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Schandfleck: Die Stadt Moosburg arbeitet an Plänen, das marode Bahnhofsgebäude zu kaufen und selbst aufzuwerten.

Neue Hoffnung für Pendler

Ende eines Schandflecks? Stadt Moosburg will Bahnhof kaufen und Kiosk reaktivieren

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Der Bahnhof ist seit Jahren Moosburgs Schandfleck. Bemühungen, den hochfrequentierten Pendlerhalt aufzuwerten, ließ die DB stets ins Leere laufen. Nun könnte sich doch etwas tun: Die Stadt möchte das Bahnhofsgebäude kaufen.

Moosburg – Jahrelang ärgerte sich Thomas Acuner als Pendler am Moosburger Bahnhof, dass er beim Warten auf den Zug weder Kaffee noch Zeitung kaufen konnte. Im September reichte es dem 27-jährigen Projektmanager dann, er schrieb der Bahn. Keine Beschwerde, sondern eine Anfrage für den Betrieb eines mobilen Kaffeestands auf Gleis 2 – jenem, an dem täglich tausende Moosburger nach München aufbrechen. 

Acuner wollte Pendler-Klassiker anbieten: Filterkaffee, Cappuccino, vielleicht noch Butterbrezen und Zeitungen. Seinen Verkaufsstand wollte er nachts im Bahnhofsgebäude parken, dort Wasser und Strom nutzen. Alles gegen Mietzahlung, freilich. „Die Reisenden hätten so ein Angebot sicher gut gefunden“, ist sich der 27-Jährige sicher.

Jahrelang wurde Moosburg von der Bahn vertröstet

Die Bahn jedoch konnte er nicht überzeugen. „So etwas wollen wir hier nicht“, lautete die Antwort eines Verantwortlichen. Das sei nicht im Interesse der DB Station und Service AG, der Eigentümerin der Anlage. Man befürchte ein Müll-Chaos wegen der Kaffeebecher. Dass das an allen anderen Stationen mit To-Go-Verkauf offenbar kein Hindernis darstellt, half nichts. „Das wäre eine Aufwertung des ganzen Bahnhofs gewesen“, sagt Thomas Acuner, der die lapidare Absage der Bahn noch immer nicht versteht. „Das einzige Angebot, das mir gemacht wurde, war die Miete des ganzen Bahnhofsbaus.“

Frustriert über den Zustand des Bahnhofs und dessen Angebot für Reisende ist auch Bürgermeisterin Anita Meinelt. „Das ist eine Katastrophe“, findet sie. Nach der Schließung des letzten Kiosks hatte Meinelt viele Anläufe unternommen, um die Situation zu verbessern. 2012 präsentierte die DB große Pläne, stellte einen Neubau samt Buchhandlung und Café in Aussicht. Doch trotz zugesicherter Kostenbeteiligung im sechsstelligen Bereich durch den Stadtrat kam das Vorhaben nicht zustande. Jahrelang wurde Moosburg dann vertröstet. Meinelt: „Zuletzt hieß es, erst müsse eine Gleisverlängerung abgeschlossen sein.“ Parallel wollte die Bahn laut Meinelt prüfen, welche Teile des Bahnhofs entbehrlich seien und verkauft werden könnten.

Für Meinelts Idee des Bahnhofskaufs ist schon Geld eingeplant

Dieser Prozess scheint abgeschlossen. Denn stolz verkündet die Ortschefin nun, dass die Bahn nach ihrer erneuten Anfrage einem Verkauf nicht mehr abgeneigt sei. Das Besondere: Als Käufer soll nicht wie ursprünglich geplant ein Privat-Investor fungieren, sondern die Kommune. „Eine Stadt mit einem eigenen Bahnhof, das wäre doch was“, wirbt Meinelt für ihre Idee.

Heruntergekommen: das Moosburger Bahnhofsgebäude

Im neuen Haushalt sind deshalb 160.000 Euro eingeplant – für den möglichen Kauf des Grundstücks samt Gebäude sowie Gutachterhonorar. Erst sollen Experten nämlich prüfen, ob das Vorhaben realistisch ist und welche Kosten zu erwarten sind. „Bis März wollen wir diese Unterlagen haben“, sagt Meinelt. 

Auch Grünen-Rat Johannes Becher scheiterte einst mit seinen Bahnhofs-Plänen

Im zweiten Halbjahr 2019 könnten – „je nach Verhandlung mit der Bahn“ – die Architekten beauftragt werden. Meinelt hat Kontakte zu zwei CSU-Bundestagsabgeordneten spielen lassen. „Mir wurde Unterstützung zugesagt.“ Auch erste Interessenten für einen neuen Kiosk hätten sich bei ihr gemeldet. Dass sie vom Stadtrat Rückendeckung für den Kauf erhält, davon ist Meinelt überzeugt: „Da herrscht Konsens.“

Grünen-Stadtrat Johannes Becher sieht das genauso. „Bahnhöfe sind Stadteingänge. Wenn wir den kaufen, können wir ihn nach unseren Vorstellungen aufwerten.“ Er selbst habe 2017 schon Kontakt zur Bahn aufgenommen. Erst mit Plänen, den Bau von Jugendlichen bemalen zu lassen, zur Verschönerung. Und dann, um Räume im Gebäude zu mieten. Beides kam nicht zustande. Becher: „Auf meine finale Frage, ob man das Gebäude kaufen könne, hieß es damals bei der Bahn: ,Nein‘.“

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