Julia Neumayr (Fresh) und Johannes Becher vor einem Baum in Moosburg.
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Wollen den Baumbestand in Moosburg schützen: Julia Neumayr und Johannes Becher vor dem „Referenzbaum“.

Parteiübergreifender Antrag präsentiert

Entwurf für neue Moosburger Grünordnung vorgestellt - Mit ihr sollen Bäume besser geschützt werden

  • Armin Forster
    VonArmin Forster
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Baumfällungen vermeiden, Natur stärken: Mit einer neuen Grünordnung für Moosburg sollen sich Interessen von Eigentümern und Gemeinwohl vereinbaren lassen.

Moosburg – Wie wertvoll Bäume sind, zeigt sich am Montag beim Pressetermin hinterm Moosburger Zehentstadel: Während die Stadträte Julia Neumayr (Fresh) und Johannes Becher (Grüne) ihren Entwurf einer neuen Stadtgrünordnung vorstellen, zwitschern von allen Seiten Vögel, die dort reichlich Insekten finden. Das Klima wirkt trotz des schwülen Wetters luftig, das Blattwerk spendet willkommenen Schatten. Er fühlt sich kaum nach Arbeit an, so ein Termin mitten im Grün. Dass man sich genau hier trifft, hat jedoch einen anderen, spezielleren Grund, auf den die Stadträte später noch kommen werden.

Zunächst erklärt Neumayr, wie es zu dem Papier kam, das sie in Händen hält. Angefangen habe alles 2019 mit der Birkenallee, die bei der Sanierung der Dr.-Schels-Straße fast zum „Kollateralschaden“ geraten wäre. Damals, in der öffentlichen Debatte, habe sie erst erfahren, dass Moosburg keine Baumschutzverordnung mehr habe – was die heute 30-Jährige maßgebend politisierte und unter anderem zu ihrer Kandidatur für den Stadtrat führte. „Bei Fresh haben wir dann einen Antrag für eine neue Baumschutzverordnung entwickelt, die aber in Absprache mit der Stadtverwaltung wieder zurückgestellt wurde.“ Das Thema sei komplexer als erwartet gewesen, sagt Neumayr, weshalb sie Hilfe bei Johannes Becher suchte. „Er hat ebenfalls ein Herz für die Natur und kennt sich in rechtlichen Fragen aus.“

„Es wird oft gerodet und erst dann nachgedacht“

Dann erklärt Becher, Landtagsabgeordneter und Jurist, seine Motive: „Wer mit offenen Augen durch Moosburg geht, erkennt vier Probleme.“ Erstens: Die Natur gerate durch die Nachverdichtung unter Druck, Großbäume würden immer weniger. Zweitens: „Wenn’s um Baurecht geht, ist mein Gefühl oft, dass gerodet und erst dann nachgedacht wird.“ Drittens: Es werde teilweise „versiegelt, was geht“, Stichwort Schottergärten. Und viertens: Es herrsche mangelndes Bewusstsein für die Notwendigkeit von Grünflächen, speziell Bäumen. Diese seien – gerade wegen des Klimawandels – wichtig gegen die Überhitzung von Städten, außerdem bedeutend für Wasserhaushalt und Artenvielfalt. Nicht zuletzt verschönerten sie das Ortsbild. Für Neumayr sind die Gründe, warum ein Baum gefällt wird, „leider oft egoistisch und ästhetisch“.

Mit dem Ziel einer systematischen Lösung der Probleme haben sie und Becher dann viele Gespräche geführt: mit diversen Experten, der Stadtgärtnerei, Vertretern anderer Kommunen, den übrigen Stadtratsfraktionen. Ein Dreivierteljahr harte, freizeitfüllende Arbeit sei das gewesen – deren Ergebnis der Entwurf einer neuen Stadtgrünordnung ist. „Klar“, sagt Becher, „es wäre einfacher gewesen, zu beantragen: Die Verwaltung soll mal was erarbeiten.“ Aber das Duo scheute den Aufwand nicht, diskutierte auch mit Skeptikern, passte den Entwurf laufend an. „Herausgekommen ist ein ausgewogener, praktikabler Satzungsentwurf, der einen Interessensausgleich zwischen Eigentümern und Gemeinwohl ermöglicht“, sagt Becher. „Jeder, der einigermaßen vernünftig mit der Natur umgeht, wird damit sehr gut leben können.“ Eine wesentliche Inspirationsquelle seien dabei die „guten Erfahrungen“ gewesen, die die Stadt Freising mit ihrer vor rund zwei Jahren neu eingeführten Grünordnung gemacht habe.

