+
Nicht für jede erschwinglich: Tampons und Co. sind in manchen einkommensschwachen Haushalten durchaus ein Luxusgut.

Initiative von Linken-Stadtrat Stefan John

Antrag gegen „Perioden-Armut“: Gratis Tampons an Schulen und im Rathaus gefordert

  • schließen

Linken-Stadtrat Stefan John fordert gratis Damenhygiene-Artikel in Moosburgs öffentlichen Einrichtungen. Das ganze hat einen ernsten Hintergrund.

Moosburg – Liegen auf Mädchentoiletten der Moosburger Schulen, im örtlichen Rathaus oder in der Bücherei bald gratis Tampons und Binden aus? Geht es nach Stefan John, Stadtrat und Bürgermeisterkandidat der Linken, soll genau das Realität werden. Er hat sich jetzt mit einem entsprechenden Antrag an seine Stadtratskollegen und Ortschefin Anita Meinelt gewandt.

Was für manchen zunächst einmal nach einem ungewöhnlich Plan klingen mag, ist andernorts bereits umgesetzt worden: Erst vor wenigen Tagen hat etwa das englische Bildungsministerium angekündigt, an allen staatlichen Schulen und Universitäten kostenlose Damenhygiene-Artikel auslegen zu lassen. Damit solle verhindert werden, dass Mädchen und Frauen aus einkommensschwachen Familien zu Hause bleiben, nur weil sie sich keine Tampons oder Binden leisten können. 

Schülerinnen schwänzen Schule aus Angst vor Menstruations-Malheur

Erhebungen hatten ergeben, dass auf der Insel im Jahr 2018 mehr als 137.000 Schülerinnen den Unterricht geschwänzt hatten – aus Sorge, es könnte ein Malheur geschehen. Für dieses Phänomen gibt es inzwischen einen Fachbegriff: „Perioden-Armut“.

In seiner Heimatstadt möchte Stefan John diese Verhältnisse vermeiden, wie er betont: „Für Hygieneartikel sind im aktuellen Hartz-IV-Regelsatz nicht einmal zehn Euro vorgesehen, was bei Weitem nicht reicht, um alle Artikel abzudecken.“ Die gleiche Problemlage gelte für Alleinerziehende, Familien aus dem Niedriglohnsektor, Flüchtlinge und Migranten. John: „Es gilt, der ,Perioden-Armut‘, dem Fehlen in der Schule oder Arbeit, weil man sich keine Hygieneartikel leisten kann, entgegenzuwirken.“

Neues Newsletter-Angebot

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Freising-Newsletter informiert Sie regelmäßig über wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Freising - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Ein weiteres Ziel: Periode enttabuisieren

In einem reichen und fortschrittlichen Land wie Deutschland soll es laut dem Linken-Politiker möglich sein, „das Thema zu enttabuisieren und eine Grundversorgung an Hygieneartikeln zu gewährleisten“.

Stefan John (Linke) möchte die Menstruation in der Gesellschaft enttabuisieren.

Konkret fordert John nun, dass der Stadtrat einen Probezeitraum von drei Monaten beschließt. Darin sollten Damenhygiene-Artikel in öffentlich genutzten städtischen Gebäuden, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie Verwaltungsgebäuden kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Denn auch die erst kürzlich beschlossenen Steuersenkungen auf Damenhygiene-Artikel hätten nicht den gewünschten Effekt erzielt, wie John beklagt: „Binnen der ersten Tagen der Steuerminderung wurde von Herstellern eine Preiserhöhung angekündigt.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hallbergmooser Ortsmitte: Bücherstube Stotter macht dicht
Das Einzelhandelssterben in der Ortsmitte von Hallbergmoos geht weiter. Nach 21 Jahren schließt mit der Bücherstube Stotter ein weiteres Traditionsunternehmen.
Hallbergmooser Ortsmitte: Bücherstube Stotter macht dicht
Fahrenzhausens Bürgermeister Heinrich Stadlbauer: „Nun ist es an der Zeit zu gestalten“
Heinrich Stadlbauer ist einer von wenigen Bürgermeisterkandidaten im Landkreis Freising, die am Wahltag nicht zittern müssen: Der FBL-Rathauschef ist der einzige …
Fahrenzhausens Bürgermeister Heinrich Stadlbauer: „Nun ist es an der Zeit zu gestalten“
Podiumsdiskussion der Freisinger Landratskandidaten: Hier im Video-Livestream
Kurz vor der Landratwahl treffen am Dienstag die sieben Bewerber um den Posten des Freisinger Landrats aufeinander. Interessierte können die Debatte vor Ort verfolgen – …
Podiumsdiskussion der Freisinger Landratskandidaten: Hier im Video-Livestream
Podiumsdiskussion in Freising: Sieben Bewerbungen für „Traumjob“, drei Stunden Spannung
Die Podiumsdiskussion des Freisinger Tagblatts mit den sieben Freisinger OB-Kandidaten bot fast drei Stunden lang Hochspannung. Jetzt haben die Bürger die Qual der Wahl.
Podiumsdiskussion in Freising: Sieben Bewerbungen für „Traumjob“, drei Stunden Spannung

Kommentare