Aus einem Feuerwehrschlauch sprudelt Wasser auf ein Grundstück.
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Leidiges Bild in manchen Moosburger Häusern: Nach Starkregen müssen dort immer wieder Keller ausgepumpt werden. Einige Besitzer machen die Stadt verantwortlich, doch die weist die Kritik zurück. (Symbolbild)

Kommune weist Kritik zurück

Nach heftigem Starkregen: Viele Keller unter Wasser - Frustrierte Hausbesitzer werfen Stadt schweren Fehler vor

Bei Starkregen laufen in Moosburg reihenweise Keller voll. Auf Facebook wird deswegen vor allem die Stadt kritisiert. Doch die pocht auf Eigenverantwortung.

Moosburg – Nächtelang Wasserschöpfen, das Hab und Gut aus den Kellern räumen, das ist bei den derzeitigen schweren Gewitterlagen in Moosburg gang und gäbe. Mit am schlimmsten betroffen sind die Mozartstraße, die Merianstraße oder auch der Ehrenstorfer Weg. Viele haben sich dort Pumpen angeschafft, die aber mit den Wassermassen oft nur schwer fertig werden.

Unwetter im Landkreis Freising: Vollgelaufene Keller - Bürger und Feuerwehr kämpfen gegen Wassermassen

Dann hilft nur noch die Feuerwehr. Die war nach Auskunft von Kommandant Gerhard Hochleitner allein in der Nacht zum Dienstag permanent im Alarmzustand. Gut 60 Einsätze habe man gefahren. „Die Mehrzahl waren vollgelaufene Keller,“ wie Hochleitner mitteilte. Im ganzen Stadtgebiet, aber eben auch verstärkt in den genannten Straßen im Südwesten.

„Ich bin einfach fertig“, gestand Sigrid Brand nach einer Nacht, in der sie ununterbrochen Wasser geschöpft und ihren Keller so gut es ging ausgeräumt hat. „Ich muss alles allein machen, das ist kein Kinderspiel“, betonte die Bewohnerin eines Eckhauses an der Merianstraße. Sie habe ihren Hausanschluss sanieren lassen, alles gemacht, was notwendig sei, trotzdem würde in jüngster Zeit alles schlimmer werden.

Moosburg: Zahlreiche Keller nach Starkregen überflutet - Bürger frustriert

Ähnlich erging es Kai Adamek am Ehrenstorfer Weg. „Die Stadt redet sich hinaus: Wir müssten unsere Hausanschlüsse neu machen. Ich habe 8500 Euro investiert, aber es hilft nichts. Trotzdem läuft alles voll“, ärgert sich Adamek. Maria Fuchs, die an der Mozartstraße wohnt, hat „die Nase langsam voll“, wie sie sagt. In einer Woche sei ihr Keller jetzt zweimal vollgelaufen. Auch sie sieht die Verantwortung bei der Stadt. Die würde Baugebiet um Baugebiet planen und die Kläranlage nicht entsprechend nachrüsten.

Wetterkapriolen setzen Altstadt unter Wasser

Unwetter haben schwere Überschwemmungen in Landshut ausgelöst. Im Kampf gegen die Fluten halfen auch Kräfte aus dem Raum Freising, wo es ebenfalls viele Einsätze gab.

Der Vorwurf, dass die Stadt massiv Wohnraum schaffe und nachverdichten lasse, aber nicht genug für die Ertüchtigung des Abwassersystems tue, ist immer wieder zu hören. Das entbehre aber jeglicher Grundlage, wie Angela Hagl, Geschäftsführerin der Kläranlagen Moosburg GmbH, deutlich macht. „In unserer Satzung steht ganz klar, dass bei Neubauten das Regenwasser zu versickern ist“, erklärt sie.

Vollgelaufene Keller: Vorwurf an Stadt Moosburg - Kommune weist Kritik zurück

In den Kanal dürfe nur das normale Abwasser und kein Niederschlag. Probleme gebe es, wenn zu viel Regen in den Mischwasserkanal komme. Manche hätten einen Gully in ihrem Heizungskeller. „Dann drückt es das Wasser bei Starkregen rein“, erklärt Hagl eine der möglichen Ursachen.