„Das soll keinen Hausbau verhindern“

Inhaltlich ist die vorgelegte Version in zwölf Paragrafen gegliedert. Sie definieren unter anderem, welche Bäume wo geschützt werden sollen. Und an dieser Stelle kommen die Stadträte zum Grund des Treffpunkts: „Das ist unser Referenzbaum“, sagt Neumayr und legt ihre Hand an einen Apfelbaum hinter dem Zehentstadel. Dieser habe auf einer Höhe von einem Meter genau 80 Zentimeter Stammumfang – und so laute auch der Vorschlag im Entwurf, wie Becher erklärt: „Alles, was größer als dieser Baum ist, fällt unter die Grünordnung, alle kleineren nicht.“

Der Geltungsbereich liege im Stadtgebiet, „also überall da, wo tendenziell Baurecht besteht“, sagt der 32-Jährige. Dort sei es verboten, schutzwürdige Bäume ohne Erlaubnis der Stadt zu fällen oder zu beschädigen. Ausgenommen sei der Außenbereich, also etwa Wälder, Felder oder auch Streuobstwiesen. Baumschulen und Gärtnereien hätten ebenfalls einen Sonderstatus.

Eine Erlaubnis zur Beseitigung von Bäumen gebe es hingegen, wenn beispielsweise „Baurecht vor Baumschutz“ gelte – also, wenn ein genehmigtes Vorhaben bestehe, dessen Verwirklichung sonst nicht möglich sei. Becher: „Das soll keinen Hausbau verhindern und das Haus muss auch nicht verschoben werden. Aber es führt dazu, dass in der Praxis besser nachgedacht wird – und der Bauausschuss kann schon fordern, dass eine Garage nicht genau an der Stelle eines Baums errichtet wird, wenn es anders geht.“ Auch mit der neuen Stadtgrünordnung würden Baumfällungen möglich sein: „Wenn es einen triftigen Grund oder eine unzumutbare Belastung gibt, und nach einer Beratung durch die Stadtgärtnerei feststeht, dass es keine sinnvolle Alternative gibt.“ Die Beratung durch das städtische Personal bilde einen Mehrwert für Eigentümer. „Und in Freising führt diese Praxis dazu, dass in den meisten Fällen eine einvernehmliche Lösung gefunden wird.“ Ansonsten sieht der Grünordnungsentwurf eine Ersatzpflanzung vor. Ist die auf dem eigenen Grund nicht möglich, kann auch eine Ausgleichszahlung geleistet werden, mit deren Erlös die Stadt Bäume pflanzt.

Zuschüsse für Eigentümer geplant - Schottergärten sollen verboten werden

Wer mit hohem Aufwand Bäume pflegt, die von öffentlichem Interesse sind, soll nach dem Willen von Neumayr und Becher künftig von der Stadt bezuschusst werden – von 500 bis 1000 Euro pro Baum ist die Rede. Ebenfalls geregelt werden soll per Verordnung, dass rund um Neubauten künftig keine sogenannten Schottergärten oder ähnliche versiegelte Flächen mehr als Gartenersatz erlaubt sind.

Die entsprechenden Paragrafen sollen auch für die Stadt selbst gelten, die für Becher und Neumayr eine „Vorbildfunktion“ einnimmt. Um die Bevölkerung über die neue Stadtgrünordnung aufzuklären, regt das Räte-Duo den Druck einer Broschüre an, wie es sie auch in Freising gebe. Ihren finalen Entwurf haben die beiden noch am Montag im Rathaus eingereicht, der Antrag muss nun innerhalb von drei Monaten im Stadtrat behandelt werden. Dass ihr Vorhaben mehrheitsfähig ist, davon zeigt sich Julia Neumayr überzeugt: „Wir haben im Vorfeld viele Gespräche mit jeder demokratischen Gruppierung geführt.“ Außerdem seien zahlreiche Schwächen der früheren Baumschutzverordnung beseitigt worden.

Johannes Becher, der bei dem Vorhaben die Parteien-Zugehörigkeit als nachrangig betrachtet, wünscht sich vor allem, dass die „Debatte ohne Ideologie geführt wird“. Über Josef Dollinger (FW) wundert er sich derweil: „Der Bürgermeister lehnt unseren Antrag bereits öffentlich ab, bevor er ihm überhaupt in finaler Form vorliegt. Das ist schon bedauerlich und für mich nicht nachvollziehbar.“

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