Coronavirus in Deutschland: Erster Politiker betroffen - CDU-Mann infiziert 

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Das Bad in der Menge der Fans konnte Ministerpräsident Markus Söder ungestört genießen. Der Fluglärmgenerator war nur als Brummen im Hintergrund zu vernehmen.

Ministerpräsident Markus Söder in Moosburg

Markige Sprüche – aber kein Dialog

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Es ist der Tag der Großaufgebote: CSU, Startbahngegner und Sicherheitskräfte sind am Donnerstag in Moosburg jeweils in Kompaniestärke angerückt. Grund: Ministerpräsident und Startbahnfreund Markus Söder spricht im Festzelt.

Moosburg – Showdown in der Dreirosenstadt: Ministerpräsident Markus Söder und die Startbahngegner treffen sich auf dem Festplatz. Beim Wahlkampfauftritt von Söder und bei der Gegendemo reden sie aber nicht miteinander. Es ist trotzdem ein Abend der markigen Sprüche – draußen vor dem Festzelt auf der kleinen Bühne mit dem Fluglärmgenerator, drinnen auf der großen Bühne mit Blaskapelle.

In Kompaniestärke waren in Moosburg nicht nur die Sicherheitskräfte angerückt. Auch die Kreis-CSU und die Startbahngegner boten alles auf, was zur Verfügung steht.

Musik und Reden – das prägt diese Stunden. Die Startbahngegner haben sogar ein Willkommenslied für den Ministerpräsidenten eingeübt: Zur Melodie von „Sierra Madre“ singen sie „Söder, Startbahn, Lärm und Dreeg, Söder, mei Stimme kriagst du ned“. Wenn sie nicht singen, pfeifen sie – auch als Staatsminister Florian Herrmann, MdB Erich Irlstorfer und das ganze „Team Söder“ Aufstellung nimmt, um den Ministerpräsidenten zu empfangen. Der nimmt das Pfeifkonzert, das Lied und die Buh-Rufe mit einem Lächeln zur Kenntnis, lässt sich von seinem geraden Weg in die Hütte zum Eintrag ins Goldene Buch und ins Festzelt nicht abbringen.

Live-Ticker: Markus Söder in Moosburg – Startbahngegner empfangen Ministerpräsidenten mit Lärm

Beim Thema Asylpolitik erntet Markus Söder Applaus in Moosburg

Ein Bademantel für Söder als Geschenk: Florian Herrmann und Erich Irlstorfer (v. l.) freut’s.

Dort dann, wie sich das für einen Landesvater gehört: Applaus, Händeschütteln, der Defiliermarsch. Staatsminister Herrmann begrüßt seinen „Chef“, würdigt ihn als „kraftvoll, dynamisch und ideenreich“, versichert den CSU-Anhängern, dass Söder „100 Prozent Einsatz für Bayern“ zeigt. Und Herrmann verspricht „Klartext“: Die CSU sei das „einzige Bollwerk“ gegen Extremismus – sowohl von rechts wie von der AfD als auch von links wie vom „Schwarzen Block der Antifa“, mit denen die Linke, die SPD, die Grünen und die FDP marschierten. Was Herrmann nicht will: „italienische“ oder „Berliner Verhältnisse“.

Und damit ist er ganz auf Linie mit dem Ministerpräsidenten: Rund eine Stunde lang spricht Söder zum Volk, lobt Bayern und die CSU. Und immer wieder ist es ein Thema, das durchblitzt und zur Sprache kommt: die Asylproblematik. „Wir helfen ja gerne, wir dürfen aber unsere eigenen Bürger nie vergessen“, betont Söder und erntet dafür viel Applaus. „Das ist doch absurd: Wir wissen nicht, wer sich bei uns aufhält, aber wir wissen, auf welcher Weide jede Kuh steht“, schimpft Söder auf überbordende Bürokratie – und erntet wieder viel Applaus. Wenn Söder das Thema direkt anspricht, gibt es sogar Jubel: Man sei ja humanitär, aber man wolle keine „völlig unkontrollierte Zuwanderung“. Und wer als Flüchtling straffällig werde, der müsse eben zurück in sein Land – „Sorry, tut mir Leid!“ Die AfD, so sagt Söder, habe in Chemnitz „die Maske der Bürgerlichkeit“ fallen lassen und „die Fratze des Extremismus“ gezeigt. Bayern müsse Bayern bleiben, die Nummer eins in Deutschland. Das gehe nur mit stabilen Verhältnissen wie in den Jahrzehnten zuvor.

Der Fluglärmgenerator der Startbahngegner stört Söders Rede nicht

Und das Thema Startbahn? Er respektiere die Auffassung von Florian Herrmann, dessen Kompetenz er so schätze, sagt Söder. Mehr nicht. Der Fluglärmgenerator, der nach vorgegebenen Regeln 95 Dezibel laut sein darf, stört im Festzelt nicht wirklich. Es bleibt bei einem Brummen.

Auch draußen wird – und zwar schon einige Zeit vor Söders Eintreffen – der Heimatliebe gehuldigt. Nur eben anders: Rund 400 Startbahngegner haben sich versammelt. Einige verirrte AfD’ler, die ihre Flugblätter verteilen wollen, will man aber nicht dabei haben. Aufgemuckt-Sprecherin Helga Stieglmeier verweist sie des Platzes.

Der erste von ganz vielen Rednern, die ans Mikro treten, ist Grünen-MdL Christian Magerl. Er begrüßt „die Freunde der Heimat“. Die Startbahngegner, so ruft er, seien die eigentlichen Bewahrer der Heimat, „die dort drüben“, also die CSU’ler im Festzelt, seien „die Betonierer“. Am 14. Oktober habe man die Chance, die Startbahn zu beerdigen. Die CSU liege derzeit bei 35 Prozent. „Aber da ist noch Luft nach unten!“, ist sich Magerl sicher. Die Startbahn – „absoluter Größenwahn“, er habe noch nie „so grottenfalsche Prognosen“ gesehen. Fast alle, die am 14. Oktober in den Landtag gewählt werden wollen, reden auch, schimpfen auf die CSU und wettern gegen die Startbahn. Doch da ist Söder längst drinnen im Festzelt.

Startbahngegner und -befürworter geraten in Konflikt in Moosburg

Disput: Jürgen Mieskes (CSU, r.) sah in Startbahngegner Franz Spitzenberger eine „Provokation“.

Und auch wenn sich Söder und die Startbahngegner an jenem Abend persönlich nichts zu sagen haben, kommt es am Rande doch zu manch einem Aufeinandertreffen: Jürgen Mieskes, Freisings CSU-Ortsvorsitzender und an diesem Abend auch Ordner, bittet einen Tisch Startbahngegner vor dem Festzelt, den Platz zu verlassen. Man könne die Anti-Startbahn-Sticker als „Provokation“ auffassen. Franz Spitzenberger aus Attaching hält dagegen: Er bleibe hier sitzen, schließlich sei er kein Sicherheitsrisiko. Im Festzelt sitzt dann auch manch ein Startbahngegner. Nachhaltig gestört wird der Söder-Auftritt von ihnen aber nicht. Alles bleibt friedlich.

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