Hier nahm das Unheil seinen Lauf: Rudolf Schmid vor den Resten seiner verkohlten Küche.
1 von 10
Hier nahm das Unheil seinen Lauf: Rudolf Schmid vor den Resten seiner verkohlten Küche.
Den Schaden an der städtischen Sozial- und Obdachlosenunterkunft schätzt die Polizei auf rund 80.000 Euro.
2 von 10
Den Schaden an der städtischen Sozial- und Obdachlosenunterkunft schätzt die Polizei auf rund 80.000 Euro.
Vom Fernseher des 80-Jährigen ist nur noch ein verschmorter Klumpen übrig.
3 von 10
Vom Fernseher des 80-Jährigen ist nur noch ein verschmorter Klumpen übrig.
Überall im Gebäude haben sich die giftigen Rauchgase angehaftet. 
4 von 10
Überall im Gebäude haben sich die giftigen Rauchgase angehaftet. 
In Sicherheit: Schmid und sein dreijähriger Hund Johnny schafften es rechtzeitig aus dem brennenden Gebäude. Derzeit haben sie bei einer Bekannten Unterschlupf gefunden.
5 von 10
In Sicherheit: Schmid und sein dreijähriger Hund Johnny schafften es rechtzeitig aus dem brennenden Gebäude. Derzeit haben sie bei einer Bekannten Unterschlupf gefunden.
Unbewohnbar: Die frühere Stalag-Baracke an der Schlesierstraße 3 ist stark kontaminiert.
6 von 10
Unbewohnbar: Die frühere Stalag-Baracke an der Schlesierstraße 3 ist stark kontaminiert.
Die Moosburger Feuerwehr brachte den Brand am Sonntag rasch unter Kontrolle.
7 von 10
Die Moosburger Feuerwehr brachte den Brand am Sonntag rasch unter Kontrolle.
Die Moosburger Feuerwehr brachte den Brand am Sonntag rasch unter Kontrolle.
8 von 10
Die Moosburger Feuerwehr brachte den Brand am Sonntag rasch unter Kontrolle.

Nur Hund Johnny ist ihm geblieben

Existenz in Schutt und Asche: Moosburger (80) steht vor dem Nichts

  • schließen

Moosburg - Mit 80 Jahren muss Rudolf Schmid ganz von vorn anfangen: Der Moosburger hat durch ein Feuer alles verloren. Auch seine Nachbarn trifft das Schicksal schwer. 

Kartoffelknödel will sich Rudolf Schmid am Sonntagabend machen. Doch dann schießt plötzlich eine Stichflamme hinter seinem Herd empor. Der 80-jährige Moosburger hat keine Chance mehr, etwas gegen den sich ausbreitenden Brand zu unternehmen. Alles geht furchtbar schnell. Auch Schmids Feuerlöscher ist wirkungslos, nach neun Jahren ohne Wartung. 

Während die Flammen auf einen Hängeschrank und die Waschmaschine übergreifen, wählt Schmid den Notruf. Dann eilen er und seine Nachbarn aus dem vorderen Teil der Sozial- und Obdachlosenunterkunft ins Freie. Schmids dreijähriger Hund Johnny ist ebenfalls in Sicherheit.

Zwei junge Polizisten werden zu Rettern - und riskieren eigene Gesundheit

Kurz darauf treffen schon die ersten Retter vor der Schlesierstraße 3 ein: das BRK und eine Polizeistreife. Die Beamten, eine 34-jährige Kommissarin und ein 23-jähriger Polizeiobermeister, durchkämmen die hinteren Barackenteile nach Bewohnern. Das Feuer ist hier noch nicht angekommen, aber der giftige Rauch wabert durch die Gänge. Die Polizisten finden zwei Ehepaare und bringen sie nach draußen, gerade noch rechtzeitig. Alle müssen später wegen leichter Rauchgasvergiftungen behandelt werden. Moosburgs PI-Chef Christian Bidinger kann am Montagvormittag Entwarnung geben: „Die Kollegen sind wohlauf und konnten nach einer Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen.“

Die ebenfalls alarmierte Feuerwehr bringt den Brand am Sonntagabend rasch unter Kontrolle und verhindert ein Ausbreiten der Flammen auf die angrenzenden Wohnungen. Dazu muss allerdings das Dach des Gebäudes großflächig aufgerissen werden.

Die Brandermittler stoßen an ihre Grenzen

Der Gesamtschaden wird auf rund 80.000 Euro geschätzt, heißt es im Bericht des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Die Untersuchungen der Brandermittler bestätigen die Aussage Schmids, dass sich das Feuer im Bereich des Herds ausgebreitet habe. „Aufgrund des hohen Zerstörungsgrads lässt sich zur Brandursache jedoch keine eindeutige Aussage mehr treffen.“ Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Brandlegung hätten sich nicht ergeben. Weiter heißt es: „Für die Ermittler scheint eine technische Ursache am Elektroherd als Auslöser der Flammen möglich.“

Für Rudolf Schmid, der von Grundsicherung lebt, bedeutet das zerstörte Heim eine Katastrophe. 50 Jahre hat er hier gewohnt, erst mit den Eltern und dann allein. Ausgezogen wäre er erst, wenn es mit ihm zu Ende gewesen wäre, sagt Schmid mit dem Trotz eines 80-Jährigen.

