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Auf 13,2 Hektar würde die DHL-Gruppe gerne ein Logistikzentrum an der A92 bauen. Die Gemeinde Langenpreising will eine eigene Fläche zwischen der Autobahn und der Staatsstraße 2085 für diese Zwecke vermarkten. Die komplette Anlage hätte dort allerdings nicht Platz. Daher ist der mögliche Standort nur schraffiert dargestellt.

Langenpreising ignoriert Anweisung von Kommunalaufsicht

DHL-Logistikzentrum an Moosburger Autobahnausfahrt soll geheim bleiben 

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Wie viel Einblick darf die Öffentlichkeit in ein Bauvorhaben des Logistikers DHL erhalten? Darüber ist in Langenpreising nahe Moosburg ein Streit entbrannt.

Langenpreising – Auf der Suche nach einem Standort für ein großes DHL-Paketzentrum ist die Logistiktochter der Deutschen Post an die Gemeinde Langenpreising (Kreis Erding) herangetreten. Dort kam man mit Bürgermeister Peter Deimel (FW) ins Gespräch – und fasste bald ein über 13 Hektar großes Gebiet in der Pottenau ins Auge. Aus Sicht des Konzerns liegt das Areal hervorragend angebunden: in direkter Nachbarschaft zur A92-Ausfahrt Moosburg-Süd.

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Um das Vorhaben aus Rücksicht auf den Investor erst einmal in Ruhe zu behandeln, wollte Bürgermeister Peter Deimel (FW) die Pläne im Langenpreisinger Gemeinderat ausschließlich nichtöffentlich vorberaten. Doch CSU-Rat und Jurist Stephan Hoynatzky war das ein Dorn im Auge. Er beantragte, das Thema in den öffentlichen Sitzungsteil der Februar-Sitzung zu ziehen. Weil er damit jedoch beim Bürgermeister abblitzte, schaltete er die Kommunalaufsicht des Landkreises Erding ein. Seiner Auffassung nach gebe es keinerlei Grund, ein solches Thema nichtöffentlich zu behandeln. Die Aufsicht stellte sich klar auf die Seite des CSU-Politikers: Die Information über das Vorhaben habe öffentlich zu erfolgen.

Weil durchgesickert war, dass bei dem Vorhaben künftig von über 1000 Lkw-Bewegungen pro Tag und rund 600 Arbeitsplätzen die Rede sein soll, waren die Zuhörerplätze in der folgenden Sitzung am vergangenen Montag gut gefüllt: Etwa 25 Bürger wollten dabei sein, wenn ihre gewählten Vertreter über das Großprojekt vor ihrer Haustür beraten. Doch sie wurden enttäuscht: Während der Sitzung stellte man doch wieder Nichtöffentlichkeit her und ignorierte damit die Stellungnahme der Kommunalaufsicht.

Geschützter Grünzug im Weg

Einer der Zuhörer war Toni Wollschläger. Der Grünen-Kreisrat bewirtschaftet als Bio-Landwirt Flächen im betroffenen Areal und zählt zu den schärfsten Kritikern des Vorhabens. Er sagt: „Das Vorgehen in Langenpreising ist ein klarer Rechtsbruch.“ Eine der Konsequenzen sei, dass die nichtöffentlich gefassten Beschlüsse keine Rechtskraft hätten. Ohnehin ist Wollschläger der Meinung: „Wenn ein Investor so sehr das Licht der Öffentlichkeit scheut, dann sollten sich ein Bürgermeister und die Gemeinderäte hüten, sich auf dessen Seite zu stellen.“

Ortschef Peter Deimel wolle er, Wollschläger, nichts Böses unterstellen. „Er ist sehr rührig und möchte sicher das Beste für seine Gemeinde.“ Aber bei der betreffenden Fläche handle es sich um einen laut Regionalplan bedeutsamen und geschützten Grünzug. Außerdem befinde sich dort in Teilen ein Wiesenbrüter-Schutzgebiet. Als Spaziergänger dürfe man zu bestimmten Zeiten nicht einmal die Wege verlassen. „Wer da eine riesige Logistikanlage hinplant, ist ein Mann der Vergangenheit.“

Auch sonst befürchtet der 58-Jährige negative Auswirkungen: Die zu erwartenden Arbeitsplätze seien minderwertig, und da in der Region Vollbeschäftigung herrsche, müsse man sich auf massiven Zuzug einstellen. „Langenpreising baut eh schon wie blöd. Wenn sich nur ein Teil hier ansiedelt, bräuchte es nochmal einen neuen Kindergarten, eine neue Grundschule und weitere Infrastruktur.“ Auch für den Verkehr befürchtet Wollschläger massive Auswirkungen: „Die Straßen sind dort eh schon vollkommen überlastet. Jetzt kommt auch Amazon nach Degernpoint. Wie sollte da noch zusätzlicher Verkehr von DHL aufgefangen werden?“

Moosburgs Bürgermeisterin zeigt Verständnis und will abwarten

Durchaus Verständnis für das Vorgehen ihres Amtskollegen zeigt Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU). „Eine erste Anfrage würde ich mir auch zunächst nichtöffentlich mit den Räten anhören. Da wird ja noch kein Beschluss gefasst.“ Ähnlich sei man in Moosburg verfahren, als der Stadtrat sich etwa zum Thema Plan-Umgestaltung auf Klausur begeben habe. „Das ist nichts anderes als eine nichtöffentliche Vorberatung. Am kommenden Montag wird dann darüber in der öffentlichen Sitzung der Beschluss gefasst.“ Meinelt bezeichnete es als „ungut“, wenn eine Gemeinde in Verhandlungen mit einem Unternehmen stehe „und dann schon öffentlich über irgendwelche Dinge spekuliert wird“.

Zu Auswirkungen der DHL-Pläne auf ihre benachbarte Stadt Moosburg wollte sich Meinelt noch nicht äußern. „Falls das Vorhaben spruchreif wird, werden wir im Verfahren beteiligt und können uns dann anschauen, welche Folgen das hat. Sollten wir negative erkennen, beispielsweise massiven Verkehr für Aich und Pfrombach, werden wir eine entsprechende Stellungnahme formulieren.“

Langenpreisings Bürgermeister Peter Deimel war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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