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Die „Moordeifen“ gehen um: Gruppe will alte Weihnachtsbräuche beleben - wohliges Gruseln garantiert

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Mystisch, wild, aufwändig: Mit eigens angefertigten Masken und Kostümen ziehen die Moordeifen erstmals am Samstag, 1. Dezember, durch Moosburg.
Mystisch, wild, aufwändig: Mit eigens angefertigten Masken und Kostümen ziehen die Moordeifen erstmals am Samstag, 1. Dezember, durch Moosburg. © Sabine Fink

Mit den Moordeifen will eine Gruppe Weihnachtsbräuche aufleben lassen. Die Moosburger dürfen sich bei ihren Auftritten auf ein „wohliges Gruseln“ und Überraschungen freuen.

Moosburg – Wenn die Tage dunkler sind, die Wälder nebelverhangen und es draußen kalt und unwirtlich ist, wenn die Menschen näher zusammenrücken, Kerzen anzünden und ihre Häuser weihnachtlich schmücken, dann ist das die Zeit der Mythen und Märchen, die Zeit der Hexen, der Engel, der Krampusse und des Heiligen Nikolaus. Sie ziehen dann in die Städte und Dörfer und zeigen sich den Menschen. Im Moosburger Advent haben sich nun einige der Gesellen angekündigt: die Moosburger Moordeifen.

Perchtenläufe erfreuen sich seit einigen Jahren wieder großer Beliebtheit. Doch an vielen Orten ist dieser uralte Brauch zu einer modernen Gruselshow geworden. In Moosburg soll das anders sein, wie der Ober-Krampus der Moordeifen verrät. Peter ist sein Name. Mehr will er nicht Preis geben, da die Gruppe so lange wie möglich Spannung und Mythos aufrecht erhalten will.

Die kunstvoll gestalteten Masken kommen aus Bayern und Österreich

Nikolaus, Engerl und Krampus: Hausbesuche dieses Trios wollen die Moordeifen wieder stärker aufleben lassen.
Nikolaus, Engerl und Krampus: Hausbesuche dieses Trios wollen die Moordeifen wieder stärker aufleben lassen. © Sabine Fink

Und dafür haben sich die neun Moordeifen ordentlich ins Zeug gelegt. Sie tragen kunstvoll gestaltete Masken, die Schnitzer in Österreich und Bayern eigens für sie gefertigt haben. Die Kostüme sind vor allem selbst genäht und nicht minder aufwändig. Das nötige Wissen über Stoffe und Herstellung bringt der Ober-Krampus mit: Als experimenteller Hobbyarchäologe hat er schon viele Kleider aus der Vergangenheit originalgetreu nachgebildet. Vor allem das Mittelalter hat es ihm angetan, und er hat schon für einige Museen und Ausstellungen sein Wissen und Können zur Verfügung gestellt. Und im Mittelalter findet man auch zahlreiche Bräuche um mystische Gestalten.

Seine Faszination dafür kann Peter nun mit seinen Moordeifen ausleben. Und zwar so ursprünglich wie möglich. „Wir wollten zum Beispiel wieder den alten Einkehrbrauch in den Fokus rücken“, sagt er. Also den Brauch, bei dem der Nikolaus zu den Familien kommt – mit dem Krampus als „Erziehungshelfer“. Die Moordeifen haben ihre Figuren und Aktionen stark an die Niederschrift eines Predigers aus dem 17. Jahrhundert angelehnt. 

Der 5. Dezember war einst der „Krampus-Tag“, also der Tag, an dem das Böse ungezügelt wirken durfte. Der 6. Dezember gilt nach wie vor dem Heiligen Nikolaus, der das Böse wieder unter Kontrolle bringt. Es ist also nicht nur das reine Brauchtum, das die Moordeifen fasziniert, es sind auch die philosophischen und psychologischen Aspekte. Die dunklen Gestalten seien eigentlich eine klare Bildsprache für die Ängste der Menschen. „Heute haben wir es im Winter warm und gemütlich“, sagt Peter. Aber in früheren Zeiten? Man stelle sich vor, der Wind heult ums Haus, das Holz muss sparsam verwendet werden, Licht schenkt nur eine flackernde Kerze, hungrige Wölfe schleichen in der Nähe menschlicher Siedlungen umher. „Früher war der Winter eine harte, bedrohliche Zeit.“ Und das steckt auch in den mystischen Figuren.

Die Moordeifen wollen zum Nachdenken anregen - nicht Angst machen

Wie zum Beispiel in „Hulda“, einer germanischen Waldgöttin und „Frau-Holle“-Version. Die gehörnte Dame vereint die beiden Gegensätze Gut und Böse in sich. Ihr Kostüm übrigens haben die Moordeifen nähen lassen. „Das war zu aufwändig, um es selbst zu machen“, sagt Peter. Neben der gehörnten Göttin gibt es auch noch den weißen und den schwarzen Engel. Wieder ein Symbol für die helle und die dunkle Seite. Dabei wird der schwarze Engel jedoch oft zu Unrecht in die negative Ecke gestellt. „Er war ursprünglich der Todesengel, also der, der die Seelen begleitet auf dem Weg ins Jenseits“, weiß der Ober-Krampus.

Die Frage ist also immer: Welche Haltung hat man dem Tod gegenüber? Sie wollen zum Nachdenken anregen, wollen Mystik und Zauber verbreiten, wollen altes Brauchtum wieder leben – eins wollen sie aber auf keinen Fall: „Den Leuten Angst machen.“ Vielmehr ginge es um ein wohliges Gruseln, ein kleines Spiel mit der Gänsehaut. Wer darauf Lust hat, sollte am 1. Dezember in der Moosburger Innenstadt Bummeln gehen. Denn da treiben die Moordeifen zum ersten Mal ihr Unwesen: mit Glocken, Ketten und Gebrüll. Und Peter macht es noch spannender: „Ich habe noch nicht alles verraten, man darf sich also auf Überraschungen freuen.“

Claudia Bauer

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