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„Höchst bedenklicher Zustand“: Experten fordern Rettung von Moosburgs letzter Gefangenenbaracke

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Von: Armin Forster

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Erbärmlich ist der Zustand der Sabathiel-Baracke in Moosburg. Denkmalexperten fordern Sofortmaßnahmen gegen den Verfall der einstigen Nazi-Kriegsgefangenenunterkunft, doch die Stadt-Verantwortlichen zögern.
Erbärmlich ist der Zustand der Sabathiel-Baracke in Moosburg. Denkmalexperten fordern Sofortmaßnahmen gegen den Verfall der einstigen Nazi-Kriegsgefangenenunterkunft, doch die Stadt-Verantwortlichen zögern. © Forster

Vom einst größten Kriegsgefangenenlager in Deutschland steht in Moosburg nur noch eine Gefangenenbaracke. Deren erbärmlicher Zustand alarmiert nun Experten.

Moosburg – Dafür, dass es das größte Kriegsgefangenenlager der Nazis innerhalb Deutschlands war, ist vom Stalag VII A in Moosburg verblüffend wenig übrig geblieben. Abgesehen von drei Wächterbaracken existiert nur noch eine einzige originale Gefangenenunterkunft dort, wo ringsum die Neustadt entstanden ist. Doch auch diese sogenannte Sabathiel-Baracke, die die Stadt 2011 gekauft hat, ist bislang dem Verfall überlassen worden. „Eigentümer von Baudenkmälern haben diese instandzuhalten, instandzusetzen, sachgemäß zu behandeln und vor Gefährdung zu schützen, soweit ihnen das zuzumuten ist“, heißt es in Bayerns Denkmalschutzgesetz. Doch über die Auslegung dessen ist man sich in Moosburg uneins.

Deutlichster Appell an Stadt und Landkreis wegen Moosburgs Stalag-Baracke

In einem offenen Brief hat sich das Denkmalnetz Bayern, ein Verein für Heimatpflege, kürzlich an Landrat Josef Hauner und Bürgermeisterin Anita Meinelt gewandt. Die Sabathiel-Baracke befinde sich in „höchst bedenklichem Zustand“. Die Unterzeichner appellieren in deutlichsten Worten an die Stadt und den Landkreis, sich für den Erhalt der letzten Gefangenenunterkunft einzusetzen. Sei sie doch ein überregional bedeutendes Zeugnis des von Deutschland verursachten Kriegs. Der Stadt sei dies „mit Sicherheit zuzumuten“, sie habe obendrein eine Vorbildrolle für private Besitzer von Baudenkmälern.

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Bereits im Juli hatten Vertreter des Berliner Büros Schulz+Drieschner für Zeitgeschichte und Denkmalpflege nach einem Besuch in Moosburg notiert: „Es handelt sich um ein Gebäude von höchstem historischen Zeugniswert sowie ausgesprochenem Seltenheitswert.“ Gleichzeitig sei der Zustand der Sabathiel-Baracke „in hohem Maße besorgniserregend“. Die Fachleute waren „erstaunt“, warum – entgegen des immensen dokumentarischen Werts – bislang offenkundig nichts zum Erhalt unternommen worden sei. Die besser erhaltenen Wächterbaracken könnten das Gefangenengebäude nicht ersetzen. Die Erinnerung an die Lebensumstände der Opfer habe Vorrang vor der Befassung mit der Täterseite.

Zwei Bürgermeister stimmen dagegen, der dritte schlägt einen Kompromiss vor

Als Sofortmaßnahme empfahlen die Experten, die Überreste mit einer Einhausung vor äußeren Einflüssen zu schützen und das Einstürzen mit Stützen zu verhindern. „Die Maßnahmen sind vor Beginn des kommenden Winters erforderlich.“ 

Als jedoch Erwin Köhler (UMB) kürzlich bei den Haushaltsberatungen 66.000 Euro für diese Einhausung beantragt hatte, lehnte der Finanzausschuss des Stadtrats das mit 3:9 Stimmen zunächst ab (wir berichteten). Am Ende fand sich im Ausschuss lediglich eine Mehrheit für den Vorschlag von Michael Stanglmaier (Grüne), den Betrag zwar einzuplanen, Maßnahmen und Auftragsvergaben jedoch an eine vorausgehende Sanierungsbewertung zu knüpfen. Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU) und ihr Vize Josef Dollinger (FW) hatten selbst das abgelehnt.

Nach Schlagabtausch via E-Mail erneute Debatte angekündigt

Vergangene Woche hatte nun Erwin Köhler einen neuen Vorstoß gewagt: Er beantragte, dass sich nicht mehr nur der Ausschuss mit der Einhausung befassen soll, sondern der gesamte Stadtrat. Es folgte ein Schlagabtausch via E-Mail, in dem Anita Meinelt zunächst mauerte: Ein beschlossener Tagesordnungspunkt könne kein zweites Mal behandelt werden. Doch Köhler beharrte darauf und argumentierte, der Ausschuss habe nur eine vorberatende Funktion. Nachdem sich auch Stadtrat Gerhard Beubl (SPD) für eine Wiederaufnahme stark gemacht hatte, lenkte die Stadtchefin ein, wie Köhler unserer Zeitung berichtet: „Mein Antrag wird nun doch am Montag im Stadtrat behandelt.“

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