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Nüchterne Wohnanlagen ersetzen in Moosburg immer öfter charakteristische alte Häuser. An dieser Entwicklung und den Folgen eines raschen Bevölkerungszuwachses übt eine Gruppe Moosburger öffentlich Kritik – und plant eine Bürgerinitiative.

Kritik an Flächenversiegelung und massivem Zuzug

Aus Sorge vor Stadt-Kollaps: Moosburger planen Bürgerinitiative für „vernünftiges Wachstum“

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Versiegelte Grünflächen, gesichtslose neue Wohnanlagen und eine überlastete Infrastruktur: Sieben Moosburger wollen diese Entwicklung per Bürgerinitiative aufhalten.

Moosburg – Bei Gassirunden mit ihren Hunden durch die Stadtviertel ist es Uwe Nelkel und seinen Bekannten aus der Nachbarschaft zuletzt häufiger aufgefallen: Moosburg verändert vielerorts sein Gesicht. Immer mehr Flächen werden versiegelt, um im großen Stil Wohnraum zu schaffen. Egal, ob beispielsweise im sogenannten Villenviertel im Südwesten oder im Norden in der Neustadt – zahlreiche charakteristische kleinere Häuser wurden durch große Wohnanlagen ersetzt, gleichzeitig verwandeln sich Grünflächen nach und nach in Bauland. „Und es gibt eine ganze Reihe von Bauprojekten, die in den kommenden Jahren erst noch dazukommen“, beklagt der 52-jährige IT-Berater.

Sorge vor Stadt-Kollaps durch massiven Zuzug

Diese Veränderung hat Nelkel und sechs weitere Moosburger in Sorge versetzt: Die Stadt verliere nicht nur ihr sympathisches Gesicht, sondern „wird der Verkehrsbelastung und den Anforderungen an die Infrastruktur durch den enormen Zuzug auch nicht Herr“, sagt er. Mit der Gründung der Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Moosburg“ wollen Uwe und Anja Nelkel, Brigitte und Hermann Weger, Eva Riedl, Thomas Schulz sowie Erika Dreshaj am Donnerstag gegen diese Entwicklung aktiv werden. „Wir möchten nicht den Zuzug blockieren, aber wir müssen auch nicht das Auffangbecken von München sein“, sagt Nelkel. Denn es scheine, als ob viele Münchner auf der Suche nach bezahlbarerem Wohnort in Moosburg fündig würden. 

Ein Teil der Initiatoren: (v. l.) Uwe und Anja Nelkel, Brigitte Weger, Erika Dreshaj und Thomas Schulz am Rockermaier-Areal, das bald zugebaut werden soll.

Die Verantwortlichen von Rathaus und Stadtrat will man anregen, „dass sie sich verstärkt die Infrastruktur ansehen und dementsprechend für ein maßvolleres Bauen sorgen“. Manche Projekte, etwa die umstrittene Nachverdichtung auf dem Rockermaier-Areal, könne man auch erst einmal aufschieben, um Vorkehrungen für die Auswirkungen zu treffen. Als Beispiele für eine Überlastung nennt Nelkel die Kinderbetreuung, den Ärztemangel sowie Verkehr. „Schon jetzt sind viele Knotenpunkte auf den Moosburger Straßen total überlastet, zu Stoßzeiten gibt es kaum mehr ein Durchkommen“, sagt Nelkel.

2500 Neubürger, 1300 zusätzliche Autos

Die Gruppe hofft auf viele Unterstützer. Dass es die gibt, haben die Initiatoren bereits erfahren: Ein Post in der populären Facebook-Gruppe „Moosburg für Jung und Alt“ etwa hat nicht nur eine lebhafte Debatte in Gang gesetzt, sondern auch viel Zustimmung erhalten. 

Auch die 1000 Einladungszettel für die Gründungsversammlung am Donnerstag um 19 Uhr im Gasthof Drei Tannen, die man am Montag in Moosburg verteilt habe, hätten bereits jetzt zahlreiche Rückmeldungen eingebracht, wie Nelkel berichtet. „Wir hören immer wieder, dass wir den Leuten mit unserem Anliegen aus der Seele sprechen“, berichtet der 52-Jährige.

Man habe sich auch im Vorfeld die Mühe gemacht, und einmal „nur die aktuellen Bauprojekte hochgerechnet“, sagt Uwe Nelkel. „Herausgekommen ist, dass diese der Stadt an die 2500 Neubürger bescheren und zirka 1300 Autos.“ Gleichzeitig vermissten er und seine Mitstreiter, die sich alle gleichberechtigt und ohne Parteigedanken engagieren würden, ein konkretes Verkehrskonzept der städtischen Entscheider.

Gründung der Bürgerinitiative am Donnerstag, 16. Januar 

Möglicherweise treffen die kritischen Bürger bei der BI-Gründung am Donnerstag auch gleich auf die richtigen Ansprechpartner. Denn sowohl Bürgermeisterin Anita Meinelt als auch der übrige Stadtrat seien eingeladen worden, betont Uwe Nelkel.

Die Gründung der Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Moosburg“ findet am Donnerstag, 16. Januar, um 19 Uhr im Gasthaus Drei Tannen statt. Wer verhindert ist und sich dennoch einbringen möchte, kann sich via lebenswertes.moosburg@gmail.com per E-Mail an die Initiatoren wenden.

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