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Vor dem Amtsgericht Freising musste sich der 21-Jährige verantworten.

Unterschleißheimer begeht Straftaten in Moosburg

Bolzenschneider statt Monatskarte: 21-Jähriger landet erneut vor Gericht

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Mehr als ein halbes Dutzend Mal ist der Angeklagte als Jugendlicher straffällig geworden. Stets kam er mit einem Klaps aufs Hinterteil davon. Jetzt nicht mehr.

Moosburg – Mit gerade 21 Jahren ist der in Unterschleißheim lebende Messe- und Lagerarbeiter der Polizei wegen mehrfachen Diebstahls mit einem Spezl ins Netz gegangen, darunter ein besonders schwerer Fall. Vor dem Amtsgericht Freising wurde dem 21-Jährigen nun der Prozess gemacht. Sein Spezl muss sich in Landshut vor Gericht verantworten. Der in einem Fall ebenfalls beteiligten Schwester des 21-Jährigen wird nach Auskunft des Gerichts ein Strafbefehl in unbekannter Höhe zugestellt. Akzeptiert sie die Geldstrafe, bleibt ihr ein Prozess erspart.

Nach Moosburg sind der Angeklagte und sein Spezl am 1. September 2018 wohl bloß gefahren, um sich ein neues „Gratis-Outfit“ zu beschaffen. Die Staatsanwaltschaft hielt dem 21-Jährigen vor, Klamotten im Wert von 150 Euro erbeutet zu haben. Der Unterschleißheimer räumte ein, sich die Kleider in der Umkleide des Ladens übergestreift zu haben.

Vier Tage darauf befanden sich die beiden schon wieder in Moosburg, diesmal in Begleitung der Schwester des 21-Jährigen. Ob sie erneut auf Diebeszug waren, ließ sich nicht ermitteln. Beute wurde nicht gefunden.

Vier Fahrräder im Wert von 700 Euro geknackt

Dafür bediente sich das Trio am Bahnhof. Weil angeblich kein Zug fuhr, knackten die drei insgesamt vier Fahrräder im Wert von 700 Euro. Statt eine Monatskarte hatte sich der Spezl einen Bolzenschneider zugelegt. Die Räder fanden Polizisten später in einem Gebüsch unweit der Wohnung des Angeklagten. Da die Fahrräder mit Schlössern gegen Diebstahl gesichert waren, klagte die Staatsanwaltschaft einen besonders schweren Fall an. Mindeststrafe: drei Monate.

Dem Freisinger Amtsrichter Boris Schätz sind im Laufe seiner Karriere gewichtigere Straftaten auch von jungen Menschen untergekommen. Der übliche Blick auf das Vorstrafenregister des 21-Jährigen ließ Schätz aber doch für einen Moment innehalten. Diebstahl, Hausfriedensbruch, gemeinschaftlicher Diebstahl; außerdem gefährliche Körperverletzung.

Sechs der sieben Verfahren wurden vom Amtsgericht Dachau behandelt. Zuletzt befasste sich ein Richter in München mit dem Angeklagten, bevor der zu guter Letzt in Freising vorstellig wurde.

Ein Arrest blieb dem Angeklagten bislang erspart

Schätz mochte es kaum glauben: Sämtliche Verfahren wurden mit einer richterlichen Weisung abgeschlossen: mit sozialen Projekten, Trainingskursen, gemeinnützigen Arbeiten und dergleichen. Ein Erwachsener hätte für gefährliche Körperverletzung zumindest mit sechs Monaten rechnen müssen. Das Jugendstrafrecht stellt den Erziehungsgedanken in den Vordergrund. Als Jugendrichter ist Schätz das bewusst. Dennoch wunderte ihn, wie es dem Angeklagten gelang, so durchs Netz zu flutschen: „Nie einen Arrest bekommen?“

Schätz verurteilte den 21-Jährigen zu acht Monaten Haft auf Bewährung. Er mag sich ja kein Urteil über andere Richter machen, resümierte er. Die Abfolge bisheriger Urteile könne er aber nur als ungewöhnlich bezeichnen. „Vielleicht wäre ein Arrest zu einem früheren Zeitpunkt hilfreich gewesen.“ Für die nächsten zwei Jahre jedenfalls hängen die acht Monate wie ein Damoklesschwert über dem 21-Jährigen.

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