Gesperrte Laufbänder in einem Fitnessstudio
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Fitnessstudios waren von den Corona-Beschränkungen massiv betroffen. (Symbolbild)

Probleme in der Pandemie

Lobbyarbeit für Sport als Gesundheitsfaktor: Fitness-Experte hofft auf Umdenken in der Politik

Als Fitness-Experte und früherer Triathlet kämpft Nils Daimer in der Pandemie für mehr Beachtung im Bereich „Sport, Fitness und Gesundheit“ durch die Politik.

Moosburg – Die vier Protagonisten beim Pressegespräch im Moosburger Fitnessstudio „New Mountains“ waren sich am Montag einig: Im Umgang mit Sport und Fitness seien während der Corona-Zeit Fehler gemacht worden und auch körperliche Defizite entstanden, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Diese müssten umgehend korrigiert, der Sport und seine Sportstätten besser gefördert und allgemein der Thematik „Sport, Fitness und Gesundheit“ in der Politik ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Das Quartett bestand aus den hiesigen Politikern MdL Johannes Becher (Grüne), FW-Kreisrat Karl Ecker sowie Uwe Penner (FW-Vorstand Gammelsdorf) – und Nils Daimer. Dieser ist Mitarbeiter im „New Mountains“ und hatte zu dem Termin in seiner Funktion als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der „Expertenallianz für Gesundheit e.V.“ eingeladen.

Diese Allianz aus Medizinern, Wissenschaftlern, Fitnessstudios, Reha- und Physiotherapie-Einrichtungen und Partnern aus dem Gesundheitswesen hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Mitglieder aus Sport, Fitness und Gesundheit zu vertreten, um künftig auch in der Politik eine gewichtige Rolle zu spielen.

Reger Austausch zum Stellenwert von Sport, Fitness und Gesundheit in der Politik: (v. l.) Nils Daimer, Uwe Penner, Karl Ecker und Johannes Becher trafen sich in Moosburg.

Ernüchterndes Feedback

Dass der Einladung des fachlichen Leiters bei „New Mountains“ letztlich nur drei Politiker gefolgt waren, ist eine eher bescheidene Bilanz – wenn man bedenkt, dass Nils Daimer während der Pandemie Kontakt zu allen Mandatsträgern in den Landkreisen Freising, Landshut und Kelheim gesucht und dabei an die 800 Mails verschickt hatte. Umso dankbarer war der MBA des Gesundheits- und Demografiemanagements, dass ihn mit Johannes Becher und Benno Zierer (FW) zwei Landtagsabgeordnete bei seinen Anliegen unterstützt hatten. Ansonsten sei das Feedback eher ernüchternd bis nicht vorhanden gewesen, berichtet Daimer.

In der Diskussion am Montag wurde schnell klar, dass das Thema enorm komplex und weitreichend ist. Die Bedeutung von Fitness, Sport und des Physio- und Rehabereichs für alle Altersgruppen in puncto physischer und psychischer Gesundheitsförderung stand außer Frage. Ob es als politischer Teilbereich des Innenministeriums richtig verortet ist, sei diskutabel. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass Planungssicherheit für die Branche unerlässlich sei und dass beispielsweise ein bayerischer Gesamtetat von derzeit 20 Millionen für die Erhaltung der Schwimmbäder unzureichend sei. Die Kommunen würden zu häufig allein gelassen, sodass viele freiwillige Leistungen nicht mehr angeboten werden können.

Eine Beobachtung, die Nils Daimer in seiner täglichen Arbeit auch bei Reha- und Vorsorge-Leistungen der Krankenkassen gemacht hatte. Diese würden immer weiter zurückgeschraubt, sodass es nicht verwundere, dass Prognosen einen Anstieg der Gesundheitskosten bis 2030 um mehr als eine halbe Milliarde Euro vorhersagen.

Daimer berichtet von Ignoranz und Ahnungslosigkeit

Dem könne und müsse durch einen höheren Stellenwert der allgemeinen Fitness und Ernährungsgewohnheiten in der Bevölkerung entgegengewirkt werden. Die Ignoranz und Ahnungslosigkeit einiger politischer Mandatsträger, so Daimer, hätten ihn, den ehemaligen Triathleten, angespornt, sich noch mehr für das Thema zu engagieren. Am Anfang habe er noch gedacht, bis zum Ende des Lockdowns würde sich schon was tun, inzwischen hat sich Nils Daimer auch hier auf einen Marathon eingestellt.

Das nächste Projekt ist schon in Arbeit. In einem neuen Verband, der „Association for preventive physical activities“, werden die Mitglieder der Expertenallianz für Gesundheit, der Arbeitgeberverband der Fitnessbranche und die Dekane der TU München und Sporthochschule Köln versuchen, zusammen mit großen Sportverbänden eine schlagkräftige Allianz auf die Beine zu stellen, die mit wirksamer Lobbyarbeit einen höheren Stellenwert und mehr politische Unterstützung für die Bereich Sport und Gesundheit erreichen soll.
Josef Fuchs

Wenn Erholungssuchende und Landwirte aufeinandertreffen, sollte Rücksicht gelten. Das unterstreicht eine Aktion des BBV, die auch im Landkreis Freising gestartet wurde.

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