Weil augenscheinlich gesundes Holz gerodet wurde, herrscht bei Naturfreunden und Anliegern Unverständnis.
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Weil augenscheinlich gesundes Holz gerodet wurde, herrscht bei Naturfreunden und Anliegern Unverständnis.

Bund Naturschutz erwägt Anzeige

„Entsetzen“ nach neuer Rodungs-Runde am Isar-Kanal

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Pfrombach/Aich - Eigentlich war man sich einig, wie viel am Mittleren Isar Kanal abgeholzt wird. Doch nun empören sich Naturfreunde erneut über eine Rodung. Sogar eine Anzeige wird erwogen.

Der Ortstermin im Januar hatte bei allen Beteiligten ein gutes Gefühl hinterlassen. Moosburgs 3. Bürgermeister Michael Stanglmaier, gleichzeitig Energie- und Umweltreferent, verkündete im Anschluss zufrieden: „Für Aich und Pfrombach kann Entwarnung gegeben werden. Die Baum- und Buschbepflanzung in diesem Raum bleibt erhalten – außer bei Bedarf der ,Entnahme‘ einzelner Bäume zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit.“ Die Ergebnisse der Gespräche wurden schriftlich fixiert – in einem Brief von Johannes Durner, Leiter der Uniper-Kraftwerksgruppe Isar, an Bürgermeisterin Anita Meinelt und Stanglmaier. Durner zeigte sich darin ebenfalls erfreut, „dass wir die Bedenken und Befürchtungen hinsichtlich unserer Freistellungsmaßnahmen ausräumen konnten“.

Doch zwei Monate später scheint der Burgfrieden passé. Denn am Donnerstagabend schrieb Stanglmaier eine Protestnote an den Uniper-Verantwortlichen. Der erste Satz lautete: „Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass entgegen Ihrer Aussagen bei der Ortseinsicht und in Ihrem Schreiben am Isar-Kanal jetzt doch umfangreiche Abholzungen vorgenommen wurden.“ Die Versprechen, die das Unternehmen im Januar getätigt habe, „lesen sich wie Hohn angesichts der aktuellen, von der Firma Wurzer durchgeführten umfangreichen Fällungen“, schreibt Stanglmaier weiter. „Sogar mit einem Harvester“, einem fahrbaren Holzvollernter, sei gearbeitet worden. Aus Stanglmaiers Sicht ein „übertriebener Aufwand“ für Einzelbäume. „Zudem wurden die Fällungen auch noch nach dem Ablauf der erlaubten Fällzeit nach dem 1. März vorgenommen.“

Der Bürgermeister sagt: „Die Notwendigkeit erschließt sich mir nicht

Vor Ort hätten Vertreter des Bund Naturschutzes festgestellt, dass nicht nur kranke, sondern auch viele gesunde Bäume gefällt worden seien, empörte sich der 3. Bürgermeister. „Die Notwendigkeit der Verkehrssicherungspflicht erschließt sich in diesem Umfang nicht mehr.“ Erst nachdem Wolfgang Willner, Vorsitzender der Ortsgruppe Moosburg des Bund Naturschutzes, am Mittwoch die untere Naturschutzbehörde informiert habe, seien die Abholzungen gestoppt worden. Stanglmaier forderte deshalb eine „zeitnahe schriftliche Erläuterung“ für das Vorgehen von Uniper.

Vom Tagblatt auf die Vorwürfe angesprochen, rechtfertigt das Unternehmen sein Handeln: „Wir müssen unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen“, sagte Theodoros Reumschüssel, Sprecher der Wasserkraftsparte von Uniper Deutschland. „Der betreffende Abschnitt wurde von einem Förster untersucht, der uns gesagt hat, welcher Baum raus muss, und entsprechende Markierungen vorgenommen hat.“ Dann seien die Arbeiten von der Firma Wurzer erledigt worden. Reumschüssel: „Sobald eine Verkehrsgefährdung von einem Baum ausgeht, spielt es keine Rolle, ob er krank oder gesund ist.“ Auch das Wurzelwerk könne zur Bedrohung für die Standfestigkeit des Damms werden.

Uniper verteidigt sich: „Nicht unser Unternehmenszweck, Holz zu verkaufen“

Im konkreten Fall wurden laut Sprecher vor allem Eschen entnommen. Reumschüssel: „Die waren vom Triebsterben betroffen.“ Dadurch werde der komplette Baum schwach und verliere manchmal spontan Äste. Und wenn es der Verkehrssicherung diene, dürften auch nach dem 1. März Bäume gefällt werden. „Es ist nicht unser Unternehmenszweck, über den Holzverkauf Geld zu erzielen.“ Reumschüssel erinnerte daran, dass durch den Ortstermin im Januar „erfreulicherweise Missverständnisse geklärt werden konnten, die zuvor für Aufregung gesorgt hatten“. Uniper plant nun einen neuen Gesprächstermin mit allen Beteiligten.

Wolfgang Willner vom Bund Naturschutz bezeichnet die Aussagen zur Verkehrssicherungspflicht als „Ausrede“. Er sagt: „Da draußen ist keine öffentliche Straße, der Weg wird von Spaziergängern auf eigene Gefahr betreten.“ Zwar seien, wie im Januar besprochen, einzelne Gehölze zur Dammsicherung entnommen worden. „Aber mehrere Hundert Kubikmeter Holz herauszuschneiden, das führt weit darüber hinaus. So leicht kann man das nicht abtun.“

Fehlende Genehmigung: Bund Naturschutz erwägt Anzeige

Laut Willner habe auch keine Genehmigung für eine Fällverlängerung über den 1. März hinaus bestanden. „Deshalb hat die Untere Naturschutzbehörde die Arbeiten auch sofort stoppen lassen. Wir sind mitten in der Brutzeit, das bedeutet eine erhebliche Störung für die Vogelwelt.“ Die Dämme hätten eine wichtige Artenschutz-Funktion. Willner: „Es kann nicht angehen, dass betriebswirtschaftliche Terminplanungen über dem Naturschutzrecht stehen. Der Bund Naturschutz und auch Anwohner würden deshalb nun eine Anzeige vorbereiten.

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