Hochwasser in Moosburg: Eine Stadt im Ausnahmezustand

Moosburg - Moosburg ist am Dienstagabend nahezu komplett unter Wasser gestanden: Nach dem schweren Unwetter in den frühen Abendstunden liefen über 200 Keller und Tiefgaragen mit Wasser voll.

"Die Wassermassen waren so extrem - das ist unbeschreiblich." Auch einen Tag nach dem heftigen Unwetter im Juli 2008 fehlten Bürgermeisterin Anita Meinelt die Worte. Bis zirka 1 Uhr früh war die Rathauschefin vor Ort, um sich mit dem Krisenstab, bestehend aus Feuerwehr, Polizei und THW, ein Bild von der Hochwasser-Lage zu machen. Sicher über 200 Keller und Tiefgaragen sind laut Meinelt am Dienstagabend binnen kürzester Zeit voll gelaufen. Das "Unfassbare" für die Bürgermeisterin: "Wir hatten Wasser in Bereichen, wo wir noch nie Probleme hatten." In allen Schulen, in der Dreifachturnhalle und im Keller der Mehrzweckhalle habe das Wasser gestanden, berichtete Meinelt.

Schuld an den Überflutungen waren laut Roland Littmann nicht etwaige Schäden am Kanalsystem, sondern die riesige Wasermengen. "Wir hatten 50 bis 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das ist eine Menge Holz. Da hat es zum Teil die Gullideckel herausgehoben."

Diesen Wassermassen konnte auch die Feuerwehr Moosburg nicht herwerden, die nach Angaben der Polizeidirektion Erding mit "Mann und Maus im Einsatz" war. Zug um Zug wurden deshalb diverse Feuerwehren aus dem Landkreis alarmiert, zudem das THW Freising. Die Kameraden um Ortsbeauftragten Michael Wüst rückten mit 50 Mann in sieben Fahrzeugen in Moosburg an und gaben an 27 Einsatzorten mit Hilfe von Wassersaugern, Pumpen und Stromerzeuger ihr Bestes.

"Böse erwischt" hat es laut Gerhard Hochleitner, Kommandant der FFW Moosburg, die Firma Jungheinrich: Hier standen einige Produktionsorte unter Wasser, wie Mitarbeiter Bernd Tüshaus bestätigte. "In vier Hallen hatten wir massiv Probleme". Teilweise sei das Wasser bis zu 15 Zentimeter hoch gestanden. Die Werksfeuerwehr, die Mitarbeiter der Nachtschicht sowie die Feuerwehren Mauern, Schweinersdorf und Inzkofen waren im Einsatz, um die Wassermassen abzusaugen - vom THW bekamen sie dafür einige Wasserstaubsauger zur Verfügung gestellt. Insgesamt, so schätzt Tüshaus, waren zwischen 19.30 und 3 Uhr rund 150 Helfer allein im Werksgebäude im Einsatz. Trotz des Schadens "hatten wir viel Glück", erklärte Tüshaus: "Die Frühschicht hat wieder ganz normal gearbeitet." Der finanzielle Schaden wird laut Tüshaus derzeit noch ermittelt.

Nicht nur für Meinelt war es eine "kurze Nacht", sondern auch für Kommandant Gerhard Hochleitner: "Um 5 Uhr morgens bin ich ins Bett gegangen, und um 6.20 Uhr war ich schon wieder draußen." Denn auch am gestrigen Mittwoch standen noch Keller, Tiefgaragen und (Lager-)Hallen unter Wasser.

Auch wenn der finanzielle Schaden immens sein dürfte: Die Helfer und Betroffenen waren froh, dass es "nur" bei Sachschäden geblieben ist, und laut Polizeidirektion Erding "keine Person geschädigt wurde".

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