Ein ganzer Berg von Tütchen mit Kokain
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Tütchen mit Kokain erfreuen sich im Berufsleben immer größerer Beliebtheit. Dieser Umstand wurde nun einem Angestellten aus Moosburg zum Verhängnis.

Drogenhandel am Arbeitsplatz

Den Chef mit Koks versorgt: Moosburger (32) landet hinter Gitter

Das war zu viel Einsatz am Arbeitsplatz: Weil er bei seinem Chef punkten wollte und ihm Kokain besorgt hat, muss ein Moosburger nun ins Gefängnis.

Moosburg – Das war’s dann wohl erst mal mit seinen beruflichen Ambitionen. Nach zwei Verhandlungstagen hat die dritte Strafkammer des Landgerichts Landshuts einen Moosburger (32) wegen unerlaubten Handeltreibens in fünf Fällen, Veräußerung, Erwerbs sowie Besitzes von Betäubungsmitteln jeweils in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Ausschlaggebend dafür waren die hohen Mengen an Kokain gewesen, die der Angeklagte an seinen Vorgesetzten verkauft hat. Staatsanwältin Isabella Bock hatte sogar eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten gefordert.

An der Menge komme man nicht rum, hatte Verteidiger Patrick Schladt eingeräumt. Allerdings habe sich sein Mandant bis dato nie etwas zuschulden kommen lassen. „Das war quasi von null auf 100.“ Eine Resozialisierung sollte oberste Priorität haben. Vor dem Hintergrund hatte Schladt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragt.

Durch den Verkauf sollte der eigene Konsum finanziert werden

Der Moosburger hatte die Anklage bereits zu Prozessbeginn vollumfänglich eingeräumt. Demnach hatte der 32-Jährige seinem Vorgesetzten in der Firma im Landkreis Erding, wo er heute noch beschäftigt ist, im Frühjahr 2020 mehrmals 30 Gramm Kokain verkauft. Der Chef habe gewusst, dass er selbst Drogen konsumiere. Irgendwann habe er angefangen, ihn dazu zu drängen, ihm Kokain zu besorgen. Er habe gut dastehen wollen bei seinem Vorgesetzten, so der Angeklagte. Zudem habe er durch den Verkauf seinen Eigenkonsum finanzieren können.

Aufgeflogen war der Moosburger ausgerechnet im Zuge von Ermittlungen gegen seinen Chef. Das Kokain für den Vorgesetzten hatte er pikanterweise von einem Kollegen bezogen. Die Übergabe fand in der Umkleidekabine der Firma statt. Schladt sprach von einer „Durchreichetätigkeit“: Sein Mandant habe das Kokain jeweils nur kurz in den Händen gehalten. Die Droge habe das Firmengelände nie verlassen.

Der Kripo gegenüber packte der Angeklagte aus

Die dritte Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Inken Bouabe wertete diese Tatsache dann auch zugunsten des 32-Jährigen: „Die Fremdgefährdung hielt sich in Grenzen.“ Und der Angeklagte habe nie aktiv nach weiteren Abnehmern gesucht. Eine Strafrahmenverschiebung hatte die Kammer durchgeführt – aufgrund der Aufklärungshilfe, die er geleistet hat. Ein Kripobeamter hatte bestätigt, dass viele Angaben des Mannes zu weiteren Ermittlungen geführt haben. Auch Bock hatte dem Angeklagten zugute gehalten, dass er der Kripo gegenüber ausgepackt hat.

Schladt vermisste aber Bocks angesprochene Strafmilderung bei der Höhe des Strafmaßes. Er verwies auf Fälle wie den hochprofessionellen Schmuggel von Kokain in Bananenkisten aus Südamerika, wo weniger kooperative Angeklagte mit Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren davongekommen waren. Landgerichtsarzt Dr. Hubert Näger hatte dem Moosburger eine Abhängigkeit von Marihuana und Amphetaminen attestiert. Die Schuldfähigkeit des 32-Jährigen sah Näger aber trotz der Drogenproblematik nicht eingeschränkt.

Dennoch hatte die Kammer die Abhängigkeit des Angeklagten berücksichtigt. Der Moosburger macht seit Juni eine ambulante Therapie. Wie er erklärt hatte, war seine vorläufige Festnahme „eine Watschn, die ich gebraucht habe“.

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