Plakat-Aktion gegen Rassismus im Weingraben in Moosburg.
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Zeichen setzen für Vielfalt: Das tun inzwischen rund ein Dutzend Läden im Moosburger Weingraben mit diesen Plakaten in ihren Schaufenstern.

Kollektive Schaufenster-Aktion

Nach Eröffnung von AfD-Büro in Moosburg: Weingraben-Geschäfte reagieren auf spezielle Art

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Seit die AfD in Moosburg ein Bürgerbüro eröffnet hat, regt sich Unmut im Umfeld. Zu Parolen auf dem Bürgersteig kommt nun eine kollektive Schaufenster-Aktion.

Moosburg – Bundesweite Schlagzeilen machte die „Alternative für Deutschland“ zuletzt vor allem wegen der drohenden Beobachtung durch den Verfassungsschutz. In Moosburg sorgt die Partei derweil mit einer anderen Angelegenheit für Aufsehen: Zum 1. März hat der AfD-Ortsverband Moosburg/VG Mauern ein Bürgerbüro eröffnet – und zwar im Weingraben, also mitten im Herzen der Altstadt. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Schon nach kurzer Zeit prangten auf dem Bürgersteig vor dem AfD-Schaufenster zahlreiche mit Straßenkreide aufgetragene Botschaften: „Rassenhass ist keine Alternative“ oder „Menschenrechte statt rechte Menschen“ steht dort geschrieben. Andere Sprüche wie „Braune Kacke“ lesen sich deutlich derber. Am nahe gelegenen Fahrradständer wurden Räder mit Schildern etwa der „Omas gegen Rechts“ geparkt.

Der Einzug der AfD stößt auf Widerstand: Seit Tagen prangen entsprechende Kreide-Sprüche vor dem neu eröffneten Parteibüro im Zentrum der Altstadt.

Doch nicht nur die Gegner der Partei sind präsent: Auf der wenige Meter entfernten Ladezone wird beispielsweise aus dem beschrifteten Transporter des AfD-Kreisrats Michael Albuschat lange und aufmerksam verfolgt, was sich vor dem Büro so alles abspielt. Albuschat war es auch, der sich in einer Pressemitteilung „sehr stolz“ zeigte, dass die AfD als einziger Ortsverband in Moosburg „ein Bürgerbüro als Anlaufstelle für die Belange der Bürger“ habe.

Plakataktion im Moosburger Weingraben gegen Rassismus

Dass die Partei vom rechten Rand mit fremdenfeindlichen Anhängern sich ausgerechnet in ihrer Nachbarschaft niederlässt, hat bei zahlreichen Anwohnern wie Geschäftsinhabern in der Innenstadt für wenig Begeisterung gesorgt. Einige von ihnen wollten offenbar nicht tatenlos bleiben – und setzen inzwischen mit Plakaten in ihren Schaufenstern ein Statement: „Weingraben gegen Rassismus – Moosburg ist bunt!“ prangt an rund einem Dutzend Läden. Gesteuert hat die Aktion laut einer Presseerklärung ein Zusammenschluss von „Menschen aus jeder Altersgruppe, Sexualität, Herkunft und Religion“, die der Überzeugung seien, „dass rechtes Gedankengut, die Verharmlosung der NS-Zeit und Diskriminierung sich nicht in der Mitte unserer Gesellschaft verankern dürfen“.

Einer, der sein Schaufenster für diese Botschaft gerne zur Verfügung gestellt hat, ist Franz Pichler. Der Inhaber eines Einrichtungsgeschäfts will damit „Flagge zeigen“, wie er dem Freisinger Tagblatt sagt. „Hinter der Aussage ,Moosburg ist bunt‘ kann jeder stehen, der über ein bisschen menschliches Weltbild verfügt.“ Es gehe ihm nicht darum, „gegen die AfD zu schießen“, sagt Pichler. „Sondern darum, zu zeigen, dass die schweigende Mehrheit anders denkt.“ Für den 66-Jährigen steht fest: „Wenn ich in der Rolle eines ausländischen Mitbürgers oder einer Minderheit wäre und würde neben dem AfD-Schaufenster so eine Botschaft wie bei uns lesen, wäre das für mich das ermutigende Zeichen, dass hier nicht alle so ticken.“

Stimme der Geschäftsleute positioniert sich

Reinhard Lauterbach ist nicht nur Stadtrat und 1. Vorstand der örtlichen Freien Wähler, sondern als Vorsitzender der Moosburg Marketing-Genossenschaft auch die Stimme der Gewerbetreibenden. Lauterbach begrüßt diese Art der Positionierung von Geschäften, den Einzug der AfD in den Weingraben bezeichnet er als „unglücklich“. „Verhindern kann man’s natürlich nicht, dass Moosburg so etwas hat – und eine derartige Vermietung steht jedem Hauseigentümer frei.“ Die Hoffnung des 46-Jährigen lautet deshalb: „Es wäre schön, wenn sich das Thema vielleicht mal von selbst erledigt.“ Eine negative Auswirkung auf die Geschäfte im Weingraben fürchtet der Marketing-Vorstand jedoch nicht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute nicht mehr im Tee- oder Käseladen einkaufen“, bloß weil nebenan auf ein paar Quadratmetern die AfD sitze.

Betroffene Nachbarn sorgen sich vor Auswirkungen

Einen deutlich negativen Effekt sehen derweil die direkten Nachbarn des Büros: Selcuk Odabas und seine Frau Esin betreiben seit 21 Jahren die Schneiderboutique, die sich nun den Eingangsbereich mit dem Bürgerbüro teilt. Das Paar plante schon vor der Ankunft der Partei einen Umzug zum 1. Mai in die Herrnstraße – und hat nun nach eigenen Angaben Probleme, einen Nachmieter zu finden. „Wer will schon neben die AfD einziehen?“, so die Aussage des 52-jährigen Selcuk Odabas. „Ausländische Kunden denken bestimmt zwei- oder dreimal nach, bevor sie hier in einen Laden gehen.“ Die Gesinnung der Nachbarn sei inzwischen Thema in jedem Kundengespräch. Da die in den USA lebende Vermieterin auf eine bis ins kommende Jahr verlängerte Vertragslaufzeit poche, sei man auf das rasche Finden eines Nachmieters angewiesen, erklärt der Moosburger. „Sonst wird von uns weiter die Miete kassiert.“ Die beiden Geschäftsleute haben ebenfalls ihre Haltung zum Thema AfD deutlich gemacht: Neben dem „Räumungsverkauf“-Schild hängt inzwischen die rote Sprechblase mit „Weingraben gegen Rassismus“. Odabas’ Kommentar: „Schade, dass es so weit gekommen ist.“

Das bürgerliche Kollektiv, das die Plakate verteilt hat, hofft nun auf weitere Statements von Anrainern. „Was als kleine Guerilla-Aktion im Weingraben gestartet hat, soll nun ganz Moosburg erreichen“, lautet der zentrale Appell in der Erklärung. Und weiter: „An erster Stelle steht das Einmischen, Aufmerksammachen und eine klare Kommunikation! Und das stets nachhaltig, friedlich und ohne fremdes Eigentum zu beschädigen!“

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