaltet sich nun auch der Bund Naturschutz ein: Die Kreisgruppe warnt vor einer Zukunft ohne geregelten Baumschutz.

Moosburg – Dass ihr Vorschlag einer neuen Grünordnung für Moosburg kein Selbstläufer werden würde, das ahnten Julia Neumayr (Fresh) und Johannes Becher (Grüne) bereits, bevor sie ihren Antrag im Rathaus einreichten. So hatten die beiden Stadträte im Vorfeld nicht nur intensiv das Gespräch mit anderen Fraktionen gesucht, sondern auch positive Erfahrungswerte aus weiteren Kommunen in ihren Satzungsentwurf eingearbeitet, mit dem der Stadt wieder zu mehr Grün verholfen werden soll. Nichtsdestotrotz ließ Kritik nicht lange auf sich warten: Die Freien Wähler um Ortsvorsitzenden Reinhard Lauterbach und Bürgermeister Josef Dollinger lehnten die Vorschläge postwendend ab und bezeichneten sie als „Gängelung von Gartenbesitzern“.

Förderung von Grün „Gebot unserer Zeit“

Während nun die beiden konträren Lager auf eine Behandlung des Antrags im Stadtrat warten, ergreift der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) das Wort: In einem offenen Brief schlagen sich Kreis-Vorsitzender Wolfgang Willner und Geschäftsführer Manfred Drobny auf die Seite von Neumayr und Becher. Aus BUND-Sicht liegen die Vorteile auf der Hand: Bäume in der Stadt sorgten nicht nur für ein „Wohlfühlumfeld“ für die Menschen, „sondern spenden kostenlos ein besseres Stadtklima, filtern Staub und Dreck aus der Luft, produzieren Sauerstoff, schützen bei Starkregen und bieten zahlreichen Tieren Lebensraum.“

Gerade in Zeiten von Klimawandel, Insektensterben und rasant zunehmender Flächenversiegelung „ist eine Förderung des städtischen Grüns ein Gebot der Zeit“. Basierend auf durch Studien belegte positive Auswirkungen von Stadtgrün auf die Psyche, Gesundheit und Lebenserwartung der Bevölkerung seien Bäume also „eindeutig ein lokales öffentliches Gut und gehen damit uns alle an“.

Mehr Hitze in den Sommermonaten

Wie es im offenen Brief des Bund Naturschutz heißt, würden die jüngsten Entwicklungen in und um Moosburg jedoch zu einer weiteren Abnahme von städtischem Grün führen. Es sei in der Folge zu erwarten, dass sich durch Bodenversiegelung und weitere Bebauung das innerstädtische Klima in den Sommermonaten verstärkt aufheize. Bäume und Stadtgrün seien deshalb eine zentrale Säule eines passiven Klimaschutzes in der Stadt.

Erfahrungen aus Freising

Willner und Drobny betonen in ihrem Brief, dass auch in Freising intensiv über eine Baumschutzverordnung diskutiert und vor Kurzem nach zwei Jahren Bilanz gezogen worden sei: „Die allermeisten Bürger, die einen nun notwendigen Fällantrag gestellt haben, waren dankbar für die Beratung und nahmen die Vorschläge (und Förderungen) zum Erhalt oder zur Nachpflanzung gerne auf.“ In der Folge hätten nur wenige Bäume tatsächlich gefällt werden müssen, etwa wegen einer Verkehrssicherheitspflicht oder ähnlichem. „In vielen Fällen konnten die Bäume stehen bleiben. In weniger als fünf Fällen mussten Fällungen untersagt werden, noch weniger wurden Bußgelder verhängt – davon keins an private Baumbesitzer. Teils befürchtete vorsorgliche Fällungen wurden nicht bekannt. So nahm der Stadtrat Freising den Erfahrungsbericht sehr positiv zur Kenntnis“, heißt es in dem offenen Brief an die Entscheidungsträger aus Moosburg.

Fehlende Abwägung von Effekten

Für den Fall einer Ablehnung der Grünordnungsreform zeichnet der BUND ein düsteres Bild: Es sei dann auch in Moosburg mit einem weiteren Verlust der für die Allgemeinheit so wichtigen Funktionen der Stadtbäume zu rechnen. Die vielfältigen positiven Effekte bedürfen laut Willner „einer Abwägung, die bisher nicht stattfindet“. Dabei stünden Zwänge wie Verkehrssicherheit außer Frage. Darüber hinaus habe die Stadt im Interesse der Moosburger planerische Aufgaben, die dem Erhalt oder der Mehrung von städtischem Grün dienen. „Dies wird leider in Moosburg nicht angemessen berücksichtigt.“

Bedeutung für heimische Tierwelt

Ein weiterer wichtiger Aspekt, vor allem nach dem Volksbegehren für Insektenschutz, seien die ökologischen Funktionen von Stadtbäumen: „Für die heimische Tierwelt sind Bäume von großer Bedeutung.“ So könne etwa eine Eiche über 200 Tag- und Nachtfalterarten Lebensraum bieten.

Das abschließende Urteil des BUND-Kreisvorsitzenden und des Kreisgruppen-Geschäftsführers: „Wir denken, dass in einer Stadt wie Moosburg die Vorteile einer Baumschutzverordnung – oder Stadtgrünverordnung wie in Freising – zur Geltung kommen müssen“, schreiben Wolfgang Willner und Manfred Drobny. „Es ist dringend an der Zeit, eine solche wieder einzuführen.“

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