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„Moosburg bleibt bunt“ lautete ein Motto beim „Fest für Menschlichkeit und Toleranz“, der Gegenveranstaltung zum AfD-Wahlkampfauftakt am Viehmarktplatz.

Eindringliche Appelle an alle Demokraten

Kontrast zu AfD-Veranstaltung: Hunderte Moosburger feiern Fest für Menschlichkeit

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Hunderte Moosburger haben ein Ausrufezeichen für Menschlichkeit und Demokratie gesetzt. Vor der AfD-Versammlung ließen sie sich weder von Provokateuren einschüchtern, noch vom Wetter abhalten.

Moosburg – Für die Veranstalter und Teilnehmer des „Fests für Menschlichkeit und Toleranz“ hätte es am Dienstagabend viele Gründe gegeben, nicht auf dem Moosburger Viehmarktplatz zu erscheinen oder sprechen, während die AfD in der Schäfflerhalle ihren Wahlkampfauftakt abhielt. 

Moderator und Altstadt-Händler Robert Fetzer nannte gleich zu Beginn einen: Ihn habe die Frage bewegt, „ob es meinem Laden schadet oder gar meine Familie darunter leidet, wenn ich heute auf der Bühne stehe“. Andere Unternehmer hätten ihn zwar bestärkt, so Fetzer, „sie persönlich hätten aber Angst vor negativen Konsequenzen“, bekam er zu hören. „Es darf nicht sein, dass wir in Moosburg Bürger haben, die Angst um ihr Geschäft oder ihre Familie haben müssen“, begründete er seinen Entschluss, eben doch zu moderieren und Rassismus und Hetze entgegenzutreten.

So bat Fetzer nacheinander zahlreiche Sprecher sämtlicher Ortsparteien (mit Ausnahme der AfD), von Zivilorganisationen und Gewerkschaften, Jugendvertreter, aber auch Kirchenrepräsentanten, Unternehmer, Privatpersonen und Musiker auf die Bühne. Dazwischen zitierte er Artikel aus dem Grundgesetz. Einige prangten auch auf großen, beleuchteten Plakaten in der Mitte der Versammlung – ein Statement der Initiatoren, die zum friedlichen Verteidigen von Demokratie und Grundgesetz aufgerufen hatten.

„Es reicht nicht, wenn man sich daheim auf die Couch setzt“

Regen, Schnee und Wind hatten die weit über 400 Menschen nicht davon abgehalten, stundenlang in der Kälte zu stehen. Genau das forderte Stefan John (Linke) in seiner Rede: „Es reicht nicht, wenn man sich daheim auf die Couch setzt. Antifaschismus muss man aktiv betreiben.“ Und in einem Land wie Deutschland sei eben „jeder Demokrat per Definition Antifaschist“.

Mutiger Moderator: Robert Fetzer.

Immer wieder gingen Redner auf Äußerungen des AfD-Bürgermeisterkandidaten Gerhard-Michael Welter ein. Fest-Mitorganisatorin Lena Zehetbauer (SPD) etwa verlas empört dessen Facebook-Post vom 29. Januar: „Er hat geschrieben, Auschwitz wäre nicht Deutschlands Schuld, die Hauptschuld trage die SPD. Das muss man sich mal vorstellen.“ Auch Rudolf Heinz (CSU) hatte einen Ausdruck von Welters Facebookaktivität dabei. „Teile diesen Ziegelstein, wenn du jemanden kennst, dem du ihn in gern die Fresse hauen würdest“, las Heinz vor. Was der AfD-Mann da im Internet verbreite, sei „widerlich“ und schockiere ihn. „Ich glaube, noch ekelhafter wird die Rhetorik des Herrn Curio, der aus Berlin gekommen ist und seine Hetzreden da drinnen vorträgt“, sagte Heinz und deutete in Richtung Schäfflerhalle, wo sich die rechtspopulistische Partei zum Wahlkampfauftakt traf (siehe Artikel unten). Philipp Fincke (FDP) widmete der AfD und Welter ein Gedicht: „Wir alle stehen gegen einen selbst ernannten Nazi auf, das hat in Moosburg ja fast schon Brauch.“

„Wir zeigen heute, dass wir diese Entwicklung nicht wollen“

Klaus Reichel, Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, sprach den Machern des Fests seinen Dank aus. „Ich bin stolz auf Euch, dass Ihr die Verantwortung übernehmt, euch gegen Rechtsradikalismus zu engagieren.“ Nicht alle AfD-Wähler seien Nazis, „aber sie wählen Nazis“. Inzwischen wisse man sehr genau, wie sich ein faschistisches System entwickle und was dabei herauskomme. „Wir zeigen heute, dass wir diese Entwicklung nicht wollen. Nirgendwo auf der Welt, auch nicht in unserer Heimatstadt.“ Das sei man all den Opfern des Nazi-Regimes schuldig.

Um den Charakter eines familiären Fests zu unterstreichen, hatten die Organisatoren für viele Musikbeiträge gesorgt. Zu Hören gab es einen bunten Mix – von örtlichen Nachwuchstalenten wie Half past two bis hin zu überregional bekannten Größen à la Ritsch Ermeier von der Band Sauglocknläutn. Die Musik bot dabei Auflockerung zwischen den ernsten Reden.

Eindringlicher Appell an demokratiefreundliche Bürger

Die Anwesenden ließen sich auch von jenen AfD-Anhängern nicht aus der Ruhe bringen, die mit laufender Kamera durch die Reihen gingen und versuchten, für eine Internet-Liveübertragung Fest-Teilnehmer mit provokanten Fragen aufs Glatteis zu führen. Jene Gestalten, die meinten, Pöbeleien in Richtung der Menschenmenge zu rufen, hielt derweil die Polizeipräsenz auf Abstand. Die war vorsorglich mit einem Großaufgebot angerückt, konnte aber Zaungast bleiben.

Das Polizei-Großaufgebot am Viehmarktplatz.

Gegen Ende der Veranstaltung richtete Moderator Robert Fetzer noch einen Appell an die Versammelten und an alle anderen demokratiefreundlichen Bürger der Stadt: „Sorgt dafür, dass die Wahlbeteiligung eine Anzahl erreicht, die es in Moosburg noch nie gegeben hat!“

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