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Servus, Sparkassen-Arena! Am vergangenen Sonntag bestritt Alexander Feistl (vorne l.) sein letztes BEL-Heimspiel.

Alexander Feistl beendet seine Eishockey-Karriere

„Man muss wissen, wann man aufhört“

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Moosburg - Profisportler oder die Karriere in einem „normalen“ Job? Alexander Feistl wollte diese Entscheidung in jungen Jahren nie treffen – und nahm deshalb beide Ziele ins Visier. Jetzt, mit 31 Jahren, hat er sich entschlossen, seine Eishockey-Laufbahn zu beenden. FT-Redakteur Bastian Amann hat ihn kurz vor seinem letzten Bayernliga-Spiel für den EV Moosburg (Freitag in Germering) interviewt.

Vor einer Woche haben Sie das letzte Heimspiel in Ihrer Eishockey-Karriere bestritten. Wie war’s?

Wunderschön. Wir haben gewonnen, es waren meine Familie, Freunde sowie zahlreiche Mitarbeiter aus unserer Firma da – eben viele mir wichtige Leute. So ein Spiel hat man nur einmal.

Mit 31 Jahren suchen andere noch mal eine sportliche Herausforderung, vielleicht sogar höherklassig. Warum ist das für Sie kein Thema?

In den vergangenen 15 Jahren sah mein Alltag immer so aus: Um 6 Uhr morgens aus dem Haus, um 22 Uhr wieder daheim. Irgendwann merkt man, dass dieses Leben viel Kraft kostet – körperlich wie mental. Und inzwischen gibt es nicht nur den Beruf und Eishockey, sondern auch meine Familie. Seit 2015 bin ich Vater eines Sohnes. Da verändert sich die Sichtweise auf gewisse Dinge gewaltig.

Als junger Erwachsener haben Sie sich allerdings bewusst für die Doppelbelastung Eishockey/berufliche Karriere entschieden. Profitum war damit nur bis zu einem gewissen Grad möglich...

Seit ich auf Schlittschuhen stehen konnte, war ich diesem Sport verfallen. Jede freie Minute habe ich Eishockey gespielt und alle Bayern-Auswahl-Teams und Jugend-Nationalmannschaften durchlaufen. Als ich mit 16 in der DNL gemeinsam mit Kai Hospelt (Anm. der Redaktion: mehrfacher deutscher Nationalspieler und langjähriger DEL-Profi) an der Spitze der Scorerliste stand, kamen Angebote von den Eisbären Berlin und aus Mannheim. Mein Vater hat nur gesagt, dass er mir zwar keine Steine in den Weg legen will, ich aber auch in unserer Lüftungs- und Klimatechnik-Firma Karriere machen könnte.

Und das wäre nach der Eishockey-Laufbahn nicht möglich gewesen?

Nein, mit 35, das war mir damals schon klar, brauch’ ich keine Ausbildung und kein Studium mehr beginnen. So habe ich einen Mittelweg gewählt: Profi-Eishockey ja – aber nur, wenn es mit dem Job vereinbar ist.

Warum sind Sie dann nicht gleich in Landshut geblieben?

Das hatte ich ursprünglich ja auch vor. Ich habe dort mit 16 mein erstes Zweiligaspiel gemacht, war dem Verein eng verbunden und hab in Landshut auch meine Lehre zum Systemplaner für Versorgungstechnik begonnen. 2006, nach meiner Ausbildung, kam dann aber das Angebot aus Regensburg: Drei-Jahres-Vertrag und die Möglichkeit, im benachbarten Regenstauf nahtlos weiterzustudieren. Auch diese Station hat gut in meinen Plan gepasst. Ich hatte in Regensburg eine tolle Zeit, zumal der Verein mir sehr entgegengekommen ist und ich wegen meinen beruflichen Ambitionen auch nicht so oft trainieren musste wie die anderen.

Allerdings gingen die Regensburger knapp zwei Jahre später Pleite...

