Am Hamburger Rathaus weht eine Pride-Flagge.
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Was Hamburg schafft, ist in Moosburg nicht möglich: eine Regenbogenfahne als Symbol für Toleranz am Rathaus aufzuhängen.

Debatte um Pride-Fahne

Moosburg hisst Regenbogen-Flagge nun doch – aber nicht am Rathaus

Nach wachsender Kritik lenkt Moosburgs Bürgermeister ein und kündigt nun doch das Hissen einer öffentlichen Pride-Flagge an. Doch die wird nicht etwa am Rathaus wehen.

Moosburg – Sie wehte gleich mehrfach am Münchner Rathaus, in Erfurt vor der Thüringischen Staatskanzlei und auch diverse andere Städte wie etwa Hamburg haben schon eine Regenbogenfahne gehisst. In Moosburg wurde das bunte Stück Stoff derweil zum Politikum, da sich die Stadtspitze um Bürgermeister Josef Dollinger lange zierte, das Symbol für Toleranz und Diversität am Rathaus anzubringen.

Gefordert hatte das vor Wochen die Fresh-Fraktion im Stadtrat, unterstützt von weiteren Gruppierungen. Gemeinsam mit Grünen und Linken hängte Fresh kurzerhand selbst ein Pride-Banner am Hirschwirt auf. Und die beiden Räte Julia Neumayr und Thomas Wittmann landeten im Gremium einen besonderen Clou, als sie Regenbogen-Masken für ein Gruppenfoto verteilten – und sich unter anderem sogar Kollegen der CSU und von Dollingers Freien Wählern mit ins Bild stellten. Der Druck auf Dollinger wuchs – auch, weil Räte wie Gerd Beubl (SPD) und Johannes Becher (Grüne) durchklingen ließen, dass die wiederholte Absage des Bürgermeisters dann eben in einen formellen Antrag münden werde – und dieser große Chancen auf eine Mehrheit habe. Die Rechtfertigung Dollingers, man könne keine Pride-Flagge hissen, da die nicht an ein offizielles Dienstgebäude gehöre, werteten viele als fadenscheinige Ausrede.

Regenbogen-Flagge soll rund 100 Meter entfernt wehen

Am Mittwoch nun ruderte Dollinger zurück, zumindest teilweise: Er kündigte an, dass es ab 5. August nun doch eine Regenbogen-Beflaggung geben werde – allerdings nicht am Rathaus, sondern knapp 100 Meter weiter, am Haus der Bildung. Die dort residierende Vhs habe sich dazu bereiterklärt. „Mir ist es durchaus ein sehr großes Anliegen, mich als Stadtoberhaupt gegen jegliche Diskriminierung und für Toleranz und Solidarität einzusetzen und hier auch Vorbild zu sein“, betonte Dollinger. Er beharrte jedoch weiter darauf, dass „das Rathaus als Amtsgebäude für die offiziellen Beflaggungsanlässe vorgehalten wird“.

Das Fresh-Duo verbucht diesen Kompromiss als großen Erfolg, wie es am Freitag in einer Erklärung wissen ließ. „Es ist uns eine unglaubliche Freude und erfüllt uns mit Stolz, dass die Regenbogenflagge nun erstmals offiziell in Moosburg auf unsere Anfrage hin gehisst wird.“ Auf einen Nachtritt, weil nun doch wieder nicht das Rathaus behängt wird, verzichteten Neumayr und Wittmann. Gerd Beubl konnte sich einen Seitenhieb derweil nicht verkneifen: Der SPD-Mann und 2. Vorsitzende der Vhs betonte per Offenen Brief, dass der Vorstand der Volkshochschule selbst, bereits vor der Entscheidung der Stadt, das Hissen der Flagge beschlossen habe.

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