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Kein Wasser, kaum Nahrung: Igel-Babys brauchen aktuell dringend Unterstützung

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Von: Andrea Hermann

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Wenige Tage alt sind die Igel-Babys, die Ulrike Kolar aus Moosburg füttert und liebevoll pflegt. Aktuell kümmert sich die Tierliebhaberin auch um Sechslinge.
Wenige Tage alt sind die Igel-Babys, die Ulrike Kolar aus Moosburg pflegt. © privat

Rund um die Uhr ist „Igel-Mama“ Ulrike Kolar aus Moosburg aktuell gefordert: Viele Igel-Babys benötigen Hilfe. Und auch die Tierliebhaberin braucht dringend Unterstützung bei ihrer Arbeit.

Moosburg – Bei „Igel-Mama“ Ulrike Kolar aus Moosburg ist gerade Hochsaison: Sie kümmert sich aktuell um zahlreiche abgemagerte, dehydrierte oder verletzte Igel-Babys. Doch mit ihrem Engagement kommt die Tierliebhaberin an ihre Grenzen. Deshalb schlägt sie Alarm und fordert die Bürger auf, Erste Hilfe zu leisten, wenn die kleinen stacheligen Gesellen schlapp oder verletzt in Gärten oder unter Sträuchern liegen.

Sechslinge werden aufgepäppelt

Vor wenigen Tagen hat Ulrike Kolar Neuzugänge bekommen: sechs Frischlinge, wenige Stunden alt. Die Mutter der Igel-Babys wurde kurz nach der Geburt noch humpelnd gesehen, doch seitdem ist sie verschwunden. Nun zieht die Moosburgerin die kleinen Igel auf, die gerade einmal 21 Gramm schwer und etwa 7,5 Zentimeter lang sind. Mit Hilfe einer Einwegspritze verabreicht sie den kleinen stacheligen Knäueln Aufzuchtmilch für Babykatzen – jeder Tropfen Milch zählt. Nach anfangs 0,3 und später 0,9 Milliliter Milch ist der Hunger gestillt – das nächste Tier ist an der Reihe. Viel Zeit geht fürs Füttern drauf. Doch es warten ja noch mehr Patienten. Denn Ulrike Kolar versorgt auch einige Intensivpatienten – jene Tiere, die etwa Lungenprobleme haben oder die schwach und von Würmern und Fliegen befallen sind. „Wenn man denen nicht hilft, dann sterben sie“, weiß die Tier-Expertin.

Zwischen 25 und 45 Igel hat Ulrike Kolar meist in Pflege – früher schwerpunktmäßig im Herbst, mittlerweile hat sie das ganze Jahr über Arbeit mit den Tieren. Aktuell häufen sich die Fälle von verletzten Igeln. Grund sind oft Wunden durch Rasenmäher – allen voran durch Rasenmäher-Roboter. „Diese halten nicht vor weichen Hindernissen“, weiß die Tierliebhaberin, weshalb sie einige Patienten hat, denen Beinchen fehlen. Für einige gibt es keine Rettung mehr, andere müssen eine aufwändige und auch kostspielige Behandlung überstehen. „Es geht schon viel Geld drauf“, sagt Ulrike Kolar. Doch die kleinen Tiere sind ihr die vielen Ausgaben Wert.

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Wasser, Unterschlupf und Futter nötig

Auch setzt den Igeln die aktuelle Wetterlage zu: „Es ist verdammt trocken“, sagt die Moosburgerin. „Die Igel finden kein Wasser und kaum Nahrung.“ Ihr dringender Appell richtet sich deshalb an die Bürger, allen voran an die Gartenbesitzer: „Die Tiere brauchen dringend Wasser“ – und ein schattiges Plätzchen, sprich: eine Unterkunft, „wo sie jederzeit reinkönnen“. Auch mit Futter sollte man die Tiere unterstützen: Trockenfutter sollte man anbieten. Mit „Schatten, immer frischem Wasser und Futter sind die Igel gut versorgt“, weiß Kolar aus langjähriger Erfahrung. Wer einen hilfsbedürftigen Igel findet, sollte das Tier auch auf Zecken und Flöhe kontrollieren – und wenn nötig, auch einen Tierarzt aufsuchen.

Dass die Igel-Hilfe im (Hoch-)Sommer ebenso wichtig ist wie im Herbst oder Winter, ist vielen Leuten nicht bewusst. „Das ist keine Bosheit oder Dummheit von den Leuten – die denken einfach nicht daran“, sagt Ulrike Kolar. Umso wichtiger ist es ihr, die Menschen zu sensibilisieren und zu ermutigen, „die Erstversorgung zu übernehmen“. Sie selbst steht natürlich gerne beratend zur Seite, doch bei der Pflege der Tiere braucht sie Unterstützung. Denn: „Es werden immer mehr“ – mehr Tiere, die bei ihr abgegeben oder einfach vor die Haustüre gestellt werden.

Geld-/Futterspenden erleichtern die Arbeit

Die Arbeit mit den vielen Igeln ist nicht nur eine pflegerische Herausforderung, sondern für Ulrike Kolar auch eine finanzielle: Behandlungskosten, Ausgaben für Medikamente und Hilfsmittel, Futter und vieles mehr zahlt sie aus ihrer eigenen Tasche. „Wenn ich nicht mehr arbeite, weiß ich nicht, wie das gehen soll“, sagt sie. Umso mehr freut sie sich, wenn sie von Privatleuten, Schulen oder Betrieben finanzielle Unterstützung oder Futterspenden bekommt. „Das hilft schon sehr.“

So viel Arbeit sie mit den Tieren auch hat, so viel Freude bereiten ihr die kleinen stacheligen Gesellen auch – etwa ihre Sechslinge, die sich prächtig entwickeln. Die zartrosarote Haut im Gesicht ist dunkler geworden und an der Schnauze sprießen winzige Härchen. „Bis jetzt sind alle gesund, lustig und wuselig“, erzählt Kolar. Und sie werden hoffentlich stark genug, um den kommenden Winter zu überstehen – die nächste Herausforderung für die engagierte „Igel-Mama“.

Hier gibt‘s Unterstützung

Wer Unterstützung bei der Pflege von Igeln benötigt oder ein Tier selbst aufpäppeln möchte, kann sich bei Ulrike Kolar melden: telefonisch unter (0 87 61) 6 03 65 (bitte auf den Anrufbeantworter sprechen) oder per Mail an igel_nothilfe_moos-burg@gmx.de.Weitere Infos gibt’s auch auf der Internetseite des Tierschutzvereins Freising unter www.tierschutzverein-freising.de.

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