Moosburgs scheidender Pfarrer Steffen Barth.
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Pfarrer Steffen Barth (32) wechselt in wenigen Wochen von Moosburg in die evangelische Kirchengemeinde Olching-Maisach.

Abschiedsinterview

Pfarrer Steffen Barth verlässt Moosburg - Eine Sache wird ihm sicher nicht fehlen

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Nach nur 2,5 Jahren in Moosburg zieht der evangelische Pfarrer Steffen Barth weiter. Hier verrät er die Gründe, seine Abschiedsgefühle – und was ihm nicht fehlen wird.

Moosburg – Als Steffen Barth am 1. März 2018 den Dienst in der Pfarrstelle Moosburg II der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde antrat, bedeutete dies einen gewaltigen Wandel im Leben des damals 30-Jährigen: Barth tauschte einen Schreibtischjob im Personalbüro des Landeskirchenamts gegen die tägliche Seelsorge draußen, direkt bei den Gläubigen. Entsprechend gespannt und motiviert blickte er damals auf die anstehenden Herausforderungen. Nun heißt es bereits, Bilanz zu ziehen: Im September wird der Geistliche in die Kirchengemeinde Olching-Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck) wechseln. Bevor er seine Koffer packt, hat das Tagblatt ihn zum Abschiedsinterview gebeten.

Freisinger Tagblatt: Herr Pfarrer, am Sonntag wurde für Sie der offizielle Verabschiedungsgottesdienst gefeiert. Wie haben Sie den Tag erlebt?

Pfarrer Steffen Barth: Obwohl ich ja wusste, wer Grußworte spricht, und wie es ablaufen wird, es also eigentlich nichts Überraschendes war, ist es doch emotional gewesen. Etwa zu hören, wie mein Dekan, Christian Weigl, oder auch andere die Zeit mit mir erlebt haben.

Was genau hat Sie daran berührt?

Es ist einfach schön zu erfahren, wie andere die Zeit mit einem erlebt haben. Und doch irgendwie merkwürdig, dass man manche Dinge erst sagt, wenn ein Abschied ansteht. Wie die Arbeit geschätzt wurde – selbst von Leuten, mit denen ich nicht so viel Kontakt hatte. Viele haben sich bei mir bedankt. Aber das braucht’s gar nicht. Es war so schön, hier mit den Menschen zusammenzuarbeiten. Es haben sich so viele für unsere Gemeinde engagiert.

Weshalb kehren Sie Moosburg dann den Rücken?

Es ist nicht so, dass mich die Kirche versetzt hat. Vielmehr ist in den vergangenen Monaten allerhand Privates passiert, wo wir als Familie überlegen mussten: Wie gehen wir jetzt damit um? Wir haben dann entschieden, dass wir nochmal umziehen. Ich bin künftig in einem Team mit einem weiteren Pfarrer und einer Pfarrerin, die ich gut kenne, und mit der ich befreundet bin. Wir sind nah an München, wo meine Frau und ich einige Freunde und Verwandte haben. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Wechsel beruflich wie familiär und privat eine gute Perspektive bringt.

Die bürokratischen Abläufe dazu sind Ihnen ja geläufig, schließlich haben Sie selbst lange Zeit im Landeskirchenamt Bewerbungen und Ortswechsel von Pfarrern bearbeitet.

(lacht) Das stimmt: Mir war nicht ganz neu, was zu tun ist. Aber es ist doch noch einmal etwas völlig anderes, es selbst zu tun. Die Vorstellung beim Kirchenvorstand von Olching-Maisach war wohl das erste richtige Bewerbungsgespräch in meinem Leben.

Und Sie haben offenbar überzeugt. Welche Gefühle begleiten Sie nun?

Ich bin schon traurig, hier wegzugehen. Gerade in diesem Beruf wachsen die Kontakte mit der Zeit. Man muss erst mal wissen, wer wer ist, wer was macht, und wie die so sind. Nach einer gewissen Zeit hatte ich das Gefühl: Jetzt läuft das, und ich komme gut zurecht. Und dann bricht man das alles ab und muss die vielen guten Kontakte zurücklassen. Ich bin natürlich sehr dankbar dafür, dass ich hier viel lernen und erleben durfte.

Ich habe einen Großteil meiner Arbeitszeit im Auto verbracht. Künftig beträgt mein Arbeitsweg nur noch 30 Sekunden.

