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Fünf Jahre gewonnen: Nurullah Burhani mit seinem Mentor Reinhard Kastorff.

Flüchtlingsbetreuer Reinhard Kastorff im Interview

Fall Nurullah: „Man kann es schaffen, wenn man kämpft“

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Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wurde Nurullah Burhani eine Ausbildung zum Schneider in Moosburg verweigert. Jetzt kann der Asylbewerber (35) seine Lehre antreten. Am Donnerstag gab das Landratsamt Freising dafür Grünes Licht. Im Interview berichtet sein Betreuer Reinhard Kastorff, warum er nie den Mut verloren hat, und welche Signalwirkung dieser Fall für andere haben kann.

-Hand aufs Herz, Herr Kastorff: Haben Sie nach einem Jahr Gerichtsverfahren noch daran geglaubt, dass Nurullah diese Lehrstelle antreten kann?

Ja, weil ich wusste, wir schaffen das. Bei den täglichen Wasserstandsmeldungen, die ich von Nurullah bekommen habe, hat sich herauskristallisiert: Er wird die Tazkira, also den vom Landratsamt geforderten Identitätsnachweis, organisieren können.

-Hat jetzt David gegen Goliath gewonnen?

Jein. Man kann jetzt nicht sagen, dass wir den Freistaat niedergerungen haben. Denn letztendlich haben wir die Kernforderungen erfüllt, die das Landratsamt gestellt hat: den Identitätsnachweis und den Bildungsnachweis. Aber erstens hat der Freistaat vor einem Jahr noch deutlich mehr Bedingungen gestellt. Zweitens wäre die Ablehnung bestandskräftig geworden, wenn wir nicht geklagt hätten. Und drittens haben wir durch die Klage die notwendige Zeit gewonnen, um die Tazkira zu organisieren.

-Wäre Nurullah sonst schon außer Landes?

Nein, weil die AsyOlfrage nichts mit der Ausbildungsfrage zu tun hat. Die Asylfrage ist in seinem Fall noch offen. Sollte die negativ ausfallen, hat er aber nun – quasi durch die Hintertür – gesicherten Aufenthalt für drei Jahre Ausbildung. Sollte er die Lehre schaffen, kommen noch zwei zusätzliche Jahre als Schneidergeselle hinzu. Es ist also ein fünfjähriger Zeitgewinn.

„Ich kann nicht mehr klagen. Zumindest nicht bei Gericht.“

-Wie hat Nurullah dieses eine Jahr in Unsicherheit bewältigt?

Wir haben versucht, die Zeit sinnvoll zu nutzen, indem er viel gelernt und sich weitergebildet hat. Ansonsten hätte er nur Trübsal geblasen und darauf gewartet, was der Briefträger bringt. So war er von der Straße weg.

-Dass Gabi Urban ihm den Ausbildungsplatz als Schneider ein Jahr lang freigehalten hat, ist auch außergewöhnlich, oder?

Ja, das muss man erwähnen. Obwohl sie inzwischen ein deutsches Lehrmädchen angestellt hat, ist sie immer zu ihrem Wort gestanden: Wenn er die Genehmigung erhält, kann er die Lehre machen.

-Hat der Fall Nurullah Auswirkungen auf andere Asylbewerber?

Juristisch nicht. Aber der Fall hat Signalwirkung für andere. Er macht Mut: Man kann es schaffen, wenn man bereit ist, dafür zu kämpfen.

-Und für Sie ist der Kampf jetzt vorbei?

Natürlich nicht. Aus vier Verfahren, die ich im Augenblick auch für andere Asylbewerber begleite, sind jetzt drei geworden. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, sage ich immer: Ich kann nicht mehr klagen. Zumindest nicht bei Gericht.

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