Baracke sollte ohnehin weichen - nun ging es zu schnell

Dabei war es bereits absehbar, dass die Bewohner die ehemalige Stalag-Baracke verlassen müssen. Die Stadt Moosburg nämlich plant seit geraumer Zeit, auf dem Areal einen Sportplatz und eine Mensa zu errichten. Aus Sicht der Stadtspitze handelt es sich dabei um die dringend notwendige Erweiterung des Schulzentrums Nord. Zwischenzeitlich war dieser Plan zwar durchkreuzt worden: Der Denkmalschutz stellte sich quer, eine der letzten erhaltenen Baracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VII A zu opfern. Ein Gutachten, das die Stadt in Auftrag gab, wog dann jedoch die schulischen Belange mit den historischen Verpflichtungen gegeneinander ab. Das Ergebnis: Nur die Baracke an der Schlesierstraße 1 muss als Denkmal erhalten bleiben.

Die Menschen aus Haus Nummer 3 sollten also umgesiedelt werden, sobald der städtische Sozialwohnungsbau an der Böhmerwaldstraße – etwas weiter nördlich in der Neustadt – fertiggestellt ist. Dass die Situation nun von einem Tag auf den anderen derart verschärft wird, stellt die Verantwortlichen im Rathaus vor eine Herausforderung. Denn auch das neue Obdachlosenheim an der Landshuter Straße befindet sich aktuell noch im Bau.

Und so begann der Montagmorgen im Rathaus deutlich früher und hektischer als gewöhnlich. Wie Bürgermeisterin Anita Meinelt dem FT sagte, arbeite man „intensiv an Lösungen“. Die Planungen zur interimsmäßigen Unterbringung würden wohl ein paar Tage in Anspruch nehmen. Ob und wann die Baracke an der Schlesierstraße 3 tatsächlich abgerissen werde, konnte Meinelt ebenfalls noch nicht sagen. „Aber aus meiner Sicht ist das Gebäude nicht mehr nutzbar.“

Nach Brand: FT-Spendenkonto geöffnet - Auch Tante Emma e.V. hilft

Unsere Zeitung möchte nach einem Ortstermin mit Betroffenen und Verantwortlichen der Stadt Hilfe vermitteln: Zum einen wurde der Kontakt zum Tante-Emma-Verein hergestellt, der unbürokratisch mit Kleidung und kleineren Haushaltsgegenständen aushelfen will. Zum anderen werden bis auf weiteres sämtliche Spenden, die auf unserem Aktionskonto von „Menschen in Not“ eintreffen, an die Betroffenen des Brands weitergegeben.

Aktion „Menschen in Not“, Konto 190, Sparkasse Freising

IBAN: DE5770 0510 0300 0000 0190, BIC: BYLADEM1FSI

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Moosburg
Rauchentwicklung über Juwelier: Feuerwehreinsatz in Moosburger Altstadt
Wegen starken Rauchs in einem Gebäude der Moosburger Altstadt musste die Feuerwehr am frühen Dienstagabend ausrücken. Doch der Einsatz ging glimpflich aus.
Rauchentwicklung über Juwelier: Feuerwehreinsatz in Moosburger Altstadt
Mitten in Moosburg: BMW-Fahrerin (21) rammt drei Mauern und zwei Autos
Eine Spur der Verwüstung hat eine 21-Jährige am Dienstag in Moosburg hinterlassen: Sie prallte mit ihrem BMW in zwei Autos, zwei Häuser und eine Gartenmauer.
Mitten in Moosburg: BMW-Fahrerin (21) rammt drei Mauern und zwei Autos
Mauern
Hilfseinsatz an der Hanslmühle: Navis trainiert seine Katastrophen-Retter
Wie ein Hilfseinsatz aussehen kann, erlebten am Wochenende die Neuen im Navis-Team: bei einer einer Feldübung an der Hanslmühle bei Mauern. Drei Tage probte die …
Hilfseinsatz an der Hanslmühle: Navis trainiert seine Katastrophen-Retter
Moosburg
„Explosion in Wohnhaus“: Übungs-Spektakel der Moosburger Feuerwehr
Moosburg – Eine gesperrte Straße, unzählige Blaulichter, schmerzverzerrte Schreie: Was sich am Montag an der Thalbacherstraße in Moosburg abgespielt hat, war …
„Explosion in Wohnhaus“: Übungs-Spektakel der Moosburger Feuerwehr

Kommentare