Das Thema sei komplex, es gebe so viele Gründe, warum ein Keller im Extremfall volllaufen kann. „Im Regen stehen lassen“ wolle man die Betroffenen aber nicht. „Jedem, der bei uns anruft, versuchen wir zu helfen“, versichert die Geschäftsführerin.

Das bestätigt auch Sigrid Brand. „Frau Hagl und ihre Mitarbeiter sind sehr bemüht. Einer war auch schon hier und hat sich alles angeschaut“, sagt Brand. Laut Angela Hagl könne es oft einfache Ursachen haben, warum etwa eine Rückstauklappe nicht mehr funktioniere. In einem Fall habe sich herausgestellt, dass die lediglich verrostet gewesen sei.

Keller unter Wasser: Experten-Tipps für Hausbesitzer - Automatische Abwasserhebeanlage am sichersten

Inzwischen hat die Kläranlagen GmbH Tipps herausgegeben, wie sich Hausbesitzer am besten schützen können. Das Sicherste sei demnach, sich eine automatische Abwasserhebeanlage einbauen zu lassen. Das Wasser fließt dann von Ausgüssen im Keller zunächst in einen Pumpensumpf. Von dort wird es mittels einer Pumpe über das Niveau der Rückstauebene des Kanalnetzes gehoben und von dort in dieses eingeleitet.

Eine kostengünstigere Methode stelle ein sogenannter Rückstauverschluss dar. Die Vorrichtung verhindert durch einen Abschluss das Eindringen von aus dem Kanal drückenden Schmutzwasser. In diesem Fall kann aber aus diesem Teil der Hausentwässerung kein Schmutzwasser in den Kanal fließen. Toilette und dergleichen können also zeitweise nicht benutzt werden.

Bemühungen, den Betroffenen zu helfen, gibt es indes auch von politischer Seite. Die vier Stadträte Philipp Fincke (FDP), Stefan John (Linke), Thomas Wittmann (Fresh) und Alfred Wagner (Grüne) haben einen offenen Brief an Bürgermeister Josef Dollinger (FW) verfasst, in dem sie ihn bitten, eine Info-Veranstaltung zu organisieren. Das Ziel: die Probleme aus der Bevölkerung zu sammeln, Fragen zu beantworten und gemeinsam an Maßnahmen zu arbeiten, die auf eine Verbesserung der Ist-Situation abzielen. Es gebe „viel Unmut“, heißt es in dem Schreiben. Das habe sich in „unzähligen Anfragen bei uns Stadträten“, aber auch in Diskussionen sowie auf Facebook gezeigt.

Viele vollgelaufene Keller nach Unwetter: Vernichtende Kommentare auf Facebook - „Wird noch schlimmer werden“

Die Kommentare in dem Netzwerk fallen teilweise vernichtend aus. So findet es ein User „zum Kotzen, dass die Stadt ihren Kanal nicht im Griff hat“. Inzwischen hat sich eine separate Gruppe von Hochwassergeschädigten gegründet, die kein Blatt vor den Mund nimmt. „Und es wird weiter munter verdichtet und gebaut. Wird noch schlimmer werden“, befürchtet eine Userin. Doch es sind auch moderatere Töne zu finden. „Rückschlagventil und eigener Sickerschacht hilft. Da braucht man keinen Schuldigen suchen. Lasst euch mal beraten“, empfiehlt ein anderer Facebook-Nutzer.

Bürgermeister Josef Dollinger sieht das ähnlich. Wie er auf Nachfrage erklärt, stehe laut Entwässerungssatzung der Stadt fest, „dass der Hauseigentümer sich selbst schützen muss“. Dollinger beruft sich auf höhere Gewalt. Städte wie Landshut stünden vor ähnlichen Problemen. Man könne Moosburg doch nicht mit einem komplett neuen Kanalsystem überziehen. Der Ortschef sagt aber auch: „Es ist mir klar, dass das eine unangenehme Sache ist.“

Auf die Info-Veranstaltung angesprochen, erklärt er, es stehe ohnehin eine Sitzung des Aufsichtsrats der Kläranlagen GmbH an. Zwei der Briefschreiber, Wittmann und Wagner, gehörten dem Gremium an. „Da werden wir das Thema noch einmal diskutieren und entscheiden, ob und in welchem Rahmen das sinnvoll ist“, kündigte er an.
Alexander Fischer

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