Pfarrer Steffen Barth

Sie hatten sich einiges vorgenommen vor zweieinhalb Jahren. Unter anderem prognostizierten Sie Ihren Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit. Konnten Sie dort Akzente setzen?

Ich denke schon, dass ich einige Sachen angestoßen und Wege gefunden habe. Bei der Kinderbibelwoche, Kinderfreizeit und der Konfirmanden-Vorbereitung hat sich beispielsweise eine Menge verändert. Ich würde aber nicht sagen, wegen mir ist alles super geworden. Ich war vielmehr Teil einer Entwicklung und froh darüber, Mitglied verschiedener Teams zu sein. Und ich habe viel Offenheit dafür erlebt, Neues auszuprobieren.

Gibt es auch Dinge, die Sie nicht missen werden?

Die Fahrerei! Ich habe einen großen Teil meiner Arbeitszeit im Auto verbracht, da die Gemeinde so weitläufig ist. Und ich freue mich darauf, dass ich in Maisach direkt neben der Kirche wohnen werde. Dann beträgt mein Arbeitsweg nur noch 30 Sekunden. Wenn ich richtig rechne, bin ich über 6000 Kilometer in 2,5 Jahren im Gemeindedienst unterwegs gewesen – ohne Corona wären es noch mehr gewesen.

Gutes Stichwort: Die Corona-Krise hat Ihre Arbeit sicher massiv geprägt. . .

Das war und ist sehr ambivalent: Alle paar Wochen ändert sich etwas, auch die Wahrnehmung der Krise. Gegen Ende ergab sich der Eindruck, dass das Ganze durchaus auch etwas Positives hatte. Nichtsdestotrotz war es etwas Furchtbares, das auch hier viele Leute hart getroffen hat.

Wie sind Sie in der Kirche damit umgegangen?

Wir haben versucht, uns dem zu stellen, indem wir beispielsweise die Homepage aktualisiert haben, Texte online gestellt und sonntags Video-Andachten ins Internet hochgeladen wurden. Für mich eine ganz neue Erfahrung, da ich nie wirklich viel mit YouTube oder Smartphones gearbeitet hatte. Es war vor allem auch ein Lernprozess: Wie wirke ich in diesen Medien, und wie muss ich mich verhalten? Wer weiß, wie Weihnachten heuer wird: Vielleicht sind diese digitalen Mittel auch dann Teil einer Lösung.

Sprechen wir über die Ökumene: Wie beurteilen Sie das Zusammenspiel zwischen Katholiken und Protestanten im Raum Moosburg?

Das hat gut funktioniert. Es gibt eingespielte Wege zu den katholischen Kollegen sowohl in Moosburg als auch in Wartenberg. Alle größeren Anlässe, die Einweihungen, die große Kinderbibelwoche – das läuft alles ökumenisch. Finde ich super! Es ist ja heute so, dass es viele gemischtkonfessionelle Familien gibt. So ist auch bei kirchlichen Anlässen eine Gemeinschaft möglich.

Landesweit steigen die Zahlen der Kirchenaustritte. Wie stark hat das für Sie eine Rolle gespielt?

Da es in der Region wirtschaftlich gut läuft und im Dekanatsbezirk Freising ein großer Zuzug herrscht, sind viele evangelische Gläubige dazugekommen. Ich denke, in der Gemeinde ist die Zahl der Austritte relativ gering, und es gab keine großen Wellen. Aber damit habe ich nicht viel zu tun: Man muss ja im Standesamt austreten.

Wie geht es für die Gläubigen vor Ort weiter?

In der Regel bleiben die Stellen für etwa ein halbes Jahr vakant. Die Zeit braucht es auch, um etwa das Pfarrhaus zu renovieren oder die Neuausschreibung zu regeln. Ich bin da nicht mehr unmittelbar involviert. Und meine Kollegin, Pfarrerin Regine Weller, bleibt der Gemeinde ja erhalten.

Ist Ihnen noch eine Verschnaufpause gegönnt, bevor es in Olching-Maisach losgeht?

Die nächsten drei Sonntage habe ich noch Gottesdienste, dazu auch noch etwas Urlaub. Anfang September trete ich dann die neue Stelle an, und wenige Wochen später steht der Umzug an. (lacht) Eine Weile bleibt mir die Fahrerei also noch erhalten.

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