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Informierte über die Lebensläufe der Moosburger Bürger Heinrich Hiermeier, Kolomann Wagner und Alois Weiner: Guido Hoyer (l.). Die Vorstellung Martin Bruckmaiers, dem ebenfalls ein Stolperstein gewidmet werden soll, wurde vertagt.

Moosburg: Inne halten zum Gedenken an Opfer des Nazi-Regimes

Moosburg: Biographische Daten von NS-Verfolgten, an die auf den quadratischen Hinguckern auf Gehwegen hingewiesen wird, wurden nunmehr vorgestellt.

Moosburg – In Freising gibt es bisher 17 Stück, in Landshut 26: Stolpersteine, die an die Opfer der Nazi-Diktatur erinnern. Jetzt sollen die Bodentafeln auch in Moosburg verlegt werden. Biografische Daten von NS-Verfolgten aus Moosburg, an die auf den quadratischen Hinguckern auf den Gehwegen hingewiesen wird, stellte Guido Hoyer bei einer Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) Kreisvereinigung Freising-Moosburg am Freitagabend im Hotel Zur Länd vor.

Quellen aus Gestapo-Listen und persönlichen Briefen

Aus Archiven und Meldebögen von Städten und Gemeinden, Pfarrämtern, persönlichen Briefen, Gestapo-Listen oder Berichten der örtlichen Tageszeitungen ist es Guido Hoyer gelungen, umfassende biografische Daten von folgenden Moosburger Verfolgten zu erstellen: Heinrich Hiermeier (1907 bis 1940), Kolomann Wagner (1905 bis 1944) und Martin Bruckmaier (1902 bis 1940), die den Nazi-Terror nicht überlebt hatten. Alois Weiner wurde als Überlebender gewürdigt.

Erdacht hat die Stolpersteine der Kölner Künstler Gunter Demnig. Aus dem Projekt, das Anfang der 1990er Jahre initiiert wurde, ist mittlerweile ein weltweites Mahnmal entstanden. In Deutschland gebe es die kleinen quadratischen Gedenksteine bereits in 1265 Kommunen, informierte Stadtrat Stefan John (Die Linke) zu Beginn der Veranstaltung. In Moosburg sei die Verlegung für den Herbst 2021 angedacht.

Die Stolpersteine werden vor den früheren Wohnhäusern der Opfer in den Gehweg eingelassen. Um die Inschrift mit den Namen, Geburtsdaten und dem Zeitpunkt der Deportation lesen zu können, muss man innehalten und sich bücken.

Heinrich Hiermeier, der für seine Familie den Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter verdiente, sei als Mitglied der Moosburger Ortsgruppe der Kommunistischen Partei (KPD) im Visier der Nazis gewesen. Zu zwei Jahren und vier Monaten Haft im Zuchthaus sei er im Juni 1936 aufgrund der Aussage von Denunzianten verurteilt worden. Nach dem Ende der Haft sei er kurz frei gekommen, erläuterte Hoyer.

Morde wurden als Unglücksfälle getarnt

Allerdings habe er bereits ein Jahr später zusammen mit anderen Zwangsarbeitern am Obersalzberg im Berchtesgadener Land am Aufbau der „Führer-Residenz“ mitgearbeitet. Ob er dort freiwillig gearbeitet habe, oder zur Zwangsarbeit verschleppt worden sei, sei nicht klar, sagte Hoyer – ebenso die Umstände seines Todes im Februar 1940. Im Sterbematrikel der Pfarrei St. Kastulus ist zu lesen: „Abgestürzt vom Gerüst, Schädelbruch, innere Verblutung, Halswirbelbruch“. Doch die Aussage von Zeitgenossen deutet darauf hin, dass Hiermeier ermordet worden ist. Dass Morde als Unglücksfälle getarnt wurden, sei in der NS-Zeit gängige Praxis gewesen, so der Referent. Dazu würde passen, dass es den Angehörigen damals verboten worden sei, den Sarg zu öffnen. Gewohnt habe Hiermeier am Stadtgraben 30.

Koloman Wagner sei einem Justizmord zum Opfer gefallen. Das Todesurteil, das das Oberlandesgericht im Mai 1944 aussprach, habe auf „Wehrkraftzersetzung“ gelautet. Allem Anschein nach nicht objektiv, wie Hoyer in seinen Recherchen heraus gefunden hatte. Es sollte offenbar der Abschreckung dienen. Koloman Wagner wurde am 27. Juli 1944 in Stadelheim hingerichtet. Sein Wohnort in Moosburg war das Landgässchen, heute Viehmarktstraße.

Strippenziehender Jude Weiner

Der Jude und langjährige Inhaber eines Moosburger Textilgeschäft Alois Weiner sei zwar dem Todesurteil entkommen, allerdings sei das Geschäft polizeilich überwacht worden. Als Opfer der NS-Verschwörungstheorie „strippenziehender Juden“ wurde er 1942 nach Theresienstadt abtransportiert, gehörte aber zu den wenigen Überlebenden. Das über zwei Stockwerke eingerichtet Textilgeschäft der Gebrüder Weiner befand sich Auf dem Gries in Moosburg.

Die Vorstellung des NS-Opfers Martin Bruckmaier wurde vertagt.

Maria Martin

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