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Grünen-Rätin fordert Trauerwald für Moosburg und erntet Kritik von Kirchen-Vertretern

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Von: Armin Forster

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Wiesengrundstück mit Bäumen bei Moosburg
Auf diesem Grund, der an der Ex-B 11 (r.) liegt, will Evelin Altenbeck (Grüne) einen Naturfriedhof errichten lassen. © Archiv: Forster

Die Grünen-Stadträtin Evelin Altenbeck macht sich für einen Trauerwald in Moosburg stark. Von der Kirchenstiftung St. Kastulus wird der Vorstoß jedoch kritisiert.

Moosburg – Schon wieder gibt es große Pläne für das unscheinbare Baum-Gelände am Südrand von Moosburg, direkt neben der ehemaligen B11: Noch vor wenigen Jahren sollte dort die Montessorischule errichtet werden, und nachdem dieser Plan verworfen wurde, ist nun die Verwandlung in einen Naturfriedhof im Gespräch. Den jedenfalls hat kürzlich Grünen-Stadträtin Evelin Altenbeck offiziell beantragt.

In ihrem Schreiben an Bürgermeister Josef Dollinger und ihre Gremiumskollegen erinnert sie daran, dass das Grundstück in Oberreith der Stadt seit rund 40 Jahren gehöre, und ein ursprünglich geplanter Friedhof seinerzeit am Widerstand der Bevölkerung gescheitert sei, „da dieser Ort als zu abgelegen erschien“. In der Folge kam dort eine Baumschule der Stadtgärtnerei unter.

Platz für alternative Begräbnisformen

Gleichzeitig, so argumentiert Altenbeck, habe man auf dem Moosburger Friedhof an der Michaelikirche sowie auf der Erweiterungsfläche „nicht mehr endlos Platz für Gräber“, und auch die Urnenwand werde nicht mehr sehr lange freie Plätze haben. Parallel steige in der Bevölkerung der Wunsch nach alternativen Begräbnisformen außerhalb der traditionellen Gräber mit Grabstein oder einer Urne in der Wand. „Trauerparks, Gedächtniswälder oder Naturfriedhöfe“ würden hier eine gute Alternative bieten. Altenbeck schreibt: „Das Grundstück Oberreith bietet aus meiner Sicht eine sehr schöne Möglichkeit, einen ganz eigenen Ort der Trauer, der Erinnerung und des Neubeginns zu schaffen.“ Dort könne der schöne Baumbestand als Baumgräber genutzt werden.

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Eine größere Freifläche südlich des Wegs will die Grünen-Rätin für Wiesengräber mit gemeinsamem Gedenkstein und Namensschildern nutzen. Auch Rosengräber in Anlehnung an die Pflanze im Stadtwappen schweben Altenbeck vor. In Wiesen- und Rosengräbern seien Bestattungen nur mit einem Leichentuch denkbar.

Kosten von 100.000 Euro stehen im Raum

An die Rathausverwaltung gerichtet, bittet die Antragstellerin darum, zu klären, „welche Form der Begräbnisstätte in einem möglichen Trauerwald zulässig beziehungsweise wünschenswert ist“. Auch eine städtische Trägerschaft solle geprüft werden. Dafür brauche es dann eventuell eine neue Planstelle. Bei den Kosten schlägt Altenbeck vor, für das Projekt 100.000 Euro für Planung und Erstellung in den kommunalen Haushalt 2023 einzustellen.

Noch bevor der Vorschlag in einer Sitzung des Stadtrats diskutiert werden konnte, hat sich bereits die katholische Kirchenstiftung St. Kastulus zu Wort gemeldet: In einer Stellungnahme der Moosburger Friedhofsbetreiber (siehe nächster Absatz) wird Altenbecks Argumenten zum Teil deutlich widersprochen. Und die Verantwortlichen werfen der Stadträtin vor, nicht vorab das Gespräch gesucht zu haben.

Die Stellungnahme der Kirchenstiftung St. Kastulus im Wortlaut

„Als Verantwortliche der Kirchenstiftung St. Kastulus, die den Friedhof betreibt, nehmen wir zum Antrag von Stadträtin Evelin Altenbeck Stellung: Eine Nachfrage bei den zuständigen Stellen hätte gereicht, um zu erfahren, dass die nächsten Jahre auf dem bisherigen Friedhof sehr wohl Platz für Bestattungen ist. Es werden immer wieder Laufzeiten für Gräber nicht verlängert. Dies gilt auch für die Urnennischen. Die letzten 40 Jahre hat es die Erweiterung nicht gebraucht und es wird sie auch nach uns vorliegenden Zahlen die nächsten Jahre nicht brauchen. Bei genügender Recherche hätte Frau Altenbeck auch festgestellt, dass es im Friedhof an der Michaelikirche auch Erdgräber für Urnen gibt, die sich guten Zuspruchs erfreuen.

Wer ein Urnenbegräbnis wünscht, kann zwischen Urnenwand und Erdbestattung in einem neuen kleinen oder bereits vorhandenen Grab wählen. Hier trägt die Kirchenstiftung dem Trend bereits Rechnung. Geplant ist für die nächste Zeit, auch Bestattungen unter Bäumen anzubieten, um auch hier den Wünschen der Bevölkerung entgegenzukommen. Aus unserer Sicht ist dieser Naturfriedhof nicht nötig. Die Stadt kann das Geld sinnvoller für andere Projekte wie das Hallenbad oder Schulbauten verwenden, die nötiger sind, weil: Mit den 100.000 Euro im nächsten Jahr ist es sicher nicht getan, wenn noch eine Planstelle geschaffen werden soll.“
Unterzeichner der Stellungnahme: Reinhold Föckersperger (Stadtpfarrer), Herbert Neumaier (Verwaltungsleiter), Claudia John (Kirchenpflegerin), Ursula Betz (Pfarrgemeinderats-Vorsitzende)

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