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Hat viele Ideen: der Moosburger Erfinder Erwin Hagn mit seinem Aussperrschutz.

Moosburger (73) will mit seinen Produkten den Markt erobern

Erwin Hagn: Seine Erfindungen machen das Leben sicherer

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Moosburg - An Ideen mangelt es Erwin Hagn (73) weiß Gott nicht. Nur beim Verkauf ist noch Luft nach oben. Weil bislang kaum jemand seine genialen Erfindungen kennt – oder sie einfach missversteht.

Aus der Faulheit heraus sind immer seine besten Ideen geboren, sagt Erwin Hagn, 73, während er am Esstisch seiner Moosburger Doppelhaushälfte sitzt. „Ich denk’ mir dann: Herrgott, das müsste doch einfacher gehen.“ Er ballt die Faust, und man kann sich vorstellen, wie ihn ein Problem so lange wurmt, bis er es löst. So wie bei einer Zimmertür, die sich nun von selbst schließt: Erwin Hagn, hohe Stirn, Brille und akkurat geschnittenes weißes Haar, war es irgendwann leid, diese Tür hinter sich zuzuziehen. Also hat er einen Seilzug mit einem Gegengewicht am Rahmen befestigt. Voilà: Wie von Geisterhand gleitet sie zu.

Eine Erfindung, die es mittlerweile zu kaufen gibt, geht in die entgegengesetzte Richtung: Irgendwann passierte es, und Erwin Hagn hatte sich selbst ausgesperrt – weil die Haustür zugefallen war, also ohne Seilzug. Der Schlüsseldienst musste her, die Rechnung war saftig. So saftig, dass sich Erwin Hagn sofort hinsetzte. Er entwarf einen Plastikkeil, kaum größer als zwei Erbsen, den man an die Schlossfalle – auch Schnapper genannt – klebt. 

Einbrechern wird das Leben schwer gemacht

Nie mehr aussperren und Einbrechern das Leben schwer machen: Hagns Aussperrschutz ist unscheinbar, aber wirkungsvoll.

Die Idee, so simpel wie genial: Der Aussperrschutz ist gleichzeitig eine Einbruchsicherung. Die Tür lässt sich von außen nur noch mit dem Schlüssel schließen. Und Einbrecher kommen mit einem ihrer Lieblingswerkzeuge, der Plastikkarte, nicht mehr ins Haus. Erwin Hagn grinst beim Erzählen, er ist auch ein kleiner Sicherheits-Fanatiker. „Laut Kripo könnten 50 Prozent der Einbrüche verhindert werden, wenn die Leute absperren“, sagt er. Mit seinem Aussperrschutz, der bei ihm für 20 Euro zu haben ist, hat der Kunde eine Sorge weniger.

Mit Entwicklungen kennt sich Hagn aus. Bis zur Jahrtausendwende war er Chef einer Moosburger Firma, die Elektronikbauteile herstellte. Dann ging dem Betrieb ausgerechnet wegen teurer Patente das Geld aus, Hagn musste zusperren. „Hinfallen ist keine Schand‘ – wenn man wieder aufsteht“, sagt der 73-Jährige entschlossen. Und so hat er mittlerweile für seine Erfindungen eine neue Firma gegründet. Erwin Hagn will es nochmal wissen.

Unser Selbsttest im Video: Die „Krückenstütze“ von Erwin Hagn

Wenn es mit dem Aussperrschutz nicht klappen sollte, hat in jedem Fall seine zweite Erfindung das Zeug zum Verkaufsschlager: die Krückenstütze. Hagn hat auch dazu eine Anekdote parat: Vor ein paar Jahren wurde er mehrmals Zeuge, wie jemandem die Krücken umfielen. Als dann seine Frau Carin auf Kur war und wegen ihrer Gehhilfe am Salatbuffet keine Hand frei hatte, sagte er sich selbst: „So, jetzt denkst’ nach!“ Als leidenschaftlichem Golfspieler fallen ihm die Stützfüße seines Golfbags ein. Rund ein Jahr lang probiert er mit vielen Materialien und Mechanismen herum, bis das Zubehör perfekt ist: Zwei dünne Metallstäbe, die mit einem Hebel unterhalb der Handauflage ausgeklappt werden können. Damit lassen sich Krücken oder Gehstöcke in nahezu jeder Lebenslage sicher abstellen.

Testsieger in einer NDR-Sendung - trotzdem kaum bekannt

Jeder Mensch, der länger auf Gehhilfen angewiesen ist und das leidige Wegrutschen von Krücken kennt, sollte sich nach so einer Erfindung sehnen, denkt sich Erwin Hagn. Auch in der NDR-Sendung „Einfach genial“ geht sein Produkt als Testsieger hervor. Also klappert er Seniorenheime, Kliniken und Sanitätshäuser ab. Dort ist man fast immer begeistert und kauft auch immer wieder Probeexemplare ab. Doch nachbestellt wird selten. 

Die Krückenstütze von Erwin Hagn. (Zum Vergrößern des Bildes bitte klicken)

Hagn hat das Problem mittlerweile erkannt: „Die Leute sehen meine Stütze im Schaufenster – und denken, das sei nur ein Hilfsmittel, das der Verkaufspräsentation der Krücke dient.“ Jetzt will er Videos drehen lassen, damit seine raffinierte Erfindung auch erkannt wird und die Stückzahlen steigen. 1250 hat er schon verkauft, da ist noch Luft nach oben.

Beim Türstopper, der rund 900 Mal über die Ladentheke ging, ist der Vertrieb nicht leicht. „Ich hab’ schon bei vielen Schlüsseldiensten vorgesprochen“, sagt Erwin Hagn. Meist wurde er schnell wieder weggeschickt. Denn der Moosburger bekam fast immer zu hören: „Das Teil macht uns das Geschäft kaputt.“

Hier gibt es Erwin Hagns Erfindungen zu kaufen:

Auf der Homepage des Erfinders www.hagn.com oder telefonisch unter (08761) 70600 gibt es weitere Infos und die Produkte von Erwin Hagn zu kaufen.

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