Erinnern sich gern: (hinten v. l.) Rudi Haberkorn (Heimatverein), Sylvia und Peter Sauerstein, Martin Pschorr (Leiter des Heimatmuseums), Anton Neumaier (Heimatverein) sowie (sitzend v. l.) Enkel Dominik, Sauersteins Ehefrau Hildegard und Enkelin Melanie

Er war Meister der gezeichneten Kommentare

Witzig, bissig, hintersinnig: In Moosburg gibt es jetzt eine Willi-Sauerstein-Ausstellung

Er war ein Meister der gezeichneten Kommentare: der Moosburger Willi Sauerstein. Anlässlich seines 20. Todestages zeigt der Heimatverein jetzt eine Gedächtnisausstellung.

Moosburg – Er war ein Meister der gezeichneten Kommentare: der Moosburger Maler und Karikaturist Willi Sauerstein. Anlässlich seines 20. Todestages zeigt der Heimatverein Moosburg jetzt eine Gedächtnisausstellung im Stalag-Neustadt-Museum. Ohne viele Worte, aber mit viel Humor hat der talentierte Zeichner das Stadtgeschehen jahrzehntelang aufs Korn genommen. Zum Schmunzeln gab es bei der Ausstellungseröffnung am Freitag also viel.

Er karikierte die kleine und die große Politik

Eingeladen hatten Anton Neumaier und Martin Pschorr – engagierte Mitglieder des Heimatvereins und langjährige Kommunalpolitiker. Kein Wunder, dass sich die Politiker selbst an einigen Stellwänden wiederfanden. „Des Bürgermeisters Alptraum“ betitelte Sauerstein etwa eine Karikatur, mit der er 1993 die Debatte „Kläranlage“ im Moosburger Stadtrat mit spitzer Feder kommentierte. Mit Geldrollen, die neben dem „stillen Örtchen“ auf Klopapierrollen abgewickelt werden, dokumentierte Sauerstein, dass die kommunale Einrichtung bereits seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert wird. SPD-Stadtrat Martin Pschorr verpasste Sauerstein verschiedene Brillen: „Dann wär‘ hier das neueste Modell“ steht in der Denkblase. Ein bisschen bissig, wie er die Parteizugehörigkeit des SPD-Mannes aufs Korn nimmt.

Wurden oft aufs Korn genommen: Die Kommunalpolitiker – und zugleich engagierten Mitglieder des Heimatvereins – Anton Neumaier (l.) und Hans Reif (r.) finden sich in gezeichneter Form an vielen Stellwänden im Stalag-Neustadt-Museum wieder

Spielwiese für den talentierten Künstler, den die Wirren des Zweiten Weltkriegs als Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland in die Dreirosenstadt gebracht haben, war aber auch die große Politik. „Der Willi hatte Weitblick“ kommentierte Anton Neumaier eine Karikatur, auf der das Thema Umweltschutz auf einen einfachen Nenner gebracht wird. Der Fingerzeig Gottes deutet vom Firmament herab auf den Menschen, der geduckt auf einem der Pole der Erde sitzt und sich die Hände vor die Augen hält. Von links und rechts zeigen Flora und Fauna in Form eines Baums und eines Elefanten ebenfalls auf den Übeltäter, der für die globale Erderwärmung verantwortlich ist. Die Überfischung der Meere brachte Sauerstein 1994 schon ganz anschaulich auf den Punkt: Auf Wellen schwimmt eine leere Konservendose.

Er war in überregionalen Zeitschriften vertreten

Im bürgerlichen Beruf war Sauerstein übrigens bei der Firma Südchemie als Vorarbeiter tätig. 1993 ging er in Ruhestand. Zwei bis drei humorvolle Karikaturen habe sein Vater täglich geschaffen, erinnert sich Sohn Peter. Das habe einfach dazugehört. Die Ideen seien nicht ausgegangen. Sogar in verschiedenen überregionalen Zeitschriften war der Moosburger Karikaturist vertreten. „Wir können auf Willi Sauerstein stolz sein“, sagte Neumaier.

In der Ausstellung ist nur ein kleiner Querschnitt seines Schaffens zu sehen. Sauersteins Meinung und kritische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit ist aber in jedem Fall einen Besuch der Ausstellung wert.

Gut zu wissen

Die Ausstellung „Willi Sauerstein“ im Stalag-Neustadt-Museum ist am Sonntag, 15. September, von 10 bis 12 Uhr, am Freitag, 20. September, von 17 bis 19 Uhr sowie am Sonntag, 22. September, von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Maria Martin

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