Genau, das war natürlich ein Problem. Ich wollte aber mein Studium beenden und habe mich in der Nähe umgeschaut. Da bot sich dann ein Wechsel nach Passau in die Oberliga an. Auch dort habe ich mich sehr wohl gefühlt. In der zweiten Saison bin ich dann allerdings richtig in die Firma meines Vaters eingestiegen. Und deshalb war klar: Ich musste wieder nach Landshut zurück.

Also auch zurück in die 2. Bundesliga . . .

Exakt. Ich bin beim EVL zwar wieder super aufgenommen worden, habe aber schnell gemerkt, dass sich die zweite Liga mit dieser verantwortungsvollen Position im Betrieb, die ich damals schon innehatte, kaum vereinbaren lässt. Eishockeyspielen wollte ich aber noch – und da haben mich meine besten Freunde auf den damaligen Landesligisten EV Moosburg aufmerksam gemacht.

War das nicht ein zu tiefer Sturz – drei Ligen nach unten?

Nein, auch in der Landesliga kann man seinen Spaß haben und wird gefordert. Wir hatten damals eine einmalige Truppe. Meine Kumpels Florian Erl und Tobias Gilg, dann Spielertrainer Elvis Beslagic oder Petr Kankovsky und Alexander Popp, mit denen ich in einer Reihe gespielt habe. Außerdem kommt es nicht so oft vor, dass man eine „perfekte Saison“ schafft, also kein Spiel verliert. Das werde ich nie vergessen.

Das dürfte auch für Ihre Statistiken gelten: 135 Scorerpunkte in 31 Spielen sind eine Hausnummer.

Ja, das war einfach super. Schön war auch, dass ich mithelfen konnte, dass sich Moosburg in den folgenden Jahren in der Bayernliga etabliert hat. Das war eine ganz besondere Zeit für mich. Deshalb bin ich in dieser Saison auch gern zurückgekommen.

Was fallen Ihnen denn spontan noch für andere Highlights ein, wenn Sie auf die vergangenen 15 Jahren zurückblicken?

Da fällt mir natürlich mein erstes und auch einziges DEL-Spiel über die Förderlizenz für den ERC Ingolstadt ein, als ich in jungen Jahren mit Marco Sturm (Anm. der Red. dem heutigen Nationaltrainer) in einer Reihe spielen durfte – oder die Hockey-Challenge in Kanada. Daran hatte ich als 16-Jähriger für die U17-Nationalmannschaft teilgenommen und wurde in den Spielen gegen Kanada und die USA zum wertvollsten Spieler ausgezeichnet. Da kam mir meine freche, technisch versierte Spielweise schon zugute.

Inwiefern haben Sie der großen Karriere hinterhergetrauert – also DEL oder Nationalmannschaft?

Das weinende Auge war natürlich immer da. Wenn ich an meiner Ausbildungsstelle oder in der Uni saß und ich wusste, dass die anderen gerade an ihrer Erstliga-Karriere arbeiten, war das nicht einfach für mich. Allerdings wäre es auch fraglich gewesen, wie weit ich tatsächlich gekommen wäre. Natürlich habe ich immer auch von der NHL geträumt. Die Scouts waren wegen mir sogar in Landshut. Mit einer Körpergröße von 1,69 Meter ist so ein Ziel aber schwer zu erreichen.

Würden Sie sich heute noch einmal für so eine „doppelte Karriere“ entscheiden?

Ja, trotz der Belastung würde ich es wieder so machen. Ich bin froh, dass ich mit 31 nicht den Druck habe, vom Sport abhängig zu sein. Und auf meine berufliche Erfahrung bin ich schon ein wenig stolz. Aber man muss wissen, wann man aufhört. Und ich glaube: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.

Wie sehen Ihre sportlichen Aktivitäten der Zukunft aus?

Einmal die Woche will ich schon noch aufs Eis gehen, um mich fitzuhalten. Ansonsten habe ich mir vorgenommen, im Sommer zu golfen – und im Winter mit meiner Familie Skifahren zu gehen.

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